Die Ebene der Sektoren fällt weg - also auch der Sektor Industry Siemens strukturiert sein Automatisierungsgeschäft neu

Joe Kaeser, Siemens: »Wir werden uns künftig auf Wachstumsfelder entlang von Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung fokussieren.«
Joe Kaeser, Siemens: »Wir werden uns künftig auf Wachstumsfelder entlang von Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung fokussieren.«

Der Umbau des Siemens-Konzerns betrifft auch das Automatisierungs-Business: Die Ebene der Sektoren wird zum 1. Oktober abgeschafft, und die Anzahl der darunter liegenden Divisionen schrumpft zugleich von konzernweit 16 auf neun. Was bedeutet dies für die bisherigen Divisionen des wegfallenden Industry-Sektors?

Wie Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser erläuterte, wird sich der Konzern künftig auf Wachstumsfelder entlang von Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung fokussieren. In der Elektrifizierung und Automatisierung gehören dazu beispielsweise die Märkte für Offshore-Windanlagen und kleine Gasturbinen, die von der steigenden Nachfrage nach sicherer und nachhaltiger Stromversorgung profitieren. Auch den Markt der Prozessindustrie will Siemens mit seinen Automatisierungs- und Antriebslösungen noch stärker ausschöpfen. Attraktive Wachstumspotenziale sieht der Konzern zudem bei der Förderung von »unkonventionellem« Öl und Gas - sprich: er möchte am Fracking-Boom in den USA teilhaben.

Darüber hinaus willSiemens das Potenzial der zunehmenden Digitalisierung nicht nur in der Fertigung voll ausschöpfen. Die Digitale Fabrik eröffne dank Software und Simulationen die Chance zu deutlich schnelleren und effizienteren Produktentwicklungen. Datengetriebenen Services, Software und IT-Lösungen komme folglich eine entscheidende Bedeutung zu.

Welche Folgen all das für die Bestandteile des Industry-Sektors hat - also für die Divisionen Industry Automation, Drive Technologies und Customer Services sowie die Business Unit Metals Technologies - ist damit schon angedeutet. Das Industry-Geschäft findet sich künftig vor allem in den neuen Divisionen »Digital Factory« und »Process Industry and Drives« wieder.

Die Division »Digital Factory« will die Zukunft der Fertigung durch das Zusammenbringen von realer und digitaler Welt bei Design, Produktion und Service gestalten. Sie bündelt spezialisierte Lösungen und Technologien für Automatisierungstechnik, industrielle Schalttechnik und Industrie-Software (PLM) unter einem Dach. Ihr Umsatz beläuft sich auf rund 9 Mrd. Euro. Geführt wird sie von Anton Huber, der zurzeit die Division Industry Automation leitet.

Die Division »Process Industries and Drives« setzt auf das Wachstumsfeld der Prozessindustrien. Sie bietet Produkte, Systeme, Applikationen und Lösungen für integrierte Antriebstechnik und -systeme. Hier erwartet Siemens Wachstumsimpulse durch die Fokussierung auf stark wachsende Kernbranchen wie Öl und Gas, Nahrung und Genussmittel sowie Chemie und Pharma. Der Umsatz der Division beläuft sich auf rund 11 Mrd. Euro. CEO wird Peter Herweck, der derzeit für das Unternehmensprojekt Prozessindustrie bei Siemens verantwortlich ist.

Im Konzernvorstand wechseln zum 1. Oktober teilweise die Ressortzuständigkeiten: Siegfried Russwurm, derzeit für den Industry-Sektor verantwortlich, wird neuer Chief Technology Officer und Arbeitsdirektor des Konzerns und zuständig für die Regionen Middle East und Russland/GUS. Klaus Helmrich ist künftig zuständig für die beiden Divisionen Digital Factory und Process Industries and Drives sowie die Regionen Europa und Afrika.