Jahresbilanz 2012 von Pilz Moderates, aber stetiges Wachstum

Bei Pilz wird Familienunternehmenskultur nicht nur gepredigt, sondern auch gelebt: Die Geschäftsführung mit Renate Pilz (Mitte) und ihren Kindern Susanne Kunschert und Thomas Pilz.
Bei Pilz wird Familienunternehmenskultur nicht nur gepredigt, sondern auch gelebt: Die Geschäftsführung mit Renate Pilz (Mitte) und ihren Kindern Susanne Kunschert und Thomas Pilz.

Um 6 Prozent - von 214 auf 227 Mio. Euro - stieg der Umsatz des Automatisierungstechnik-Herstellers Pilz GmbH & Co. KG im Jahr 2012. Für das laufende Jahr erwartet das Familienunternehmen ein Umsatzplus von 7 Prozent. Geplant sind größere Investitionen am Stammsitz in Ostfildern-Nellingen und in China.

»Mit unserem Produktportfolio können wir uns auch in Ländern behaupten, in denen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schwierig sind«, betont Renate Pilz, Vorsitzende der Geschäftsführung. Immerhin sind unter den Tochtergesellschaften, die im Jahr 2012 zweistellige Zuwachsraten beim Umsatz erreichten, auch solche in EU-Ländern. »Mit unseren Geschäften in Italien sind wir sehr zufrieden, und in Spanien läuft es ebenfalls gut«, kann Renate Pilz berichten - in Zeiten der Euro-Krise ist dies alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Insgesamt hatte der Export im vergangenen Jahr einen Anteil von 67,8 Prozent am Gesamtumsatz, der sich zu 32,2 Prozent auf Deutschland, zu rund 40 Prozent auf Europa ohne Deutschland und zu etwa 30 Prozent auf die anderen Kontinente verteilte. »Der Umsatzanteil der EU-Länder gegenüber den Nicht-EU-Ländern ist dabei etwa gleich geblieben«, kommentiert Susanne Kunschert, geschäftsführende Gesellschafterin.

Seine Internationalisierung will das Unternehmen auch in Zukunft fortsetzen: In diesem Jahr wird es drei neue ausländische Tochtergesellschaften aufbauen - eine in Asien, eine in Osteuropa und eine in Nordamerika. Mit dann 31 Tochtergesellschaften und 17 Handelspartnern ist Pilz auf allen Kontinenten vertreten. Weitere ausländische Tochtergesellschaften sollen in den kommenden Jahren folgen. Als wichtiges Ziel nennt das Unternehmen dabei den langfristigen Wissenstransfer: »In anderen Ländern und Kontinenten wird das Thema Maschinensicherheit teilweise ganz anders gehandhabt«, stellt Renate Pilz klar. »Wir wollen dort das Wissen über Maschinensicherheit aufbauen und die Sicherheitskultur mit Leben füllen, kurz gesagt: als Botschafter der Sicherheit wirken.« Nicht von ungefähr arbeitet das Unternehmen in diversen Normungsgremien in Ländern wie Indien, China oder Russland aktiv mit.

Seine Investitionstätigkeit im Ausland beschränkt Pilz aber nicht auf Vertrieb und Marketing: In China, im erweiterten Großraum Shanghai, soll ab dem kommenden Jahr eine neue Fertigungsstätte entstehen, von der aus das Unternehmen asiatische Kunden schneller als bisher beliefern will. Am Stammsitz in Ostfildern wird nach Abschluss der Planungen bereits in den nächsten Monaten der Bau eines neuen Produktions- und Logistikzentrums beginnen. Im Jahr 2012 investierte Pilz über 14 Mio. Euro, und zwar unter anderem in den Ausbau der Fertigung an den Standorten Betschdorf (Elsaß) und Ostfildern sowie in neue Firmengebäude der Tochtergesellschaften in Großbritannien und den Niederlanden. Für 2013 ist eine mindestens ebenso hohe Investitionssumme geplant.

Ein beträchtlicher Teil der Ausgaben fließt bei Pilz in Forschung und Entwicklung: Wie im Vorjahr waren es im Jahr 2012 insgesamt 33 Prozent. Bezogen auf den Umsatz investierte Pilz 15 Prozent in Forschung und Entwicklung und lag damit »deutlich über dem durchschnittlichen Niveau produzierender Unternehmen«, wie Susanne Kunschert betont.

Die Zahl der Mitarbeiter im Unternehmen stieg 2012 weltweit um über 12 Prozent auf 1684 (Stichtag: 31. Dezember). An den deutschen Standorten waren zum selben Zeitpunkt 840 Mitarbeiter beschäftigt, davon 30 Auszubildende; am Stammsitz in Ostfildern waren es 780 Mitarbeiter.

Als aktuellen technischen Trend betrachtet Pilz die Verschmelzung von sicherer und Standard-Automatisierung in einem System: »Mit dem Automatisierungssystem PSS 4000, das beide Aspekte abdeckt, sind wir dafür gut gerüstet«, sagt Renate Pilz und ergänzt einen weiteren Trend: »Künftig werden Sensoren und Aktoren in verteilten Systemen immer mehr die Steuerung übernehmen.«

Das klingt ein bisschen nach Industrie 4.0 - und tatsächlich ist Pilz auch diesbezüglich aktiv: Susanne Kunschert wurde von der Bundesregierung als Vertreterin des Mittelstands in die Forschungsunion berufen und gehört dort der Promotorengruppe Sicherheit an. Als Beratungsgremium zur Umsetzung und Weiterentwicklung der Hightech-Strategie ist die Forschungsunion unter anderem in Sachen Industrie 4.0 tätig.

Für das laufende Jahr rechnet das Unternehmen erneut mit einem moderaten Umsatzwachstum. Weltweit soll der Umsatz um 7 Prozent steigen, davon in Europa um 5 Prozent, in Asien um 14 Prozent und in Amerika um 16 Prozent. Die Mitarbeiterzahl soll um 11 Prozent zulegen.