Bildverarbeitung Europa ist wichtigster Absatzmarkt für Cognex

Dirk Rathsack, Cognex: »Die Komplexität der Bildverarbeitungs-Systeme und ihrer Funktionen wächst kontinuierlich. Die Kunden dürfen davon aber nichts spüren; es gilt, die Komplexität der Bedienung zu verringern.«
Dirk Rathsack, Cognex: »Die Komplexität der Bildverarbeitungs-Systeme und ihrer Funktionen wächst kontinuierlich. Die Kunden dürfen davon aber nichts spüren; es gilt, die Komplexität der Bedienung zu verringern.«

Das in Natick/Massachusetts beheimatete Bildverarbeitungs-Unternehmen Cognex erzielt mittlerweile 35 Prozent seines Umsatzes in Europa. Dirk Rathsack, Vice President MVSD Sales & Service Europe, informiert über die Strategie des Unternehmens sowohl in puncto Technik als auch in Sachen (Zentral-)Europa.

Markt&Technik: Welche Rolle spielt der zentraleuropäische Markt für Ihr Unternehmen?

Dirk Rathsack: Weil Zentraleuropa im Maschinen- und Anlagenbau eine große globale Bedeutung hat, ist es als Markt für uns sehr wichtig. Zuständig für Zentraleuropa ist die Niederlassung Cognex Germany in Karlsruhe. Seit Anfang 2011 haben wir das Team von Cognex Germany um 35 Prozent aufgestockt. Wir unterhalten eine dezentrale Vertriebsstruktur mit Lokalbüros und Mitarbeitern im Homeoffice. Momentan beschäftigen Sales und Marketing in Zentraleuropa etwa 40 Mitarbeiter. Die Gesamt-Mitarbeiterzahl von Cognex liegt um 1000.

Wie hat sich in den letzten Jahren der Anteil Europas am weltweiten Umsatz von Cognex entwickelt?

Europa liegt mittlerweile etwa auf gleichem Niveau wie Amerika. Von 2007 bis 2011 ist der Umsatzanteil Europas von 33 auf 35 Prozent gestiegen. Asien wächst ebenfalls stark, aber auf einem deutlich niedrigeren Niveau.

Inwieweit arbeitet Cognex als Komponentenhersteller mit externen Systemintegratoren zusammen?

Wir setzen auf Systemintegratoren, die unsere Produkte in Lösungen einfügen. Ansonsten sind und bleiben wir Komponentenhersteller. Insgesamt arbeiten wir in Europa mit etwa 130 Partnern zusammen, die wir als »Partner System Integrator« (mit Schwerpunkt Systemintegration) und »Automation Solution Provider« (mit Schwerpunkt Distribution) bezeichnen.

Ein wichtiger Trend in der Bildverarbeitung ist 3D. Welche Strategie verfolgt Cognex hier?

3D ist ein sehr wichtiges Thema für uns. Nicht von ungefähr haben wir vor eineinhalb Jahren das Softwaretool »3D Locate« auf den Markt gebracht. Unser Anliegen ist es, genau zu verstehen, welche Anwendungen ökonomisch erfolgreich mit 3D-Bildverarbeitungstechnik zu lösen sind.

Als Trend erweist sich zunehmend auch die Vorverarbeitung der erfassten Bilddaten mittels eines FPGA-Bausteins. Inwieweit arbeiten die Produkte von Cognex nach dieser Methode?

Einige unserer Produkte benutzen FPGAs für eine schnellere Verarbeitung der Bilddaten und erzielen damit eine höhere Leistung. FPGAs werden im Bildbearbeitungsschritt für Funktionen genutzt, die man schon als Teil des Bildeinzugs beschleunigen kann. Dadurch lassen sich Ergebnisse schon früher als bei traditionellen Bilderfassungs- und -verarbeitungs-Systemen errechnen, was zu einer viel höheren Leistung als bei solchen Systemen führt.

In jüngster Zeit sind mehrere Schnittstellentechniken auf den Bildverarbeitungs-Markt gekommen: CoaXPress, CameraLink HS sowie USB 3.0 mit dem Transportlayer-Standard USB3 Vision. Welche Bedeutung haben die neuen Techniken für Cognex?

Bezüglich Schnittstellen verfolgen wir das Konzept »Cognex Connect«: Es besagt, dass wir alle Schnittstellen bedienen, sofern entsprechende Marktrelevanz und Nachfrage gegeben sind. Auf jeden Fall helfen wir unseren Kunden, das Thema im Sinne ihrer Anwendungen zu lösen. Wir bieten eine Schnittstelle zum Industrial-Ethernet-System Powerlink. CoaXPress und CameraLink HS sind für uns momentan nicht oberste Priorität, USB 3.0 aber auf jeden Fall - der Standard steht bei uns ganz oben auf der Liste.

Das Anwendungsspektrum der industriellen Bildverarbeitungstechnik wird immer breiter und wächst zunehmend in nichtindustrielle Applikationen hinein. Wie sehen Sie diese Entwicklung, und in welchen Bereichen engagiert sich Cognex besonders?

Tatsächlich fasst die industrielle Bildverarbeitungstechnik in neuen Märkten immer stärker Fuß. Als besonders wichtig betrachten wir die Logistik sowie die Pharma- und Lebensmittelindustrie - diese nehmen wir in den nächsten Jahren verstärkt ins Visier. Unser Ziel ist dabei, Lösungen für Probleme der entsprechenden Anwender bereitzustellen.

Trifft die Einschätzung, dass sowohl PC-gestützte Systeme als auch - im Gefolge - intelligente Kameras und Vision-Sensoren in immer komplexere Anwendungen vorrücken, für die industrielle Bildverarbeitung tatsächlich zu?

Unbedingt! Auf Basis von Software-Algorithmen werden in der Industrie immer komplexere Bildverarbeitungs-Anwendungen realisiert, die dann zunächst applikationsspezifischen Systemen vorbehalten sind. Ein paar Jahre später rücken in diese PC-gestützten Anwendungen Standard-Bildverarbeitungssysteme nach. In deren Applikationen dringen intelligente Kameras vor, und in deren Anwendungen wiederum halten Vision-Sensoren Einzug. Die diversen Systemarten wachsen also quasi mit den Anwendungen.

In der Automatisierungsbranche ist derzeit viel davon die Rede, die Bedienung der Programmier- und Konfigurations-Software zu vereinfachen. Wie verhält sich dies in der Bildverarbeitung?

Einfachere Bedienung ist auch in der Bildverarbeitung ein wichtiges und dringliches Thema. Die Komplexität der Bildverarbeitungs-Systeme und ihrer Funktionen wächst kontinuierlich. Die Kunden dürfen davon aber nichts spüren, ganz im Gegenteil: Es gilt, die Komplexität der Bedienung zu verringern.

Ein Schritt, den Cognex vor kurzem in diese Richtung getan hat, ist die Bedienoberfläche »Cognex Explorer Kontrollzentrum«: Sie ermöglicht es, Produkte mehrerer Baureihen mit ein und derselben Oberfläche zu bedienen, anzugleichen und zu verwalten. Ob es sich dabei um Vision-Sensoren, intelligente Kameras oder Systeme auf PC-Basis handelt, spielt dabei vom Konzept her keine Rolle. Unterschiedlich je nach Produktart ist natürlich die Komplexität, Funktionalität und Vielseitigkeit, die bei gleichem Look-and-Feel »unter der Oberfläche« liegt.