Konsolidierung der IoT-Standards IoTivity gibt dem Smart Home neuen Schwung

Arasch Honarbacht, ubisys: »Das neue IoTivity Plug-in kombiniert das Beste aus der äußerst flexiblen und sich noch im steten Fluss befindlichen IoTivity-Welt und der hochoptimierten, ausgereiften ZigBee-Welt«
Arasch Honarbacht, ubisys: »Das neue IoTivity Plug-in kombiniert das Beste aus der äußerst flexiblen und sich noch im steten Fluss befindlichen IoTivity-Welt und der hochoptimierten, ausgereiften ZigBee-Welt«

Warum IoTivity dem Smart-Home-Markt endlich neuen Schub verleihen wird und wie die Zusammenarbeit zwischen ubisys und Qorvo aussieht, erklärt Dr.-Ing. Arasch Honarbacht, CEO und Gründer von ubisys, sowie treibende Kraft in der ZigBee Alliance im Interview mit Markt&Technik.

Markt&Technik: Innerhalb des ZigBee-Standards gibt es viele Varianten. Können die Anwender davon ausgehen, dass sich die ZigBee-Geräte im Smart Home auch wirklich verstehen?

Arasch Honarbacht: Solange man sich innerhalb des ZigBee-Ökosystems bewegt, ist die Interoperabilität der ZigBee 3.0 Geräte untereinander sichergestellt. ZigBee 3.0 heißt ab sofort einfach nur noch »zigbee«, um die Konsolidierung aller ehemaligen Anwendungsprofile – darunter ZigBee Home Automation und  ZigBee Light Link – , unter dem Dach des vormaligen ZigBee Home Automation Profils zu untermauern. Unzählige neue, stringente Konformitätstests und eine eigens entwickelte automatisierte Testumgebung dienen dazu, die Kompatibilität der Geräte untereinander sicherzustellen.

Was kommt mit IoTivity nun noch hinzu?

IoTivity geht über den ZigBee-Standard weit hinaus und möchte den Weg zur Konsolidierung von verschiedenen IoT-Standards gehen. Vor wenigen Monaten haben sich bereits die einst konkurrierenden Organisationen Open Interconnect Consortium (OIC), Sponsor des IoTivity Open-Source-Projekts, und die AllSeen Alliance, Sponsor des AllJoyn-Open-Source-Projekts, zur Open Connectivity Foundation (OCF) zusammengeschlossen, um einen einheitlichen IoT-Standard weiterzuverfolgen und so der Fragmentierung des Marktes entgegenzuwirken, die Marktbeobachter als Hemmnis für die Verbreitung von Smart-Home- und anderen IoT-Anwendungen sehen. Namhafte Unternehmen wie Microsoft, Intel, Qualcomm, Samsung, LG, General Electric, Cisco, IBM, Electrolux und zahllose weitere Firmen der Branche unterstützen den OIC Standard und seine offene Referenzimplementierung IoTivity. Vielversprechend ist die Interoperabilität über diverse physikalische Medien, Transport- und Anwendungsschichten hinweg. Damit fällt für Produktentwickler der Integrationsaufwand nur einmalig für eine bestimmte Produktklasse wie etwa eine  dimmbare Leuchte an, und nicht mehrfach für jedes einzelne Produkt, wie es bei herstellerspezifischen Protokollen der Fall ist.

Wie ergänzt IoTivity den ZigBee-Standard und kann das dem Smart Home neuen Schwung verleihen?

Die Bereicherung ist durchaus gegenseitig, denn IoTivity und ZigBee ergänzen sich sehr gut. IoTivity unterstützt ganz verschiedene Geräteklassen, die bislang eher am mittleren und oberen Ende des Leistungs- und Energiebedarfs angesiedelt waren. Im Gegensatz dazu ist ZigBee als besonders energieeffizientes System entworfen worden und bringt zudem die bekannten Vorzüge eines sicheren und robusten Mesh Networks mit. Die Vorteile von IoTivity sind die große Flexibilität und leichte Integrierbarkeit einer nativen, quelloffenen IP Lösung, die sich aber naturgemäß noch im steten Fluss befindet und im Vergleich zu ZigBee relativ hohe Anforderungen an die Hardware und das Energiebudget stellt. Weitere Vorzüge von ZigBee 3.0 sind der hohe Optimierungsgrad, die Ausgereiftheit und Robustheit, die über die letzten 15 Jahre erreicht wurden. Das neue IoTivity-Plugin kombiniert die Vorteile beider Welten.

IoTivity bindet Green Power ein

Funktioniert das auch für die wartungsfreien Green-Power-Geräte?

Das neue Plugin für IoTivity unterstützt sowohl die klassischen ZigBee-Geräte als auch – und das ist ganz neu – batterielose ZigBee-Green-Power-Sensoren. Damit stehen IoTivity jetzt auch Ultra-Low-Power-Geräte zur Verfügung, beispielsweise Schalter und Sensoren von Philips, legrand und EnOcean. Die zur Light + Building 2016 bekanntgegebene Zusammenarbeit zwischen ZigBee Alliance und EnOcean Alliance, deren erste Ergebnisse bereits damals live auf unserem Stand zu sehen waren, zeigt damit jetzt weitere konkrete Erfolge.

EnOcean ist inzwischen Mitglied der ZigBee Alliance und trägt mit ihren batterielosen und vollständig wartungsfreien ZigBee-Green-Power-Schaltern und Umweltsensoren, die auf Energy Harvesting basieren, maßgeblich zur Attraktivität von ZigBee 3.0 bei. Denn ZigBee-Green-Power integriert sich vollständig in ZigBee 3.0, mit vergleichbar hohen Sicherheitsstandards (128-Bit AES-CCM), Unterstützung für das Weiterleiten von Green-Power Datenpaketen durch das ZigBee-Maschennetzwerk und einem auf der Anwendungsebene identischen Datenmodell. Der Facility Service von ubisys unterstützt alle Erweiterungen, die wir in der ZigBee Alliance, zusammen mit Philips, legrand, Qorvo, Enocean, Schneider Electric und weiteren Unternehmen erarbeitet haben. Demgegenüber dürfte es noch viele Jahre dauern, bis wartungsfreie Systeme unmittelbar IP-fähig sein können.

Was trägt ubisys konkret dazu bei?

Neben dem ZigBee Stack, vor allem den IoTivity-Adapter für den Smart Facility Service von ubisys, den wir zusammen mit Qorvo entwickelt haben und frei zur Verfügung stellen.