»Revolution Pi« von Kunbus Revolution auf Raspberry-Pi-Basis

Ekkehard Krebs (links) und Dr. Martin Kunschert am Unternehmenssitz in Denkendorf bei Stuttgart.

Die Kunbus GmbH hat sich mit Busschnittstellen-Modulen für die industrielle Kommunikation am Markt etabliert. Jetzt schickt sich das Unternehmen an, mit seinem offenen Industrie-PC »Revolution Pi« auf Basis des Open-Source-Embedded-PCs »Raspberry Pi« die Automatisierungslandschaft umzukrempeln.

Dr. Martin Kunschert, Geschäftsführer, und Ekkehard Krebs, Marketingleiter von Kunbus, erläutern die Hintergründe.

Markt&Technik: Welche Grundidee steht hinter dem Revolution Pi?

Dr. Martin Kunschert: Die Anfangsidee des Raspberry Pi war, Schülern und Studenten ein Modul zum einfachen Programmieren bereitzustellen. Mit dem Revolution Pi wollten wir den Raspberry Pi industrietauglich machen. Auf diese Idee sind vor uns schon andere Unternehmen gekommen, etwa indem sie den Raspberry Pi in ein Hutschienengehäuse montiert haben. Wir aber haben einen neuen Ansatz gewählt, und zwar das »Raspberry Pi Compute Module« hergenommen und die benötigte industrietaugliche Peripherie drumherum gebaut: industrietypische Schnittstellen, Kühlkörper und EMV-Schutz. Das Ganze haben wir dann in ein 24-V-Hutschienengehäuse mit IP20-Schutz für den Einbau in Schaltschränke gepackt.

Welche Ziele haben Sie damit verfolgt, den Raspberry Pi industrietauglich zu machen?

Kunschert: Das Konzept einer industrietauglichen Version des Raspberry Pi hat aus unserer Sicht großes Potenzial: Von seiner Einführung Anfang 2012 bis zum Februar 2017 wurde der Raspberry Pi mehr als 12 Millionen Mal verkauft. Bei Entwicklern ist der Einplatinen-PC inzwischen weit verbreitet. Die Community, die sich um den Raspberry Pi gebildet hat, ist also schon sehr groß. Und bei der riesigen Anzahl verkaufter Geräte gibt es dafür auch entsprechend viele Anwendungs-Lösungen. Interessenten können passende Lösungen aus der Community für den Raspberry Pi »ergoogeln«.

Anfangs war der Revolution Pi als Open-Source-Kleinsteuerung gedacht. Aus der Community kam dann die Idee, ihn als IIoT-Gateway zu nutzen – eine Aufgabe, für die ihn sein Design geradezu prädestiniert. Dank seiner Offenheit kann er als Kleinsteuerung oder IIoT-Gateway ebenso dienen wie als Edge- oder Fog-Computer. Er kann also die erfassten Daten entweder »at the Edge« verarbeiten oder in die Cloud weiterleiten – das ist eine Sache des Anwenders und der integrierten Software. Geeignet ist der Revolution Pi also auch für das Industrie-4.0-Retrofit älterer Maschinen und Anlagen. Wir betrachten ihn als ersten und bisher einzigen echten Industrie-4.0-Möglichmacher.

Wo sehen Sie die Alleinstellungsmerkmale des Revolution Pi?

Kunschert: Das Alleinstellungsmerkmal des Revolution Pi sehen wir in der Kombination folgender Aspekte: Er beruht auf dem Raspberry Pi und seiner Community mit all ihren Applikations-Lösungen, Anwender können auch eigene Betriebssysteme nutzen, als Open-Source-Gerät ist sein Schaltplan-Konzept auf Github veröffentlicht und er ist völlig unabhängig von Herstellern und deren Vorgaben. Also das genaue Gegenteil von proprietär.

Ist der Revolution Pi zum Raspberry Pi kompatibel?

Kunschert: Ja, eine Kompatibilität ist gegeben, sodass viele Lösungen aus der Raspberry-Pi-Community mit dem Revolution Pi nutzbar sind. Als Betriebssystem dient standardmäßig eine angepasste Version des Raspberry-Pi-Betriebsystems »Raspbian« mit Realtime-Patch. Zahlreiche Programme und Apps für den Raspberry Pi laufen auch im Revolution Pi, gegebenenfalls mit minimalen Änderungen.

Der Revolution Pi folgt einem modularen Industriesteuerungskonzept. Wie ist er im Einzelnen aufgebaut?

Ekkehard Krebs: Eigentlich ist der Revolution Pi ein modular erweiterbarer Hutschienen-Industrie-PC und insofern als Steuerung nutzbar. An ein Basis-Modul, in dem sich die CPU befindet, lassen sich bis zu zehn Erweiterungsmodule über Steckbrücken anschließen. Bei uns erhältlich sind digitale und analoge I/O-Module sowie Gateway-Module zur Integration des Revolution Pi in industrielle Netzwerke. Offen sind die Basis-Module auch für Gateway-Module anderer Hersteller, etwa für Mobilfunk, LPWAN oder Bluetooth.

Als Basis-Modul dient entweder das »RevPi Core 3« mit 1,2-GHz-Quadcore-Prozessor oder das »RevPi Core 1« mit 700-MHz-Singlecore-Prozessor, abgeleitet von Compute Module 3 und Compute Module 1 des Raspberry Pi. Ein Revolution-Pi-System enthält grundsätzlich immer ein RevPi-Core-Modul. Die Soft-SPS kommt vom Hersteller logi.cals mit dem IEC-61131-3-Programmiersystem logi.CAD 3 und der Runtime logi.RTS.