Intelligente Kameras OEM-Geschäft erfordert Platinenkameras

Jan-Erik Schmitt, Vision Components: »OEM-Kunden wie etwa Maschinenhersteller entscheiden sich eher für Platinen- als für Gehäusekameras.«
Jan-Erik Schmitt, Vision Components: »OEM-Kunden wie etwa Maschinenhersteller entscheiden sich eher für Platinen- als für Gehäusekameras.«

Vision Components wird hauptsächlich mit intelligenten Gehäusekameras in Verbindung gebracht. Weniger bekannt ist, dass das Ettlinger Unternehmen auch ein breites Sortiment kundenspezifisch modifizierbarer Platinenkameras anbietet, das mittlerweile sogar deutlich höhere Stückzahlen erzielt als die Gehäusekameras.

Jan-Erik Schmitt, neben Michael Engel Geschäftsführer von Vision Components, erläutert das Platinenkamera-Business und dessen OEM-Hintergrund und beschreibt die intelligente Kamera in verschiedenen Bauformen als zeitgemäßes Bildverarbeitungs-Konzept.

Markt&Technik: Etwa zwei Drittel der von Ihrem Unternehmen verkauften Kameras sind inzwischen Platinenkameras. Bedeutet dies eine Abkehr vom Prinzip der intelligenten Kamera?

Jan-Erik Schmitt: Keineswegs. Alle Kameras aus unserem Hause, ob Platinen- oder Gehäusekameras, sind frei programmierbare intelligente Kameras. Sie sind völlig offen und können alle denkbaren Anwendungen umsetzen. Die Programmier-Software gehört jeweils zum Lieferumfang. Was sich geändert hat, sind die Anforderungen des Marktes und der Kundenzielgruppe - und dies hat eben auch eine Änderung des Geräte-Designs nach sich gezogen.

Inwiefern hat sich die Kundenzielgruppe Ihres Unternehmens geändert?

Als Michael Engel 1996 die Vision Components GmbH gründete, stellte sich die Marktsituation ganz anders dar als heute. Damals wollte er die von ihm kurz zuvor erfundenen intelligenten Kameras als kompakte und preisgünstige Alternative zu Systemen auf PC-Basis vermarkten. Die Strategie war erfolgreich: Natürlich waren die PC-Systeme weiterhin gefragt, aber die intelligenten Kameras eroberten sich einen festen Platz in der industriellen Bildverarbeitung. Die Systemintegratoren haben die intelligenten Kameras für jede Kundenanwendung neu programmiert, und die Kunden waren bereit, dies zu bezahlen und die dafür nötige Zeit zu warten.

Ab Anfang der 2000er-Jahre stellten parametrierbare Smart Cameras und besonders die auf ganz bestimmte Anwendungen zugeschnittenen Vision-Sensoren diese Marktsituation zunehmend in Frage. Dies überrascht kaum: Wenn ein fertig programmierter Vision-Sensor als Standardprodukt die Anforderungen ebenfalls erfüllt, will der Kunde natürlich nicht für eine neu programmierte Anwendung bezahlen und Wartezeiten in Kauf nehmen. Generell haben die Vision-Sensoren die Preise für Bildverarbeitungs-Produkte stark verändert.

Als Reaktion darauf begannen wir einerseits selbst, Vision-Sensoren zu entwickeln, und brachten im Jahr 2001 als einer der ersten Hersteller den VCM30 auf den Markt. Auch andere Hersteller griffen für Vision-Sensoren auf intelligente Platinenkameras als Hardware-Basis zurück. Zum anderen haben wir mit Erfolg versucht, eine neue Kundenzielgruppe anzusprechen: OEM-Kunden wie Maschinenhersteller oder Systementwickler, die auf Basis unserer Hardware beispielsweise High-End-Codeleser erstellen. Diese Kunden entscheiden sich, wie wir festgestellt haben, eher für Platinen- als für Gehäusekameras.