IPH Hannover »Super-Label« vereint die Vorteile dreier Systeme in einem

Das Institut für Integrierte Produktion Hannover (IPH) hat ein neues, »Super-Label« genanntes Auto-ID-System entwickelt, das erstmals die Vorzüge von Matrix-Codes, Etiketten und RFID in einem einzigen System kombiniert.

Wenn es nach den Ingenieuren des IPH geht, wird die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine künftig wesentlich einfacher: dank eines neuen »Super-Labels«. Die Neuentwicklung ist das Ergebnis eines Forschungsprojekts, das am 30. April 2013 endet. Zwei Jahre lang haben die Wissenschaftler untersucht, wie sich bestehende Identifikationsverfahren in einem einzigen System vereinen lassen. Entwickelt wurde ein neues »Super-Label«, das laut IPH alle positiven Eigenschaften bereits existierender Auto-ID-Systeme hat: Es kann von Menschen gelesen werden wie ein Etikett, ist aber auch von Maschinen interpretierbar wie ein Barcode oder QR-Code. Zudem lassen sich die Informationen, die auf dem Label gespeichert sind, wie bei einem RFID-Tag nachträglich verändern.

Das »Super-Label« eignet sich unter anderem für den Einsatz in Lagern, etwa zur Kennzeichnung von Behältern. Es vereinfacht die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine: Weil es sowohl maschinenlesbare Codes als auch Klarschrift umfasst, müssen Mitarbeiter Barcodes oder andere Matrixcodes nicht erst mit einem Gerät auslesen, um zu wissen, was sich in einem Behälter befindet. Falls sich der Inhalt des Behälters ändert, können Mitarbeiter direkt die auf dem Label gespeicherten Daten anpassen. Dadurch bleiben die vom Menschen und die von der Maschine lesbaren Informationen auf demselben Stand. Ein Wiederbeschreiben des Labels ist mit Hilfe sichtbaren Lichts mit einem Smartphone möglich. Die LED des Senders sendet ein optisches Signal mit einer Wellenlänge von 660 nm, das vom Menschen als rotes Licht wahrgenommen wird. Dadurch erfolgt eine direkte Kommunikation zwischen »Super-Label« und Smartphone.

Auf der Hannover Messe können Besucher das »Super-Label« ausprobieren. Das IPH hat hierzu eine Lagerumgebung nachgebaut. Mit Hilfe einer App auf Android-Basis, die sich kostenlos herunterladen lässt, können Interessierte das »Super-Label« sogar selbst auslesen. In Kombination mit einem Sender ist es auch möglich, das Label neu zu beschreiben. So kann beispielsweise die Artikelmenge verändert werden; die Änderungen werden in Echtzeit auf dem Display in Klarschrift und als QR-Code dargestellt.

Prinzipiell eignet sich das »Super-Label« branchenübergreifend für alle Unternehmen mit Waren- oder Materialfluss. Künftig könnten normale Smartphones mit einem Sender bestückt werden, der ein moduliertes Signal im Bereich von 660 nm erzeugt. Indem parallel dazu Barcode-Leser und andere Geräte genutzt werden, ließe sich das »Super-Label« leicht in bestehende Infrastrukturen integrieren. Momentan sind laut IPH aber die erforderlichen Hardware-Komponenten zu teuer, um das System in großem Umfang zu nutzen. Für den Einsatz im Hochregallager sei das »Super-Label« durchaus geeignet; für die Kennzeichnung einzelner Artikel hingegen nicht.

Nach Ende des Forschungsprojekts soll das entwickelte »Super-Label« zunächst in der Praxis getestet werden. Das IPH sucht dazu Unternehmen, die sich für den probeweisen Einsatz des Labels in der Intralogistik interessieren. Anschließend werden die Ingenieure des IPH die Technik weiterentwickeln. Bislang ist die Reichweite des roten Lichts auf 1 m beschränkt. Zudem reflektiert das verwendete Display, was die Lesbarkeit einschränkt. Auch die alleinige Energieversorgung des Displays über eine Solarzelle ist dem IPH zufolge noch nicht gewährleistet.

Hannover Messe: Halle 2, Stand A10