Neuer Geschäftsbereich im Aufbau Infoteam Software definiert Maschinenbau als neue Zielbranche

Siegfried Schülein, Infoteam: »Innerhalb der nächsten fünf Jahre wollen wir den Geschäftsbereich Maschinenbau als High-End-Software-Entwicklungspartner in unserem Zielmarkt Maschinenbau breit etabliert und zu einer der tragenden Säulen von Infoteam entwickelt haben.«
Siegfried Schülein, Infoteam: »Innerhalb der nächsten fünf Jahre wollen wir den Geschäftsbereich Maschinenbau als High-End-Software-Entwicklungspartner in unserem Zielmarkt Maschinenbau breit etabliert und zu einer der tragenden Säulen von Infoteam entwickelt haben.«

Automatisierungstechnik und IT verschmelzen – Grund genug für den Software-Dienstleister Infoteam Software, sich mit einem neuen Geschäftsbereich direkt dem Maschinenbau zuzuwenden. Siegfried Schülein, seit Jahresanfang Business Segment Manager des neuen Geschäftsfelds, erläutert die Hintergründe.

Markt&Technik: Der Geschäftsbereich Automation von Infoteam Software ist seit langem etabliert. Seit Anfang 2014 bauen Sie den Geschäftsbereich Maschinenbau auf. Wie haben Sie in puncto Zielkunden die Trennlinie gezogen, und funktioniert das ohne Konflikte?

Siegfried Schülein: Unser Geschäftsbereich Automation bedient, im Umfeld des Maschinenbaus, die Hersteller von Automatisierungskomponenten wie etwa Sensoren, Aktoren, I/Os, Antrieben und Steuerungen. Natürlich sind auch Maschinenbauer, die eigene Automatisierungskomponenten herstellen, Zielkunden des Geschäftsbereichs. In ihm entwickeln wir Software, die entweder direkt in die System-Software der Automatisierungskomponenten oder aber in die korrespondierende Engineering-Umgebung einfließt.

Der neue Geschäftsbereich Maschinenbau hat als Zielmarkt den Maschinen- und Anlagenbau, also die Anwender der am Markt verfügbaren Automatisierungs-Komponenten. Zusammen mit unseren Kunden entwickeln wir die gesamte Maschinen- und Anlagen-Software über alle Automatisierungsebenen und über den gesamten Lebenszyklus der Maschinen-Software.

Wir gehen damit in unserer Markterweiterungsstrategie den nächsten logischen Schritt entlang der industriellen Wertschöpfungskette. Beide Geschäftsfelder ergänzen sich heute konfliktfrei und generieren sowohl intern als auch in ihren Zielmärkten viele Synergien.

Was wäre ein typischer Anwendungsfall, für den sich Ihr Geschäftsbereich Maschinenbau positionieren will, und wie ist die Akzeptanz dafür in ihren Zielmärkten?

Ein typischer Anwendungsfall ist die Entwicklung einer neuen Maschinengeneration durch einen kleinen oder mittleren Maschinenbauer. Dieser steht heute unter einem extremen Handlungsdruck.

Die Forderungen seiner Kunden nach hoher Maschinenverfügbarkeit und -flexibilität sowie deutlich reduzierten Rüstzeiten, bei optimaler Produktqualität und niedrigen Produkt-Herstellkosten, werden zu essenziellen Differenzierungsmerkmalen im internationalen Wettbewerb. Des Weiteren ist heute eine hohe Wirtschaftlichkeit der Lösung, optimale Time-to-Market und ein minimales technisches, wirtschaftliches und terminliches Umsetzungsrisiko, in einem immer komplexeren und schnelllebigeren Umfeld, für den Maschinenbauer von großer Bedeutung.

Besonders kleine und mittlere Maschinenbauer stellen fest, dass die eigenen Entwicklungsressourcen und fast immer auch die bisher bestehenden Entwicklungspartnerschaften nicht mehr ausreichen, um zukunftsfähige Automatisierungslösungen auf einem hohem technischen Niveau zu realisieren. Wir beobachten eine stetig wachsende Nachfrage nach interdisziplinären Software-Entwicklungspartnerschaften. Damit einhergehend verliert das »Not-invented-here«-Problem innerhalb der Engineering-Abteilungen der Maschinenbauer rasant an Bedeutung, und die Akzeptanz von Entwicklungspartnerschaften steigt kontinuierlich. Wir sehen uns als einen High-End-Software-Entwicklungspartner, der das nötige Kompetenzportfolio von der klassischen Automatisierungstechnik bis zur Informatik besitzt und mit fast 200 Mitarbeitern auch in der Lage ist, größere Projekte umzusetzen.

Die Zielkunden Ihres Geschäftsfeldes Automation verkaufen ihre Produkte aber ebenfalls an den Maschinenbau. Treten Sie, indem Sie die Maschinenbaufirmen direkt ansprechen, nicht in den Wettbewerb zu Ihren angestammten Automatisierungskunden, zumal diese immer mehr dazu übergehen, komplette Lösungen anzubieten?

Ganz im Gegenteil. Ich denke, dass wir unseren Automatisierungskunden eher Freude bereiten als Konkurrenz machen. Es stimmt, dass immer mehr Hersteller von Automatisierungskomponenten dazu übergehen, als Gesamtsystem-Lösungsanbieter aufzutreten. Unter diesen Gesamtlösungen verstehen sie aber etwas anderes als wir: Um ihre Produkte zur Gesamtlösung zu kombinieren, entwickeln sie standardisierte Funktionsbaustein-Bibliotheken und durchgängige Engineering-Frameworks, die sowohl die Komplexität der Schnittstellen zwischen den Einzelkomponenten als auch die Redundanz von Daten- bzw. Informationseingabe eliminieren und somit ein deutlich effektiveres Engineering ermöglichen. In diesem Umfeld ist unser Geschäftsbereich Automation seit langem ein etablierter strategischer Software-Entwicklungspartner.

Es ist aber meist nicht das strategische Ziel unserer Automatisierungskunden, für Maschinenbauer maschinenspezifische Automatisierungs-Software zu entwickeln. Für diese Entwicklungen ist der neue Geschäftsbereich Maschinenbau der ideale interdisziplinäre Software-Entwicklungspartner für Maschinen- und Anlagenbauer.

Die Richtigkeit unserer Einschätzung bestätigt sich übrigens auch dadurch, dass inzwischen etablierte Hersteller von Automatisierungs-Komponenten bzw. -Systemen ernsthaftes Interesse an einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit im Maschinenbau mit uns zeigen.