Vito di Bari auf der electronica »Sie müssen die Chance nutzen und das Raubtier sein!«

Zukunftsforscher Vito de Bari

Das IoT ist das »nächste große Ding«, darüber waren sich Zukunftsforscher Vito di Bari und Kurt Sievers auf der Eröffnung der electronica einig. Vito di Bari gab Tipps, wie Unternehmen von technischen Umwälzungen profitieren können.

Wissen Sie, wann das erste Mal ein Telefonanruf von einem Mobiltelefon stattfand? Viele mögen beim ersten Mobiltelefon an das berühmte unhandliche Gerät von Motorola denken, das 1973 vorgestellt wurde. Doch der erste Anruf fand 1946 in den USA statt. Die Technik hatten die Bell Labs entwickelt. Einige Jahre später entstand ein erster Mobilfunk-Serviceanbieter, der Pleite ging, auch ein weiterer schaffte es Ende der 60er-Jahre nicht, und es dauerte bis 1990, um auf die erste Million Teilnehmer zu kommen.

»Neue Techniken setzen sich oft langsam durch«, sagte Vito di Bari in seiner Keynote-Rede zur Eröffnung der electronica. Es käme darauf an, die Signale zu sehen und rechtzeitig zu handeln, um eine neue Technik nicht zu verpassen.

Als ein Raubtier hatte Alvin Toffler in seinem Buch „Future Shock“ die Zukunft bezeichnet. Firmen, die die Zukunft nicht erkennen, die frisst sie. Vito die Bari dreht den Spieß um: Die Firmen müssen das Raubtrier sein und die Signale der Zukunft erkennen. Dann sei die Zukunft keine Gefahr, sondern Chance. In seiner Keynote spielte di Bari einen Film über einen fast verhungernden Fuchs vor, der durch eine unendliche Schneelandschaft streift. Plötzlich bleibt er stehen, verharrt und beobachtet. Dann macht er einen Riesensatz, springt mit der Schnauze voran in den Schnee und taucht mit einer Maus im Maul auf.

Für Unternehmen heißt das also: auf Signale schauen. Kommt ein Signal: erst mal beobachten. Und zum richtigen Zeitpunkt springen. Aber wann ist der richtige Zeitpunkt? Im Nachhinein ist man immer schlauer. Für den Mobilfunkmarkt lag er zwischen 1973 und 1983. Davor kam die Phase der Entwicklung, wo viele technische Probleme und der Preis für den Endkunden den Durchbruch noch verhindert hatten. Rückblickend ist es auch nicht schwer, die großen technischen Schübe zu identifizieren: Die Eisenbahn und die Elektrifizierung im 19. Jahrhundert, das Telefon und das Internet im 20. Jahrhundert gehören dazu. di Bari spricht von zwei technischen Umwälzungen pro Jahrhundert.

Die nächste Welle: IoT
 
Doch was wird die nächste große Welle sein? Für Vito di Bari ist das klar: das IoT. Wie bei der Elektrifizierung bedeutet dies, dass alle Dinge – wirklich alle – neu designt werden müssen, um sie IoT-fähig zu machen. »Und da müssen Ihre Komponenten drin sein!« rief er den Gästen der electronica-Eröffnung zu.

Die Zeichen hat die Industrie offenbar erkannt, denn schon zuvor hatte Kurt Sievers, Chairman of the Advisory Board of electronica, in seiner Eröffnungsrede erklärt: »Das IoT wird jetzt Realität.« Als Zeichen dafür nannte er den Hacker-Angriff auf ein DNS-Server-Unternehmen an der Ostküste der USA im Oktober. Die Übeltäter hatten über 1 Million mit dem Internet verbundene Dinge – sogar ein Toaster war dabei – gehackt und dazu gebracht, den DNS-Server mit Anfragen zu bombardieren, bis er zusammenbrach.