Interview »Der NanoMQS-Stecker stellt die Weichen für die nächsten 20 Jahre«

Miniaturisierung in Perfektion: Der Steckverbinder NanoMQS von TE soll sich langfristig gesehen in Signalstromapplikationen im Auto etablieren.
Miniaturisierung in Perfektion: Der Steckverbinder NanoMQS von TE soll sich langfristig gesehen in Signalstromapplikationen im Auto etablieren.

Mitte der 90er Jahre hat das Steckverbindersystem MQS den Automobilmarkt revolutioniert. Zuletzt liefen bei TE Connectivity (TE) mehr als 10 Mrd. MQS-Kontakte pro Jahr von Band. Nun steht der Nachfolger bereit: der Steckverbinder NanoMQS für kleine Drahtquerschnitte bis 0,13 mm².Christian Nagl, Key Account Manager von TE, spricht über erste Reaktionen des Marktes.

Markt&Technik: Der NanoMQS-Steckverbinder zur Kontaktierung von Signalstrom-Applikationen im Auto ist auf einen minimalen Platzbedarf zugeschnitten. Wie groß war der Entwicklungsschritt für Ihr Unternehmen?

Christian Nagl, TE: Der Schritt war sehr groß, ähnlich wie jener von vor 20 Jahren, als wir den heute weltweit etablierten MQS-Steckverbinder auf den Markt gebracht hatten. Die Einführung des NanoMQS-Steckverbinders wird  nicht nur Einfluss haben auf die Leiterplatten-Verbindungen sowie den Kabelbaum, sondern auf die gesamte Infrastruktur des Autos. Sie müssen sich vor Augen halten, dass es sich um ein extrem kleines Produkt handelt. Der Steckverbinder hat ein Rastermaß von 1,8 mm und einen Reihenabstand von 1,5 mm. Zur Veranschaulichung: Allein aufgrund der Größe kollidiert er mit bestehenden Prüfverfahren und deren Parameter. So mussten wir unter anderem ein neues Verfahren für die Crimp-Validierung erarbeiten. TE verfügt über einen sehr großen Erfahrungsschatz in der Steckverbinder-Entwicklung – auch auf Seiten der Verarbeitungswerkzeuge. Ohne dieses Know-how wäre es sicherlich nicht möglich gewesen, einen derart miniaturisierten, wirtschaftlich wettbewerbsfähigen Steckverbinder auf den Markt zu bringen.

Beschränken sich die Vorteile des NanoMQS-Steckverbinders im Vergleich zum MQS-Kontakt im Wesentlichen auf die Größe?

Nein, aber die Miniaturisierung bildet die Grundlage für weitere Innovationen. Insbesondere ist die Gewichtsreduktion zu nennen. Ein wichtiges Anliegen der Automobilindustrie ist es, den hohen Anspruch an Bewegung und dadurch die CO2-Emissionen zu senken. Was bei einer einzelnen Verbindung kaum ins Gewicht fällt, kann in der Summe viel ausmachen. Am Beispiel einer Motorsteuerung lässt sich das Einsparpotenzial aufzeigen. In dieser Applikation finden sich typischer Weise rund 200 Verbindungen, ca. 150 bis 180 sind Signalverbindungen. Durch den Einsatz des NanoMQS-Steckverbindersystems kann man bei gleichbleibendem Bauraum die Anzahl der Verbindungen auf rund 300 erhöhen, darunter sind dann 220 bis 250 Signalverbindungen.
Aufgrund der kleineren Größe und der daraus resultierenden Gewichtsreduktion bieten  die Steckverbinder auch den Vorteil, beständiger gegenüber Vibrationen und Schock zu sein. In der Standardausführung erfüllen sie die Prüfschärfe 2. Wird zusätzlich eine Dichtung integriert, entsprechen die Komponenten den Anforderungen der Prüfschärfe 3 und 4. Die Steckverbinder lassen sich also näher am Motor einsetzen, wodurch die Flexibilität hinsichtlich des Packaging innerhalb der Infrastruktur im Auto zunimmt.

Wie groß ist der Druck der Automobilindustrie zur Miniaturisierung der Komponenten?

Anfangs war dieser äußerst gering. Damals haben wir selbst die Initiative ergriffen, wesentlich kleinere Anschlüsse und Steckverbinder zu realisieren. Wir als Komponentenlieferant haben gesehen, dass der nächste Schritt der Miniaturisierung bevorsteht. Das ist erkennbar durch die einerseits neuen Regularien hinsichtlich des CO2-Ausstoßes und anderseits die zunehmende Packungsdichte in Automotive-Applikationen.
Der Impuls zur Miniaturisierung unserer Automotive-Schnittstelle kam ursprünglich aus Japan. Wir haben diese Idee hier weiterentwickelt und unseren wichtigen Kunden vorgestellt. Die erste konkrete Einsatzmöglichkeit für das NanoMQS-System fanden wir aufgrund der beengten Platzverhältnisse  bei Motorrädern.