Vom Antriebshersteller zum Automatisierungs-Systemanbieter Lenze: Früher als erwartet aus der Krise

Dr. Erhard Tellbüscher, Lenze: »Wir werden unser Ziel erreichen, im Jahr 2011 als gut aufgestellter Automatisierer am Markt zu sein.«
Dr. Erhard Tellbüscher, Lenze: »Wir werden unser Ziel erreichen, im Jahr 2011 als gut aufgestellter Automatisierer am Markt zu sein.«

Auch Lenze hat die Wirtschafts- und Finanzkrise so gut wie überstanden: Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2010/11 (1. 5. bis 31.7.) verbuchte das Unternehmen ein Umsatzwachstum von etwa 45 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Seine Strategie, verstärkt mechatronische Automatisierungs-Systemlösungen rund um die intelligente Motion Control anzubieten, will Lenze weiter forcieren.

»Die Auftragslage in Maschinenbau und Elektroindustrie ist sehr gut«, betont Lenze-Vorstandsvorsitzender Dr. Erhard Tellbüscher. »Angesichts dessen könnte die Schwere der Krise schon fast in Vergessenheit geraten.« Zur Erinnerung: Auf der Messe Motek im September 2009 hatte Tellbüscher prognostiziert, das Unternehmen werde das Umsatz-Niveau des Geschäftsjahres 2007/08, sprich: 620,8 Mio. Euro, frühestens 2013 wieder erreichen. Aus heutiger Sicht erwartet er, vom Tiefpunkt 416,9 Mio. Euro (2009/10) aus im laufenden Geschäftsjahr zwar den Umsatz-Level von 2007/08 noch nicht zu schaffen, aber den von 2008/09, nämlich 505,4 Mio. Euro, zu überschreiten. Immerhin stieg Lenzes Umsatz im ersten Quartal des Bilanzjahres 2010/11 in Europa um 32 Prozent, in den USA um rund 10 Prozent und in Asien sogar um 170 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, wobei das Unternehmen etwa 15 Prozent seines Umsatzes außerhalb Europas erwirtschaftet.

»Zwar dürfte das Geschäft ab dem Spätherbst verglichen mit den beiden ersten Quartalen des Bilanzjahres etwas verhaltener sein, zumal die Lagerbefüllung dann weitestgehend abgeschlossen sein wird«, prognostiziert Tellbüscher. »Wenn aber alles gut läuft, können wir den Umsatz im Geschäftsjahr 2010/11 gegenüber dem Vorjahr um 25 Prozent steigern, wenn alles extrem gut läuft, sogar um bis zu 50 Prozent, nachdem er in den beiden vergangenen Bilanzjahren um insgesamt 33 Prozent zurückgegangen ist. Wir gehen inzwischen von einer stabilen und nachhaltigen Erholung der Konjunktur - und unserer Kunden - aus.«

Auf der Personalseite hat sich der Aufschwung bereits positiv ausgewirkt: »Die Zahl der Lenze-Mitarbeiter liegt inzwischen wieder über 3000, nachdem sie am Stichtag 30. April 2010 nur 2897 betragen hat«, stellt Tellbüscher fest. Ende April 2009 waren allerdings noch 3203 Mitarbeiter bei Lenze tätig, ein Jahr zuvor sogar 3449. »Neben Maßnahmen wie Kurzarbeit und Gehaltsverzicht waren wir auch zu einem Arbeitsplatzabbau gezwungen, um die Personalkosten in der Krise zu verringern«, führt Tellbüscher aus. Durchschnittlich arbeiteten im Geschäftsjahr 2009/10 bei Lenze 2972 Personen, im Vorjahr 3346. Die durchschnittliche Mitarbeiterzahl in Deutschland sank von 1862 im Bilanzjahr 2008/09 auf 1635 im darauffolgenden Jahr, so dass der Anteil der im Inland tätigen Mitarbeiter von 56 auf knapp 55 Prozent zurückging.

In punkto Internationalisierung ist Lenze im vergangenen Geschäftsjahr ein gutes Stück vorangekommen: »In China haben wir den Nukleus eines Entwicklungszentrums in Gang gesetzt, das Produkte für den chinesischen Markt anpasst«, erläutert Tellbüscher. »Zudem haben wir unsere Position auf dem brasilianischen Markt gestärkt, indem wir dort einen Vertriebs- und Service-Partner übernommen haben. Generell laufen unsere Geschäfte in Brasilien sehr gut.«

Fortschritte macht Lenze auch auf dem Weg vom Antriebshersteller zum Automatisierungs-Systemanbieter mit Schwerpunkt Motion Control. Auf der Messe SPS/IPC/Drives wird das Unternehmen eine zentrale Steuerung vorstellen, die SPS- und Motion-Control-Funktionen umfasst und auf dem Atom-Prozessor von Intel beruht. Zudem wird Lenze in den nächsten Monaten seine diversen Engineering-Softwaretools wie etwa »Drive Solution Designer«, »L-force Engineer« und »PLC Designer« auf eine durchgängige Basis stellen - »bisher gab es hier zu viele Systembrüche und Schnittstellen«, wie Dr. Thomas Cord, Geschäftsführer der Lenze Automation GmbH, betont.

Als seine künftigen Fokusmärkte definiert das Unternehmen Verpackungstechnik, Fördertechnik, Intralogistik sowie Robotik und Handling. »Intralogistik-Systeme und Verpackungsmaschinen umfassen viel Fördertechnik, so dass es hier Synergien gibt, die wir natürlich nutzen wollen«, stellt Lenze-Vorstand Frank Maier klar. Entsprechend optimistisch fällt Tellbüschers Resümee aus: »Wir werden unser Ziel erreichen, im Jahr 2011 als gut aufgestellter Automatisierer am Markt zu sein«, sagt er.