Elektrische Automatisierung in Deutschland ZVEI sieht leicht positive Tendenz

Roland Bent, ZVEI: »Die elektrische Automatisierung erwartet bis zum Jahresende - und bis ins kommende Jahr hinein - ein Wachstum im unteren einstelligen Bereich.«
Roland Bent, ZVEI: »Die elektrische Automatisierung erwartet bis zum Jahresende - und bis ins kommende Jahr hinein - ein Wachstum im unteren einstelligen Bereich.«

Weder auf noch ab, sondern seitwärts entwickelte sich die Konjunktur der deutschen Automatisierungsbranche in den ersten neun Monaten des Jahres 2014. Zum Jahresende soll unter dem Strich aber ein leichtes Plus stehen, wie der ZVEI auf seiner SPS-IPC-Drives-Pressekonferenz verkündete.

»Die elektrische Automatisierung erwartet bis zum Jahresende - und bis ins kommende Jahr hinein - ein Wachstum im unteren einstelligen Bereich«, sagte Roland Bent, Vorstandsmitglied des ZVEI-Fachverbands Automation und Geschäftsführer von Phoenix Contact. »Der Blick in die Zukunft ist zwar diffus und von einigen Unwägbarkeiten geprägt, aber in einer Kurz-Umfrage haben die Unternehmen der Automatisierungstechnik durchaus ihren bisherigen Optimismus bestätigt.« Anlass dazu gibt aktuell vor allem der Auftragseingang als in die Zukunft gerichtete Messgröße: Er stieg im Zeitraum von Januar bis September um 2,9 Prozent. Der Umsatz der Branche sank jedoch gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein wenig, und zwar um 0,1 Prozent auf 34,5 Mrd. Euro. Im Aufwärtstrend liegt dagegen die Produktion: Sie stieg im ersten Halbjahr 2014 gegenüber dem Vergleichszeitraum 2013 um 1,8 Prozent auf 18,7 Mrd. Euro.

Der Blick auf die einzelnen Zweige der Automatisierungsbranche ergibt ein uneinheitliches Bild: »Bei Schaltgeräten, Schaltanlagen, Industriesteuerungen und Sensoren zeigt sich in den ersten neun Monaten des Jahres 2014 eine rückläufige Entwicklung: Der Umsatz ging gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum um 3,4 Prozent auf 13,8 Mrd. Euro zurück«, erläuterte Bent. Schon 2013 war der Umsatz um 2,7 Prozent geschrumpft. »Die Trendwende ist aber in Sicht durch ein Plus von 2,3 Prozent beim Auftragseingang. Nach zurückgegangener Inlands-Produktion im Jahr 2013 waren wir hier im ersten Halbjahr 2014 bereits wieder auf der Wachstumsschiene.«

Für die Prozessautomatisierung ist laut Bent beim Umsatz in den ersten acht Monaten 2014 ein Anstieg um 1,9 Prozent auf 14 Mrd. Euro zu verzeichnen. Beim Auftragseingang betrug das Wachstum 3,2 Prozent. »Die Unternehmen prognostizieren bis zum Jahresende 2014 weiteres Wachstum«, sagte er. »Für 2015 erwarten sie eine Zunahme des Auftragseingangs um 5 Prozent. Damit würde 2015 das sechste Wachstumsjahr in Folge.«

Ein verhalten positives Bild von der Antriebstechnik-Sparte zeichnete Jürgen Amedick, Vorsitzender des ZVEI-Fachbereichs Elektrische Antriebe und Leiter des Vertriebs Process Industries and Drives von Siemens in Deutschland: »Kumuliert bis Ende September 2014 betrug das Plus beim Auftragseingang 3,5 Prozent«, stellte er fest. Der Umsatz stieg in den ersten neun Monaten 2014 um 3 Prozent auf 6,7 Mrd. Euro. Allerdings blieb die Inlands-Produktion mit minus 2,4 Prozent deutlich hinter der Umsatzentwicklung, wobei dazu bislang nur Zahlen vom ersten Halbjahr 2014 vorliegen. 

Zum Thema Industrie 4.0 präsentierte Bent interessante Umfrageergebnisse: »Bei einer auf dem diesjährigen ZVEI-Kongress durchgeführten stichprobenhaften Umfrage zu 'Industrie 4.0 in der Elektroindustrie‘ gaben mehr als drei Viertel der befragten Unternehmen an, erste Ansätze und Projekte zu Industrie 4.0 im eigenen Unternehmen zu realisieren oder sich bereits als Anbieter von Komponenten für Industrie 4.0 auf dem Markt zu positionieren«, führte er aus. »Über fertige Lösungen verfügen - nach eigenen Angaben - aber erst gut 7 Prozent. Industrie 4.0 ist in der Elektro- und Automatisierungsindustrie kein Trend mehr; es handelt sich um eine historische Veränderung, die längst auf den Weg gebracht worden ist.« 

SPS IPC Drives: Halle 2, Stand 419