SIE: Medizin- und Labortechnik als Zielbranchen Mittels Baukasten schnell zu Lösungen

Udo Filzmaier (links) 
und Josef Krojer 
im Büro der deutschen 
Niederlassung von SIE 
in Landshut
Udo Filzmaier (links) und Josef Krojer im Büro der deutschen Niederlassung von SIE in Landshut

Das Embedded-Computing- und HMI-Unternehmen System Industrie Electronic (SIE) hat in den vergangenen Jahren viel Branchenkompetenz für die Medizin- und Labortechnik erlangt und einen schnell wachsenden HMI-Bereich aufgebaut. In diesem Jahr glänzt es mit einem extrem hohen Umsatzplus.

Udo Filzmaier, Gründer und CEO, und Josef Krojer, Geschäftsführer der deutschen SIE-Niederlassung und zuständig für Sales & Marketing, erläutern die Hintergründe.

Markt&Technik: Was waren aus Ihrer Sicht die Meilensteine in der Geschichte des Unternehmens?
Udo Filzmaier: Ich habe das Unternehmen 1994 im vorarlbergischen Lustenau gegründet, wo auch heute noch der Stammsitz ist. Anfangs befassten wir uns mit dem Vertrieb von ICs aus Asien und den USA. Dieser Bereich, jetzt als »SIE Distribution« bezeichnet, umfasst derzeit 25 Prozent unseres Gruppenumsatzes und hat sich in Richtung Displays, Embedded-Boards, Stromversorgungen, Steckverbinder und Speicherlösungen umorientiert. 1996 bauten wir für einen deutschen Beschriftungslaser-Hersteller unsere ersten Industrie-PCs; sie beruhten auf einem 386er-Rechner und erfüllten Steuerungsaufgaben. Im selben Jahr folgten die ersten Rechner-Boards, und zwar für medizinische Ultraschallgeräte.

Zunächst bedienten wir viele Automatisierungskunden, und seit Ende der 90er-Jahre erstellen wir zunehmend kundenspezifische Systeme. Hieraus sind im Laufe der Jahre unsere heutigen vier Kompetenzbereiche entstanden: Custom Solutions (CS), Embedded Computing Technologies (ECT), HMI und SIE Distribution. Während der Bereich HMI sich mit Standardkomponenten und Toolkits befasst, kümmert sich die Sparte ECT um modifizierte Standardprodukte von 19-Zoll-IPCs über Hutschienen-IPCs bis hin zu Embedded-Boxen. Jeder der vier Bereiche hat seine eigenen Schwerpunkte und Know-how-Träger.

Den HMI-Bereich haben wir vor vier, fünf Jahren gegründet. Daraus resultierte seinerzeit die Aufteilung in CS, ECT und HMI. Wir beschäftigen uns seither stark mit HMI-Toolkits.

Welche Zielmärkte hat das Unternehmen derzeit hauptsächlich im Fokus?
Udo Filzmaier: Aktuell erzielen wir über 50 Prozent unseres Gruppenumsatzes in den Märkten Medizintechnik und ABL, also Analyse-, Bio- und Labortechnik. Unser Ziel ist es, den Kunden Komplettlösungen anzubieten, bei denen wir auch Dokumentation, Zulassung und Risiko-Management übernehmen. Wenn Sie bedenken, dass in der Medizintechnik für die Dokumentation viermal so viel Kosten- und Zeitaufwand entsteht wie für die Entwicklung, dann können Sie sich vorstellen, wie gut das bei vielen Kunden ankommt. Nicht von ungefähr haben wir in der Medizin- und Labortechnik manches übernommen, was die Kunden zuvor selbst erledigt hatten: Sie können also Tätigkeiten auslagern, die nicht ihrer Kernkompetenz entsprechen, oder müssen sich nicht selbst darauf vorbereiten, sondern nutzen einfach unsere Kompetenz.

Ganz wichtig ist in der Medizin die Usability: Es gibt dort definierte Normen und Vorschriften für die Prüfung der Usability, so dass wir medizinische Geräte entsprechend prüfen, damit es in der Praxis nicht zu Fehlbedienungen kommt. Medizingeräte müssen selbsterklärend zu bedienen sein. Verständlicherweise sind für die Bedienbarkeits-Prüfungen nur Geschulte zugelassen.

Ein weiterer bedeutender Faktor ist die Time-to-Market: Es geht darum, schnell Lösungen mit hoher Qualität auf den Markt zu bringen. Kurz und bündig gesagt: Wir bringen die Computertechnik in Medizintechnik und ABL.

Aus welchen Systemkomponenten und Dienstleistungen bestehen die Komplettlösungen des Unternehmens?
Josef Krojer: Der Kunde bringt uns seine spezifische Technik, die seinen Kernkompetenzen entspringt, und wir machen das Drumherum. In diesem Fall schaffen wir die Entwicklung normalerweise innerhalb von vier bis sechs Monaten. Entscheidend ist dabei für uns, zunächst die Anwendung des Kunden zu verstehen und von ihm die Anforderungen klar definiert zu bekommen. Nehmen wir Blutanalysegeräte als Beispiel: Der Kunde hat die Anwendung »Blutanalysen durchführen« und definiert die Blutanalysetechnik, und wir definieren den nötigen Rahmen: Gehäuse, Embedded-PC, HMI/Visualisierung. Wir bestimmen, gegebenenfalls zusammen mit dem Kunden, die nötige Leistung, die nötige Software, das nötige HMI. Als Trend in der Medizintechnik sehen wir Untersuchungsgeräte für den Arzt, die es ermöglichen, diverse Untersuchungen in der Facharztpraxis anstatt im Krankenhaus durchzuführen. Neue Techniken ermöglichen Einzeltests beim Arzt, die sich für ihn rechnen und die ihm zu individuellen Diagnosen und Therapien verhelfen.