Besonders hohes Umsatzwachstum mit Komponenten für die Energie- und Bahntechnik in Asien Weidmüller lässt die Krise hinter sich

Dr. Joachim Belz, Weidmüller: »Wir beabsichtigen, die Wurzeln des Unternehmens in Detmold zu lassen und gut zu mehren.«

Wie viele andere Firmen der Elektromechanik- und Elektronik-Branche hat Weidmüller die Wirtschafts- und Finanzkrise deutlich früher und schneller als erwartet überwunden. Für 2010 rechnet das Unternehmen mit einem Umsatz fast auf dem Niveau von 2008.

»Unser Auftragseingang hat sich im vierten Quartal 2009 stabilisiert und entwickelt sich seit dem ersten Quartal 2010 ausgesprochen gut«, erläutert Dr. Joachim Belz, Vorstandssprecher der Weidmüller-Gruppe. »In den ersten acht Monaten des Jahres 2010 lag unser Umsatz um 30 Prozent über dem des Vorjahreszeitraums, und für den September zeichnet sich dieselbe Tendenz ab. Wenn das vierte Quartal gut läuft, werden wir im Gesamtjahr 2010 beinahe das Umsatzniveau von 2008 erreichen.« Damals erzielte das Unternehmen 533 Mio. Euro Umsatz, ein Jahr später nur noch 401 Mio. Euro, also 24,8 Prozent weniger.

Das größte Wachstumspotential für die Zukunft sieht Belz in Asien: In den ersten acht Monaten des Jahres 2010 stieg der Umsatz dort um mehr als 40 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. »Ein besonders hohes Wachstum haben wir in Asien, speziell in China, mit Produkten für die Energieverteilung und die Erzeugung von Energie aus erneuerbaren Quellen erzielt«, verdeutlicht Belz. »Gerade in China werden große Summen in die Windkraft und das Smart Grid investiert.«

Auf dem deutschen Markt erreichte Weidmüller in den ersten zwei Dritteln des laufenden Jahres knapp 30 Prozent mehr Umsatz als im selben Zeitraum des Vorjahres, im europäischen Ausland gut 20 Prozent mehr. »In Südeuropa floriert das Geschäft mit Anschlussboxen und Diagnosemodulen für die Photovoltaik«, führt Belz aus.

Den höchsten Umsatzanstieg jedoch verbuchte das Unternehmen über seinen Vertriebspartner, eine Rockwell-Automation-Tochtergesellschaft, in den USA: immerhin etwa 50 Prozent. »Die konjunkturelle Lage dort ist allerdings sehr instabil«, gibt Belz zu bedenken.

Nach wie vor erwirtschaftet Weidmüller etwa ein Viertel seines Umsatzes in Deutschland. Das europäische Ausland trägt ungefähr 45 Prozent zum Gruppenumsatz bei, und die außereuropäischen Länder schlagen mit zirka 30 Prozent zu Buche. Als besonders erfolgreich erwies sich das Elektronikgeschäft, um das Weidmüller erst 2007 sein Kerngeschäft mit Elektromechanik ergänzt hatte: Sein Volumen war in den ersten acht Monaten des Jahres 2010 um 15 Prozent größer als im Vergleichszeitraum das Jahres 2008 und um 67 Prozent größer als im selben Zeitraum des Folgejahres. Am Gruppenumsatz hat das Elektronikgeschäft derzeit einen Anteil von etwa 15 Prozent.

Besonders positiv entwickelten sich für Weidmüller die Produktsparten Leiterplatten-Steckverbinder für die Antriebstechnik, Stromversorgungen, Analogsignalwandler, Druckersysteme für Markierung und Beschriftung, Industrial-Ethernet-Steckverbinder mit hoher Schutzklasse und Steckverbinder für die Bahntechnik. »China will zum Marktführer in der Bahntechnik aufsteigen«, erklärt Belz. »Generell sehen wir in Asien große Marktpotenziale in der Bahntechnik.«

Unter anderem auch im Hinblick darauf hat Weidmüller vor kurzem in Shanghai ein neues Entwicklungszentrum eröffnet, das zweite in China. »Wir beabsichtigen, die Wurzeln des Unternehmens in Detmold zu lassen und gut zu mehren«, kommentiert Belz dies. »Entwicklung und Fertigung in Asien sind aber nötig, um die dortigen Märkte zu bedienen.« Dementsprechend verlagere das Unternehmen Entwicklung und Fertigung nicht, sondern baue hierzulande ebenso wie in Asien zusätzliche Kapazitäten auf. Momentan beschäftige Weidmüller in Deutschland 1815 Mitarbeiter.

»Der Hauptschlag der Krise von 2009 ist überwunden«, resümiert Belz. »Nach wie vor gibt es zwar erhebliche Risiken im weltwirtschaftlichen Gesamtgefüge, aber wir haben uns gut darauf vorbereitet, ihnen zu begegnen. Wir sehen optimistisch in die Zukunft, müssen uns aber darauf einstellen, dass das Wachstum jederzeit abflachen kann.« Vor diesem Hintergrund wolle er für 2011 nicht 20 oder 30 Prozent Umsatzplus prognostizieren: »Wir planen für 2011 mit einem hohen einstelligen Wachstum und gehen nicht davon aus, dass das Plus deutlich über 10 Prozent liegen könnte«, sagt er.