ZVEI-Fachverband Automation Wachstumskurve flacht ab

Dr. Gunther Kegel, ZVEI: »Bei den End-Usern elektrischer Antriebstechnik scheint das Thema Energieeffizienz jetzt anzukommen.«
Dr. Gunther Kegel, ZVEI: »Bei den End-Usern elektrischer Antriebstechnik scheint das Thema Energieeffizienz jetzt anzukommen.«

Die stürmische Aufwärtsentwicklung der Nach-Krisen-Jahre 2010 und 2011 beim Branchenumsatz der Automatisierer ist im Jahr 2012 einer Seitwärtsbewegung gewichen. Dies zeigen die neuesten Konjunkturdaten des ZVEI-Fachverbands Automation.

»Das Jahr 2012 hat noch stark von der Dynamik des Jahres 2011 profitiert«, erläuterte Dr. Gunther Kegel, Vorsitzender des ZVEI-Fachverbands Automation und im Hauptberuf Vorsitzender der Geschäftsführung von Pepperl+Fuchs. So stieg der Gesamtumsatz der deutschen Automatisierungsbranche um 1,4 Prozent auf 48,3 Mrd. Euro. Die hohen Auftragseingänge des ersten Halbjahrs setzten sich jedoch in den letzten beiden Quartalen nicht fort, so dass 2012 hier mit einem Minus von 2,4 Prozent schloss.

Der Export elektrischer Automatisierungstechnik legte 2012 um 3,8 Prozent zu und erreichte mit über 32,4 Mrd. Euro erneut ein Allzeithoch. Die Exportquote der deutschen Automatisierungsindustrie stieg damit auf weit über 80 Prozent. Allerdings entwickelten sich die Ausfuhren regional unterschiedlich: »Bemerkenswert ist, dass die Exporte in die USA mit plus 12,3 Prozent auf einem stabilen Wachstumsniveau liegen, während die Ausfuhren in den EU-Raum um 1,1 Prozent gesunken sind«, verdeutlichte Kegel. »Rückläufig waren vor allem die Exporte in die Mittelmeerländer.« Die Ausfuhren in die europäischen Nicht-EU-Länder wuchsen um 3,5 Prozent, die nach Südostasien um 7,4 Prozent. 47 Prozent der Exporte gingen in den EU-Raum, 10 Prozent in die übrigen Länder Europas, 21 Prozent nach Südostasien und 10 Prozent in die USA.

Der Import elektrischer Automatisierungstechnik nahm 2012 um 4,2 Prozent auf 17,1 Mrd. Euro zu. 55 Prozent der Einfuhren nach Deutschland kamen aus den anderen EU-Ländern, 11 Prozent aus den europäischen Nicht-EU-Ländern, 22 Prozent aus Südostasien und 8 Prozent aus den USA. »Insgesamt hat die deutsche Automatisierungsbranche also einen Exportüberschuss von fast 100 Prozent, auch gegenüber Südostasien«, merkte Kegel an. Der Weltmarkt für elektrische Automatisierungstechnik wuchs Berechnungen des ZVEI zufolge 2010 - neuere Daten liegen noch nicht vor - gegenüber 2009 um knapp 19 Prozent auf 347 Mrd. Euro. »Wir schätzen, dass der Automatisierungstechnik-Weltmarkt 2011 die 400-Mrd.-Euro-Marke erreicht und 2012 auf 420 Mrd. Euro zugenommen hat«, führt Kegel aus. Die führenden Nettoexporteure in Sachen elektrischer Automatisierungstechnik seien nach wie vor Japan und Deutschland.

An den Risiken für die Automatisierungskonjunktur im Jahr 2013 hat sich laut Kegel gegenüber 2012 kaum etwas geändert. »Die Belastung der europäischen Gemeinschaftswährung durch die drohende Zahlungsunfähigkeit einer Reihe kleinerer Mitgliedsstaaten ist immer noch gegeben und hat bereits zu einer wachsenden Verschuldung aller Mitgliedsstaaten geführt«, stellte er fest. »Auch die derzeitige Entwicklung der Rohstoff- und Energiekosten trägt nicht gerade zur Stimulierung der Märkte bei.« Für 2013 sei der Verband daher weiterhin verhalten optimistisch: »Die rückläufigen Auftragseingänge und Umsätze mit Fabrikautomatisierungstechnik in den letzten Monaten konnten im ersten Quartal 2013 nicht komplett kompensiert werden«, sagte Kegel. »Daher erwarten wir für das Gesamtjahr ein Wachstum in der Größenordnung von etwa 2 Prozent.«

Trotz der gedämpften Erwartungen beschäftigt die Automatisierungsbranche in Deutschland jetzt mehr als 250.000 Mitarbeiter. »Nach wie vor kann man die Automatisierung als Jobmaschine bezeichnen«, kommentierte Kegel dies.