Erste Produkte frühestens zur Messe Vision USB 3.0 muss noch reifen

Thomas Schmidgall, IDS Imaging Development Systems: »Mit serienreifen USB-3.0-Kameras ist frühestens zur Messe Vision im November zu rechnen.«

Dass die USB-3.0-Schnittstelle in der industriellen Bildverarbeitung (IBV) zum Selbstläufer wird, dafür spricht vieles. Bevor sie aber dort Einzug halten kann, muss sie sich im Markt für Consumer-Geräte bewähren.

»Wegen ihrer Leistungsfähigkeit und Kostenstruktur wird die USB-3.0-Schnittstelle sicherlich ein ganz heißes Thema in der IBV«, betont Thomas Schmidgall, Marketing Manager der IDS Imaging Development Systems GmbH, die sich auf USB- und Gigabit-Ethernet-Kameras spezialisiert hat. »Die USB-3.0-Komponenten, die sich bereits auf dem Markt befinden, sind nämlich nur unwesentlich teurer als die für USB 2.0. Wenn die Stückzahlen bei USB-3.0-Komponenten erst einmal richtig hoch sind, werden sie wahrscheinlich sogar preisgleich zu ihren USB-2.0-Pendants.«

Bei der einen oder anderen Komponentenklasse gebe es jedoch noch Lücken: »Bisher existiert nur ein einziger USB-3.0-Chipsatz, und zwar vom Hersteller NEC«, führt Schmidgall aus. »Auch die Integration von USB 3.0 auf Motherboards ist noch nicht abgeschlossen. Eine Southbridge mit USB 3.0 gibt es noch nicht. Auch hier wird bislang mit dem externen NEC-Controller gearbeitet.« Zudem gestaltet sich die Implementierung von USB 3.0 in Kameras anspruchsvoller als die von USB 2.0: »Verwertbare Peripherie-Controller sind angekündigt, aber noch nicht verfügbar«, gibt Schmidgall zu bedenken.

Bis USB 3.0 in die IBV vordringt, wird also noch eine gewisse Zeit ins Land gehen. Erste Geräte, Schnittstellen und externe Festplatten sind zwar auf dem Markt. »USB 3.0 muss seine Fähigkeiten aber erst einmal auf dem Consumer-Markt unter Beweis stellen; es muss schneller und stabil werden, bevor es für die IBV wirklich interessant wird«, erläutert Schmidgall.

Ein für Industrie-Anwendungen besonders wichtiges Thema ist dabei auch die Kabellänge: »Mit den üblichen Kabelmaterialien lassen sich voraussichtlich Kabellängen von 3 m erreichen - möglicherweise genug für den Gerätebau, aber zu wenig für die IBV«, verdeutlicht Schmidgall. »Zur Herstellung längerer USB-3.0-Kabel sind sehr hochwertige Materialien erforderlich.« Der Kabelhersteller Alysium habe auf der »Vision 2009« für 2010 USB-3.0-Kabel bis 20 m angekündigt. Um größere Leitungslängen zu erreichen, könne der Anwender allerdings auch auf Glasfaser gehen - für die Industrie geeignete Glasfaserkabel seien mittlerweile verfügbar.

Zu beachten ist beim Einsatz von USB 3.0 in der IBV auch, dass die Bilderfassungsraten der Bildsensoren mit der höheren Datenübertragungsrate mithalten müssen: »USB 3.0 ermöglicht höhere Frame-Raten«, stellt Schmidgall fest. »Viele der aktuellen CCD-Sensoren sind jedoch bereits am Limit und liefern durch die schnellere Schnittstelle nicht automatisch mehr Bilder. Allerdings gibt es schon jetzt CMOS-Bildsensoren und neue Generationen von CCDs, die mit USB 3.0 höhere Bildraten erreichen können.«

Mit einer funktionsfähigen USB-3.0-Prototypen-Kamera hat sich Schmidgall zufolge bisher nur ein einziger Hersteller an die Öffentlichkeit gewagt. »Serienreife Geräte sind frühestens zur Messe Vision im November zu erwarten - vielleicht durchaus auch von Herstellern, die sich bisher in Sachen USB nicht allzu sehr engagiert haben«, prognostiziert er. »IDS als Experte für USB-Kameras wird hier auf jeden Fall dranbleiben.«