STMicroelectronics Da ist aber so einiges in der Pipeline

Entwicklung der Halbleiterumsätze im Automotive-Markt nach Segmenten

STMicroelectronics erzielt im Automotive-Markt inzwischen gut 30 Prozent seines Umsatzes. Mit dedizierten Produktentwicklungen will ST an den Wachstumssegmenten im Automotive-Markt überproportional partizipieren und zeigt schon mal, was demnächst zu erwarten ist.

STMicroelectronics will im Automotive-Markt wachsen. Einige Faktoren spielen dem Unternehmen in die Hände; dazu gehört der steigende Halbleiteranteil im Fahrzeug. Michael Anfang, Vice President Marketing & Application Automotive EMEA bei STMicroelectronics: »Die letzten mir bekannten Marktdaten besagen, dass der Halbleiteranteil in europäischen Fahrzeugen, die in diesem Jahr produziert werden, auf durchschnittlich 440 Dollar pro Fahrzeug steigen wird.« Bei den Premiumfahrzeugen liegt der Halbleiteranteil natürlich noch höher; Anfang spricht von einem Faktor 4 bis 8. In diesem Fall kommt noch ein weiterer Punkt hinzu: »Hier wachsen die Stückzahlen stärker. Wird davon ausgegangen, dass die gesamte Automobilproduktion in diesem Jahr stückzahlmäßig um rund 2 Prozent steigt, soll das Wachstum bei Premiumfahrzeugen bei ca. 6 Prozent liegen.« Bis 2020/2021 soll der Halbleiterumsatz im Automotive-Markt auf rund 38 Mrd. Dollar ansteigen –für letztes Jahr hatte IC Insights noch rund 28 Mrd. Dollar prognostiziert.

Diese Entwicklungen kommen zunächst einmal theoretisch allen Halbleiterherstellern im Automotive-Markt zugute. ST will aber zusätzlich noch von anderen Entwicklungen profitieren und fokussiert sich mit seinen Neuentwicklungen auf drei Bereiche: Elektrifizierung des Antriebsstrangs, ADAS/autonomes Fahren und das vernetzte Fahrzeug, integriert im IoT.

Hier wird auch das größte Wachstum erwartet. So besagen Marktanalysen und Prognosen von Strategic Analytics folgendes: Das im letzten Jahr noch dominante Absatzsegment Body-Elektronik (2017: 8,282 Mrd. Dollar) wird bis 2021 durch Safety-Anwendungen (2012: 9,577 Mrd. Dollar) abgelöst. Dazu zählt laut Anfang alles, was zu ADAS/autonomes Fahren (AD: Autonomous Driving), passive und aktive Sicherheit gehört. Dass dieser Bereich so stark wächst, liegt daran, dass die OEMs den Automatisierungsgrad ihrer Fahrzeuge stetig nach oben treiben und damit den Bedarf an Halbleitern: Der Halbleiterbedarf eines Fahrzeugs mit einem Automatisierungsgrad von Level 3 ist um den Faktor 2 bis 3 höher als der von einem Auto mit Level 2. Bei Level 3 liegt der Halbleiteranteil bei rund 500 Dollar pro Fahrzeug. Anfang weiter: »Level 4/5 erhöht den Halbleiteranteil noch einmal deutlich.« Das gesamte Powertrain-Segment soll wiederum von 6,405 Mrd. Dollar im letzten Jahr auf 8,772 Mrd. Dollar 2021 steigen.

Anfang: »Heute liegt der Anteil von E-Fahrzeugen an der Gesamtproduktion bei unter 1 Prozent.« Doch die meisten Experten sind sich einig darin, dass dieser Anteil bis 2030 auf mehr als 25 Prozent der produzierten Fahrzeuge steigen wird. »Spannend ist die Frage, wie sich die Entwicklung bis dahin verhält, sprich: wie viel E-Fahrzeuge werden beispielsweise 2025 produziert?« Darüber herrscht wiederum absolute Uneinigkeit, da schwanken die Aussagen zwischen 5 und 15 Prozent. So oder so, E-Mobilität ist für STMicroelectronics ein wichtiger Bereich, denn »zum einen sind wir einer der führenden Hersteller im Antriebsstrang, zum anderen erhöht sich der Halbleiteranteil beim Übergang vom Verbrennungsmotor zum Hybrid-Fahrzeug um den Faktor 2.« Leistungsstärkere Fahrzeuge erfordern sogar ein Mehr um den Faktor 3, und das speziell in der Leistungselektronik – klar, dass das ein wichtiges Wachstumspotenzial für ST darstellt.

Elektrifizierung des Antriebsstrangs – SiC ist des Rätsels Lösung

»SiC ist ein wichtiges Thema und hervorragendes Wachstumsfeld für STMicroelectronics, speziell wenn es um Leistungshalbleiter für die E-Mobilität geht«, so Anfang weiter. Denn die Leistungshalbleiter sind eine fundamentale Voraussetzung dafür, dass eine effiziente E-Mobilität überhaupt umgesetzt werden kann. Und Effizienz ist in diesem Bereich ein überaus entscheidender Punkt; damit kommen Wideband-Gap-Materialien ins Spiel, »allen voran SiC«, so Anfang. Er ist der Überzeugung, dass ST beim Thema SiC nicht nur Pionier, sondern auch führender Hersteller ist. Das Unternehmen produziert bereits seit 2003 SiC-Dioden, damals noch auf 2-Zoll-Linien für industrielle Anwendungen.

Mittlerweile stehen aber auch für Automotive-Anwendungen Dioden der dritten Generation und MOSFETs der zweiten Generation zur Verfügung. Anfang: »Unsere 650-V-MOSFETs der zweiten Generation fertigen wir inzwischen auf einer 6-Zoll-Linie, um die Kosten zu senken. Und unsere 1200-V-MOSFETs für Automotive-Anwendungen befinden sich derzeit in der finalen Qualifikation.« Die Zielapplikationen dafür sind beispielsweise Umrichter, Ladesysteme, DC/DC-Wandler im Fahrzeug, UPS, Solar-Umrichter. Hat die Technik schon ihren Weg in die Traktionsumrichter auf der Straße gefunden? »Nein, aber wir haben mit einem Leitkunden die Produktion für den Umrichter gestartet«, so Anfang.