ROI Management Consulting Industrie 4.0 heißt Geschäftsmodelle 4.0

Auf dem Weg zur Industrie 4.0 ist es für jedes Unternehmen entscheidend, ob es ihm gelingt, die Chance zur Etablierung neuer Geschäftsmodelle optimal zu nutzen. Prof. Dr.-Ing. Werner Bick, Generalbevollmächtigter der ROI Management Consulting AG, skizziert im Interview, worauf es dabei ankommt.

Markt&Technik: Ist die kooperative Robotik wirklich ein neues Thema?
Werner Bick: Kooperative Robotik ist jetzt in der Industrie anwendungsreif, aber völlig neu ist das Thema nicht. Ich habe nach meinem Maschinenbaustudium im Jahr 1990 über »hybride Montagesysteme« promoviert, die sich als Vorläufer der kooperativen Robotik betrachten lassen. Es ging dabei um das automatische Handling biegeschlaffer Bauteile und speziell darum, Anti-Dröhn-Bodenmatten als biegeschlaffe Bauteile automatisch ins Auto zu legen. Damals hat sich herausgestellt, dass es sehr schwierig ist, solch komplexe Anwendungen prozesssicher und wiederholgenau hinzubekommen.
 
Wie gut ist das Problem jetzt gelöst?
Noch nicht komplett, was schon daran sichtbar ist, dass nach wie vor fast alle Roboter, die in der Automobilindustrie im Einsatz sind, in der Rohbaumontage stehen. Dort haben sie überall Einzug gehalten, auch weil sie viel preisgünstiger geworden sind: In den achtziger Jahren kostete ein Roboter im Sicherheitskäfig mehrere 100.000 Mark; jetzt sind es 20.000 bis 30.000 Euro. Roboter tun sich leicht bei Objekten, die eine formstabile, unveränderliche Struktur haben und sich deshalb auf immer dieselbe Art und Weise handhaben lassen. Aber komplexe Aufgaben zu lösen, ist ihnen nach wie vor schwierig beizubringen. Obwohl kooperative Roboter wie der »LBR iiwa« von Kuka schon sehr viel können, steht das Thema deshalb in der industriellen Praxis noch ziemlich am Anfang.

In Beispiel-Anwendungen auf Messen hat der »LBR iiwa« gezeigt, dass er einen Wasserschlauch als biegeschlaffes Bauteil zuverlässig in die entsprechende Öffnung einer Geschirrspülmaschine einführen kann. Aber der Teufel liegt im Detail: Wenn sich die Charge ändert oder Unterschiede in Temperatur und Luftfeuchtigkeit auftreten, kann der Schlauch weicher werden, was den Roboter vor Probleme stellt. Er braucht dann spezielle Sensorik, um die Biegesteifigkeit zu messen.
 
Werden kooperative Roboter künftig die menschliche Arbeitskraft eher ergänzen oder ersetzen?
Beides. Mensch und Roboter werden vielerorts zusammenarbeiten, und in klar definierten Situationen kann der Roboter den Menschen tatsächlich ersetzen. Wenn aber Bewusstsein und Intuition des Menschen gefragt sind, wird der Roboter auch langfristig nicht an dessen Stelle treten können. Ihre Domäne haben Roboter beim präzisen, wiederholgenauen Handling unhandlicher, schwerer Bauteile.

Bei kooperativen Robotern wird sich in den kommenden Jahren technisch einiges tun, und preisgünstiger werden sie auch. Mit biegeschlaffen Bauteilen dürften sie künftig noch besser zurechtkommen, und Aufgaben wie die Montage von Dichtungen werden für sie bald kein Problem mehr sein. Letztlich ist ihr Einsatz eine Frage der Total Cost of Ownership, wobei sich das Kosten-Nutzen-Verhältnis zugunsten der Roboter entwickeln wird.
 
Gehen Sie davon aus, dass Roboter und andere Maschinen jemals ein Bewusstsein haben werden?
Momentan ist es nicht absehbar, ob und wie Maschinen ein Bewusstsein entwickeln können. Wir haben die Funktionsweise des menschlichen Gehirns noch nicht richtig verstanden – erst wenn das der Fall ist, wird sie sich in Maschinen abbilden lassen. Solange wir nicht wissen, wie sich das Bewusstsein im Gehirn bildet, werden wir es auch nicht in Maschinen abbilden können.

Roboter können Abläufe nachahmen, bekannte und eingelernte Situationen meistern, aber nicht mit neuen Situationen umgehen – trotz immer besserer Algorithmen. Beim autonomen Fahren – ich würde eher von automatisiertem Fahren sprechen – stehen wir vor dem gleichen Problem: Fahrzeuge, die wir als »selbst lernend« bezeichnen, werden wohl bald die Situationen Fahrstreifenwechsel, Überholen, Mitfahren im Stau oder Um-die-Kurve-fahren beherrschen, auch mit gewissen Variationen. Aber wenn eine ungewohnte Situation auftaucht, etwa ein Ball auf die Straße rollt und ein Kind hinterherrennt, werden sie erst mal nichts damit anfangen können. Das menschliche Bewusstsein wird hier auf absehbare Zeit ohne Alternative bleiben.

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