Kommentar Emotionen statt Ratio

Auch wenn alle Automobilhersteller immer den Spaß am Fahren betonen, bin ich dennoch über einen Artikel bei dpa erstaunt.

In der Meldung geht es um eine neue Marktanalyse des Car-Instituts an der Uni Duisburg-Essen, dessen Leiter, Professor Dr. Ferdinand Dudenhöffer, erklärt, dass die SUVs 2012 schon auf 16 Prozent aller Pkw-Neuzulassungen kamen. 2009 waren es mit rund 275.000 SUV lediglich 7 Prozent gewesen. Bis 2020 soll dieser Anteil trotz eines verlangsamten Wachstums auf gut 30 Prozent aller Neuzulassungen steigen. Dass das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) neuerdings auch SUVs als eigene Kategorie in den Statistiken aufführt, bestätigt zumindest den Trend der Analyse.

Glaubt man Dudenhöffers Aussage, dass ein SUV im Durchschnitt mindestens 25 Prozent mehr Treibstoff als konventionelle Fließ- und Stufenheckfahrzeuge verbraucht, scheinen hierzulande für viele Leute Themen wie Umweltschutz und Benzinpreise überhaupt keine Rolle zu spielen. Und auch wenn die Hersteller sich darüber freuen dürften, dass diese Autos in der Beliebtheitsskala immer weiter nach oben rücken, immerhin handelt es sich dabei um eher hochpreisige Fahrzeuge, bringt diese Entwicklung auch Probleme mit sich. Denn sie laufen konträr zu den EU-Vorgaben zur CO2-Emission: Bislang liegt die Grenze für die Flotte bei 130 g/km, ab 2020 soll dieser Grenzwert auf 95 g/km sinken. Bereits heute klagen die Hersteller über die engen Grenzen. Steigen die SUVs am Flottenanteil aber weiter an, dann hält zumindest Dudenhöffer Strafzahlungen für wahrscheinlich.

Und übrigens: Bei der oft verbreiteten Meinung, die meisten SUVs in Deutschland benutzen Ehefrauen, um ihre Kleinen in den 500 m entfernten Kindergarten zu fahren, handelt es sich um ein Vorurteil: Laut KBA sind 55 Prozent der neuzugelassenen SUVs Firmenwagen. Damit erklärt sich zumindest schon einmal, warum der Benzinpreis bei der Kaufentscheidung keine Rolle spielt.