Bildverarbeitungsbranche 2013 Optimismus überwiegt

Gabriele Jansen, EMVA: »Nicht-industrielle Anwendungen werden ihren Anteil am Gesamtumsatz der Bildverarbeitungsbranche weiter festigen oder gar steigern.«
Gabriele Jansen, EMVA: »Nicht-industrielle Anwendungen werden ihren Anteil am Gesamtumsatz der Bildverarbeitungsbranche weiter festigen oder gar steigern.«

Trotz weltweiter konjunktureller Abschwächungstendenzen erwartet die europäische Bildverarbeitungsindustrie für 2013 ein moderates Umsatzwachstum. Als Triebfedern wirken der anhaltende weltweite Automatisierungstrend und die immer neuen nicht-industriellen Anwendungen der Bildverarbeitungstechnik.

Die europäische Bildverarbeitungsindustrie blickt auf ein weiteres Erfolgsjahr zurück. Nachdem sie im Jahr 2011 einen neuen Umsatzrekord verbucht hat, liegt der Gesamtumsatz der Branche nach ersten Schätzungen auch 2012 über dem Vorjahreswert. Allerdings dürfte die Steigerungsrate deutlich moderater ausfallen als in den beiden Vorjahren und im niedrigen einstelligen Bereich liegen. Laut einer Umfrage der European Machine Vision Association (EMVA) erwarten knapp 47 Prozent der befragten Unternehmen für 2012 einen Anstieg des europäischen Branchenumsatzes; ein gutes Drittel der Befragten glaubt, dass das Vorjahresniveau gehalten werden kann. Dies ist erneut ein deutliches Signal, dass Bildverarbeitung als Schlüsseltechnologie der Automatisierung aus effizienten Produktionsprozessen nicht mehr wegzudenken ist.

Die Qualitätsinspektion bleibt dabei der zentrale Prüfprozess, sei es in der Automobilindustrie als nach wie vor größter Abnehmerbranche oder in anderen industriellen Anwendungen. Darüber hinaus werden nicht-industrielle Anwendungen ihren Anteil am Gesamtumsatz der Bildverarbeitungsbranche weiter festigen oder gar steigern. Hierzu zählen Kundenbranchen wie die Sicherheits- und Verkehrstechnik, aber auch 3D-Anwendungen etwa in der Unterhaltungsindustrie. In der Landwirtschaft wird mit Bildverarbeitung Präzisionsackerbau betrieben, und der Einzelhandel nutzt Bildverarbeitungs-Anwendungen in zunehmendem Maße zur Analyse des Käuferverhaltens.

Besonders großes Potenzial hat die Bildverarbeitung in der Medizintechnik. Die zweite Auflage der »Medical Discovery Tour« auf der Fachmesse »Vision 2012« belegte die zunehmende Bedeutung dieser Branche für die europäische Bildverarbeitung. 3D-Anwendungen haben sich inzwischen etabliert und sind gerade in nicht-industriellen Anwendungen wie der Medizintechnik unentbehrlich. Die Leitmesse in Stuttgart verdeutlichte auch die zunehmende Bedeutung von Branchenstandards: Erste Produkte mit der neuen USB-3.0-Schnittstelle waren bereits ausgestellt, der Branchenstandard hierzu wird voraussichtlich in diesem Jahr verabschiedet. Unter Beteiligung der EMVA wurde auf der »Vision 2012« das internationale Future Standards Forum vorgestellt, das zukünftig global die Entwicklung von Branchenstandards in der Bildverarbeitung koordinieren wird.

Beim Geschäftsverlauf gibt es innerhalb Europas für das neue Jahr unterschiedliche Erwartungshaltungen: So sind die Unternehmen in Deutschland durch die relativ große Abhängigkeit von der Automobilindustrie als Schlüsselbranche vorsichtiger als ihre europäischen Kollegen. Grund dafür ist, dass die Automobilbranche gemischte Erwartungen für das Geschäftsjahr 2013 hat: Während bei den Premium-Herstellern bedingt durch eine starke Exportnachfrage optimistische Stimmen überwiegen, spüren europäische Volumenhersteller die Kaufzurückhaltung in Südeuropa. Europäische Bildverarbeiter außerhalb Deutschlands haben insgesamt eine heterogenere Kundenstruktur und sind tendenziell für das neue Jahr zuversichtlicher. In der Blitzumfrage der EMVA erwarten gut 53 Prozent der befragten Unternehmen aus ganz Europa, dass der Gesamtumsatz der Bildverarbeitung 2013 weiter ansteigt; ein gutes Drittel geht davon aus, dass das Niveau von 2012 gehalten wird.

Was die Rahmenbedingungen angeht, wird die für den Konjunkturverlauf weiter entscheidende Frage im neuen Jahr sein, ob es dem Euroraum gelingt, die Währungs- und Staatsschuldenkrise in den Griff zu bekommen. Diese hat sich - bedingt auch durch das anhaltend niedrige Zinsniveau - noch nicht nachhaltig negativ auf die Bildverarbeitungsindustrie ausgewirkt, etwa durch ein verändertes Kreditvergabeverhalten der Banken für Ausrüstungs-Investitionen. Insgesamt gehen die Prognosen von einer Abkühlung des Weltwirtschaftsklimas aus, die besonders Europa treffen wird. Während das weltweite Wachstum auf etwas mehr als 3 Prozent geschätzt wird, blickt Europa - hauptsächlich durch den erwarteten Rückgang der Wirtschaftsleistung in allen südeuropäischen Ländern - einem Stagnationsjahr entgegen. Deutschland wird dabei mit einer Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts im niedrigen einstelligen Bereich bereits zu den Wachstumstreibern zählen. Für die USA wird 2013 ein ähnlich niedriges Wachstum der Wirtschaftsleistung erwartet. In den Schwellenländern wird das BIP-Wachstum abermals unter 10 Prozent ausfallen, jedoch erneut deutlich über dem Weltniveau liegen. Mit der Verlagerung von Produktionsstätten etwa in der Halbleiter- und Solarindustrie nach Asien wird diese Region ein wichtiges Absatzgebiet für europäische Bildverarbeitungstechnik bleiben.


* Gabriele Jansen ist Mitglied im Vorstand der EMVA.