Kommentar Die Batterie ist der neue Motor

Engelbert Hopf, Chefreporter, EHopf@markt-technik.de

Ein landesweites Netz von »Schnellllade-Stromzapfsäulen« an deutschen Autobahntankstellen und der Trend zu kleineren, leichteren, performancestärkeren und kostengünstigeren Batterien könnten der E-Mobilität in Deutschland eine neue Dynamik verleihen.

So viel ist sicher: In der deutschen Automobilbranche wird das Spannungsfeld zwischen klassischem Verbrennungsmotor und alternativen Konzepten, wie etwa dem Batterieantrieb, noch auf einige Jahre erhalten bleiben. Aber die deutsche Automobilbranche war wohl noch nie so nah dran an der Elektromobilität wie heute.

Das mag zum einen daran liegen, dass Tesla mit dem Modell 3 ein Fahrzeug auf die Straße zu bringen droht, das Reichweite, Performance, Sicherheit und ein großzügiges Platzangebot in einem Maße kombiniert, wie das zu den dafür aufgerufenen Preisen bisher nicht möglich erschien. Spätestens mit dem erfolgreichen Markteintritt des Modell 3 dürfte Tesla den Status des Exoten für die etablierten Automobilhersteller verlieren.

Die Deutschen lieben bekanntermaßen ihre Autos – eine Liebe, die unter anderem mit Emotionen verbunden ist, und dem Gefühl der persönlichen, individuellen Mobilität. Ungeachtet dessen, ob diese persönliche Individualität in einer Zukunft des autonomen Fahrens noch so gegeben sein wird, hält sich doch die Vorstellung, einfach so ins Auto einsteigen und von Hamburg nach München fahren zu können. Über das Nachtanken macht sich dabei keiner groß Gedanken.

Es sind diese 5 Prozent langer Überlandreisen, die nach Einschätzung der Experten die Reichweite beim Thema E-Mobilität zur obersten Priorität erhoben haben. Reichweite erfordert große Batterien. Große Batterien sind teuer und schwer. Damit ist das Thema Elektrofahrzeug für den normalen Autofahrer gestorben. Im Prinzip ein Henne-Ei-Problem: Gibt es genügend Stromtankstellen, steht der Mobilität nichts mehr im Wege. Aber solange es nur ein paar Elektrofahrzeuge auf der Straße gibt, brauchen wir auch kein flächendeckendes Netz von Stromtankstellen.

Dieser Teufelskreis scheint nun durchbrochen zu sein: Bis Ende des Jahres sollen alle Autobahntankstellen in Deutschland über „Stromzapfsäulen“ verfügen, die eine Schnellladung mit 400 V / 32 A ermöglichen. In Baden Württemberg wären das dann beispielsweise allein über 40. Deutschlandweit dürfte sich eine Zahl von über 300 ergeben. Hinzu kommen noch sogenannte Korridore in Richtung der Deutschland umgebenden europäischen Metropolen. Von Seiten der Energiewirtschaft ist man damit nun in Vorleistung gegangen. Im ersten Schritt werden es wohl vier „Stromzapfsäulen“ pro Tankstelle sein. Mit zusätzlichen Niederspannungstrafos lässt sich diese Zahl schnell verdoppeln und verdreifachen. Zusammen mit der heimischen Steckdose wäre so das Konzept der Permanentladung zu realisieren, die der individuellen Mobilität keine Grenzen mehr setzt.

Gleichzeitig ließe sich die Größe und das Gewicht der benötigten Batterie reduzieren. Da sich gleichzeitig die Entwicklungsanstrengungen darauf konzentrieren, die Leistungsdichte der Batterie zu steigern, dürfte diese Strategie im Hinblick auf performancestarke und bezahlbare Elektrofahrzeuge zielführend sein. Es muss ja nicht gleich ein „Porsche Mission E“ mit 600 PS sein. Um einen Sportwagen an der Ampel bei Grün alt aussehen zu lassen, genügt schon bei einem ganz normalen Elektrofahrzeug der Tritt aufs Gas. Diese Art von Emotion, diese Freude am Fahren, vermittelt ein Elektroauto eben auf ganz andere Art als der gute alte Benziner.