Datentransfer-Standards OPC UA und DDS »Es wird keinen Weltstandard geben«

Die Connectivity-Middleware »RTI Connext DDS« erfüllt in autonomen Fahrzeugen verschiedenste Aufgaben: Sie steuert beispielsweise die Interaktion zwischen Fahrzeugen oder Kontrollsystemen.

Das US-Unternehmen RTI Real-Time Innovations mit seinem Gründer und CEO Stan Schneider gehört zu den Urvätern des Datenübertragungs-Standards DDS und engagiert sich im Industrial Internet Consortium (IIC) und in der Object Management Group (OMG) dafür.

Reiner Duwe, Sales Manager EMEA von RTI, erläutert die Anwendungsfelder und technischen Merkmale von DDS und bewertet die Kooperation zwischen dem IIC und der Plattform Industrie 4.0.

Markt&Technik: Wie stehen die Plattform Industrie 4.0 und das IIC zu den Kommunikationsstandards OPC UA und DDS (Data Distribution Service), und wie kooperieren sie inzwischen miteinander?

Reiner Duwe: Die Kooperation zwischen den beiden Organisationen hat sich im vergangenen Jahr sehr verbessert. Beim IIC-Quartalstreffen im September in Heidelberg gab es einen Public Day, an dem Vertreter von IIC und Plattform Industrie 4.0 die Kooperation bis hin zu technischen Einzelheiten diskutiert haben. Der Tenor war, dass es nicht nur den einen oder anderen Ansatz geben soll, sondern dass die beiden Organisationen komplementäre und nicht konfliktträchtige Ziele verfolgen. In dieses Bild passt, dass sie nicht ausschließlich auf einem Kommunikationsstandard beharren, sondern offen für verschiedene Standards bleiben wollen. Auch wir bei RTI fördern Offenheit und halten es für sinnlos, alles in einen Standard zu pressen.

In der Anfangszeit vertraten IIC und Plattform Industrie 4.0 durchaus sehr unterschiedliche Auffassungen, aber mittlerweile hat man erkannt, dass sie sich mehr ergänzen und überlappen als zu konkurrieren. So engagieren sich deutsche Unternehmen im IIC, und die Plattform Industrie 4.0 verzeichnet internationale Beteiligung.

Weltweit erkennen wir im Moment einen Dschungel von Konsortien, Standards und entsprechenden Produkten. Es wird noch eine ganze Weile dauern, bis schlüssige und stringente Pfade dort hindurch führen.

Worin liegen die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Herangehensweisen von IIC und Plattform Industrie 4.0?

Letztlich kümmert sich das IIC mehr um Use Cases in den verschiedenen Marktsegmenten, die Plattform Industrie 4.0 eher um Techniken und deren Zusammenführung für den Bereich Manufacturing. Das IIC beschäftigt sich damit, Systeme zu integrieren und ins Feld zu bringen, die Plattform Industrie 4.0 mit der Beschreibung, Herstellung und Handhabung von Produkten und deren Lebenszyklus. Beides ergänzt sich gut und überlappt sich nur an ein paar Stellen. Entsprechend versuchen wir bei RTI sicherzustellen, dass Geräte miteinander kommunizieren und zusammenarbeiten können – Interoperabilität ist der Schlüssel. Gerade der deutsche Mittelstand sucht Orientierung und Anwendungsbeispiele; IIC und Plattform Industrie 4.0 sollten also einen Konsens über Kernkonzepte und Architekturen finden, die sich ergänzen und miteinander harmonieren. Wichtig ist, Klarheit zu schaffen, welche Architektur für welche Anwendung die richtige ist.

Neben OPC UA wird DDS als einer der möglichen Standards für die Datenkommunikation zwischen Sensoren und Cloud in der Industrie 4.0 gehandelt. Zumindest in Deutschland scheint OPC UA aber die Nase vorn zu haben. Wie sieht Ihr Unternehmen die Wettbewerbssituation zwischen den beiden Techniken?

Wir denken, dass beide ihre Berechtigung und ihre Vorteile haben. Die Organisationen OPC Foundation und OMG haben folglich angekündigt, auch in puncto Technik zusammenzuarbeiten. Beide wollen die Kunden nicht zu einer Entscheidung zwingen, die sie später bereuen könnten. Use Cases sind wichtig, und Technik sollte grundsätzlich offen sein. Ziemlich sicher sind wir uns dessen, dass es keinen Weltstandard geben wird. Bestimmte Branchen und Anwendungen werden ihre bevorzugten Techniken haben, aber keine wird sich komplett durchsetzen.