Beckhoff Automation Industrie-Server mit Manycore-Technik

Mit dem Industrie-Server C6670 macht Beckhoff die Manycore-Technik mit bis zu 36 Cores für den Maschinenbau zugänglich.
Mit dem Industrie-Server C6670 macht Beckhoff die Manycore-Technik mit bis zu 36 Cores für den Maschinenbau zugänglich.

Industrie-PCs mit Dualcore- oder Quadcore-Prozessoren gehören in der Automatisierung mittlerweile zum gewohnten Bild. Auch Beckhoff Automation hat einige davon im Portfolio. Jetzt aber prescht das Unternehmen mit einer neuen Entwicklungsstufe vor: der Manycore-Steuerung.

»Der Industrie-Server C6670 ist der teuerste PC, den wir je gebaut haben«, betont Hans Beckhoff, Geschäftsführender Gesellschafter von Beckhoff Automation. Angesichts der technischen Daten überrascht dies nicht: Erhältlich sein wird die Hochleistungs-Steuerung mit 12, 24 oder gar 36 Prozessorkernen. Der DDR4-RAM-Arbeitsspeicher lässt sich von 64 bis 2048 GByte ausbauen.

»In modernen Produktionslinien oder einzelnen Hochleistungsmaschinen werden immer mehr Funktionalitäten mit immer kürzeren Zykluszeiten implementiert«, erläutert Beckhoff. »Das setzt leistungsstärkere zentrale Steuerungseinheiten voraus.« Bei so vielen Prozessorkernen muss sich die Rechnerarchitektur aber grundlegend von der »herkömmlicher« Multicore-Rechner mit Zweikern- oder Vierkern-Prozessoren unterscheiden. Und das tut sie auch: Statt nur einem Prozessor hat der C6670 zwei Intel-Xeon-Prozessoren mit zunächst jeweils 6 oder 12 Kernen und 2,2 GHz Taktfrequenz auf einem Motherboard integriert. Künftig soll noch eine Version mit zwei 18-Kern-Intel-Xeon-Prozessoren mit ebenfalls 2,2 GHz Taktrate hinzukommen, so dass ein und dasselbe Motherboard bis zu 36 Prozessorkerne beherbergen würde. Außer den Prozessoren und dem Arbeitsspeicher umfasst das Motherboard zwei 1-TByte-Festplatten, einen SATA-RAID-1-Controller mit Intel-Rapid-Storage-Technology, zwei Gigabit-Ethernet-Controller sowie vier PCIe-Gen-III-x16-, ein PCIe-Gen-III-x8- und ein PCIe-Gen-II-x4-Steckkarten-Slot(s).

Auf Prozessorkerne in Hülle und Fülle zurückgreifen zu können, ist gut und schön – aber wie lassen sich die einzelnen Steuerungs-Tasks so auf die Prozessorkerne verteilen, dass diese optimal genutzt werden? »In unserer Automatisierungs-Software ‚TwinCAT 3.1‘ sind viele Features eingebaut, die Manycore-Betrieb unterstützen«, verdeutlicht Beckhoff. »‚TwinCAT 3.1‘ kann jeden einzelnen Prozessorkern sinnvoll nutzen.« Mit dem Konzept »Manycore Control« verfolge das Unternehmen konsequent die Philosophie der zentralen Steuerung mit integrierter »Scientific Automation«: »Das heißt, alle Steuerungsfunktionen der Maschine, neben SPS, Motion, Robotik und CNC auch Messtechnik und Vision, werden in einer Software – TwinCAT – integriert und auf einer leistungsfähigen CPU ausgeführt«, so Beckhoff. Durch die Entwicklung des C6670 mache das Unternehmen die Manycore-Technik für den Maschinenbau zugänglich: »Anwender können für ihre Applikationen, in Bezug auf schnelle und leistungsfähige Maschinensteuerungen, fast ohne Grenzen denken.«

Der C6670 bewältigt 1 Million SPS-Instruktionen innerhalb von 100 µs. Er ermöglicht parallele SPS-Programmierung - »das Zeitalter der parallelen SPS-Programmierung hat begonnen«, kommentiert Beckhoff dies. Rechenintensive Steuerungstechnik ist also die Domäne des Industrie-Servers, aber nutzen lässt er sich auch für Anwendungen wie komplexe Robotik oder Bildverarbeitung. Konzipiert ist er für den Schaltschrankeinbau.

Apropos teuer: Gemessen an seiner Leistungsfähigkeit erscheint der C6670 nicht wirklich teuer. Die Preisspanne für das Motherboard als »Leistungsträger« des Industrie-Servers erstreckt sich zunächst von 6000 Euro für die 12-Core-Version bis 12.000 Euro für die 24-Core-Variante. Der Preis für das Gesamtgerät steht momentan noch nicht fest.