Internet of Things MEMS-Branche erwartet 2014 ein Wachstum von 7 Prozent

Klaus Meder, Automotive Electronics Bosch: »Das Internet-of-Things-and-Services wird den Einsatz von MEMS-Sensoren in Zukunft in ganz neue Stückzahl- und Umsatzbereiche führen, es stellt die dritte Welle der MEMS-Applikationen dar, nach Automotive und Consumer Electronics.«
Klaus Meder, Automotive Electronics Bosch: »Das Internet-of-Things-and-Services wird den Einsatz von MEMS-Sensoren in Zukunft in ganz neue Stückzahl- und Umsatzbereiche führen, es stellt die dritte Welle der MEMS-Applikationen dar, nach Automotive und Consumer Electronics.«

Für die MEMS-Branche stellt das Internet-of-Things-and-Services (IoTS) die dritte große Applikationswelle nach dem in den 1990er Jahren beginnenden Automotive-Einsatz und dem sich seit den 2000er Jahren manifestierenden Einsatz im Consumer-Electronics-Bereich dar.

Der Markterfolg dieser dritten MEMS-Welle, die sich in den nächsten Jahren spürbar am Markt etablieren wird, setzt jedoch das wirkungsvolle Ineinandergreifen dreier Bereiche voraus: Den massenhaften Einsatz kostengünstiger, stark miniaturisierter MEMS-Sensoren in einer bisher nicht dagewesenen Anzahl von Applikationen, den Aufbau von allgegenwärtigen Netzwerksystemen, die vor allem von Wireless-Technologien getrieben werden und schließlich die Etablierung hochleistungsfähiger und flexibler intelligenter Systeme zur Datenverarbeitung.

Speziell ohne diesen letzten Punkt, den »Analyze everthing«-Ansatz, so Klaus Meder, President of Automotive Electronics Bosch, sei die reine Datensammlung über ein alle Lebensbereiche umfassendes MEMS-Netzwerk nutzlos, »denn Information setzt die Verbindung gesammelter Daten mit sinngebenden Kontext voraus«.

»Wer Komfort, Sicherheit, Gesundheit, Produktivität und Lifestyle verbessern will«, so Meder, »der muss smarte und interaktive Sensorsysteme schaffen«. Neben den klassischen MEMS-Applikationen setzt der Bosch-Manager für die Zukunft vor allem auf Wearable-Anwendungen der zweiten Generation, wie sie etwa Google Glas darstellt. Welche Dynamik sich durch den IoTS-Trend entfalten wird, macht Meder mit dem Verweis auf die wachsende Anzahl der mit dem Internet verbundenen Erdenbürger deutlich: Waren 2005 gerade mal 15 Prozent der Weltbevölkerung mit dem Internet verbunden, werden es 2015 nach Einschätzung der Marktforscher bereits 75 Prozent der dann rund 7,3 Milliarden Menschen auf der Welt sein.

Bis 2015 werden etwa 6,6 Milliarden Geräte und Applikationen mit dem Internet verbunden sein. Neben den dann rund 3 Milliarden Smartphones stellen Laptops mit 1,5 Milliarden Geräten, Desktops mit etwa 900 Millionen Geräten und Tablets mit über 625 Millionen die größten Anteile. Noch in den Kinderschuhen der Connected World stecken werden dann dagegen noch telemedizinische Applikationen mit etwa 19.000 Applikationen oder etwa 62.000 mit dem Internet verbundene Fahrzeuge.

Zu den dazu benötigten MEMS-Sensoren werden neben den heute gebräuchlichen mit Sicherheit neue Versionen zählen, die zusätzliche biologische, chemische oder physikalische Parameter messen können. Wie wichtig diese Fähigkeiten bereits für die heutigen Hardware-Hersteller sind, lässt sich an einer Äußerung ablesen, die während des »MEMS in Health and Wellness«-Panel des MEMS Executive Congress Europe gemacht wurde. Demnach hat Apple bislang 25 KMUs übernommen, die Lösungen entwickelt hatten, um biologische Parameter zu messen. Für Dr. Eero Punkka, Head of Health Research des finnischen VTT und Moderator des »MEMS in Health and Wellness«-Panels, ist dieses Verhalten typisch: »Die großen Player wollen Blockbuster, aber sie entwickeln diese Lösungen nicht selbst, sie halten stattdessen Ausschau nach interessanten, vielversprechenden Übernahmekandidaten.«

Egal um welche Applikation der Zukunft es im IoTS geht: Bosch scheint dafür bestens gerüstet zu sein. Nach den neuesten Marktzahlen von IHS iSuppli, hat Bosch 2013 als erster MEMS-Hersteller die 1-Milliarden-Dollar-Umsatz-Schwelle überschritten. Wie Jérémie Bouchaud, Director und Senior Principal Analyst für MEMS & Sensoren bei IHS, erläutert, »ist Bosch das erste MEMS-Unternehmen, das diese Umsatzschwelle nur mit eigenen Produkten, also ohne Foundry-Tätigkeit, etwa für Kunden, überschritten hat«. So hatte der bisherige Spitzenreite STMicroelectronics zwar bereits 2012 einen MEMS-Umsatz von 1.014 Mrd. Dollar erzielt, doch beinhaltete dies Foundry-Tätigkeiten für Kunden in der Größenordnung von 220 Mio. Dollar, wie Bouchaud erläutert.

Bosch hat die Nummer-1-Position zwar vor allem dank seiner starken Stellung im MEMS-Automotive-Geschäft erreicht, das 74 Prozent zum MEMS-Umsatz von Bosch beiträgt, die stärksten Steigerungsraten konnte das Unternehmen aber mit Bosch Sensortec im Bereich Consumer- und Mobile-Applikationen erzielen. Sie vor allem waren dafür verantwortlich, dass Bosch gegenüber dem Vorjahr um 26 Prozent zulegen konnte und STMicroelectronics, mit dem sich die Stuttgarter 2012 noch ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert hatten, nun klar hinter sich lassen konnte. Im MEMS-Automotive-Bereich hat Bosch nach Darstellung von Bouchaud 2013 vor allem von seiner starken Position bei Combo-Lösungen profitiert, die Beschleunigungsaufnehmer und Gyroskope für ESP-Lösungen miteinander verbinden, sowie von seiner immer stärkeren Präsenz auf dem chinesischen Automotive-Markt.

Einer der Hauptfaktoren laut IHS iSuppli dürfte dabei der Verlust von STMicroelectroncis Apple-Beschleunigungsaufnehmer-Geschäft an Bosch gewesen sein. Neben den Beschleunigungsaufnehmer-Lieferungen in das iPhone 5s und 5c sowie den iPad Air dominierte Bosch Sensortec nach den Erkenntnissen von IHS iSuppli 2013 auch das Beschleunigungsaufnehmer-Geschäft mit den chinesischen Smartphone-Herstellern. Gleichzeitig war das Unternehmen der Hauptlieferant für Drucksensoren in Handsets und Tablets von Samsung. Außerdem hat Bosch Sensortec im Vorjahr mit der Lieferung von sechsachsigen Inertialnavigationssystemen (IMU) begonnen, die in Combo-Gehäusen zusammen mit Beschleunigungsaufnehmern und Gyroskopen in Geräten von Sony, Samsung und HTC zum Einsatz kommen.