ZVEI-Jahreskongress 2013 Energiewende: Kurskorrektur dringend erforderlich!

Friedhelm Loh, ZVEI: »Wir können es und wir wissen wie es geht.«
Friedhelm Loh, ZVEI: »Wir können es und wir wissen wie es geht.«

Der diesjährige Jahreskongress des ZVEI stand ganz im Zeichen der Energiewende. Zwei Jahre nachdem sie ausgerufen wurde, ist in der Industrie ein wenig Ernüchterung eingekehrt. Noch sind aber alle überzeugt: Die Energiewende ist machbar!

Mehrere Punkte beunruhigen die Industrie: Die hohen Kosten, die fehlende Koordination und das unzureichende Marktdesign. »Wir müssen den Kurs der Energiewende korrigieren, sonst fahren wir vor die Wand«, warnte Peter Löscher, CEO von Siemens.

Schon seit längerem fordert die Industrie, dass jetzt die Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen, um die Energiewende bezahlbar umsetzen zu können und vor allem so, dass die deutsche Wirtschaft ihre Wettbewerbsfähigkeit nicht verliert. »Wir brauchen die Entscheidungen jetzt«, unterstrich Friedhelm Loh, Präsident des ZVEI.

Denn der Vorsprung, den sich die deutsche Industrie im Bereich der Energiewende herausgearbeitet habe, beginne in einigen Sektoren bereits zu erodieren. »Wir müssen die Energiewende jetzt praktisch leben« forderte Loh. Wir müssten im eigenen Land zeigen, wie die Energiewende funktioniert. Der Austausch zwischen Politik und Wirtschaft müsse schneller und konstruktiver werden.

Energiewende - Teil von Industrie 4.0

Und er setzt die Energiewende in einen noch größeren Rahmen: Industrie 4.0. Ähnlich wie bei der Energiewende sieht sich die deutsche Industrie mit ihren Stärken in der Elektrotechnik, im Maschinenbau und ihrer Erfahrung im Umgang mit hochkomplexen, interdisziplinären Projekten, wie sie etwa in der Automobilindustrie gefordert werden, in einer guten Ausgangsposition, um auf dem Gebiet Industrie 4.0 die global führende Stellung einnehmen zu können. Der ZVEI geht davon aus, dass Industrie 4.0 eine Produktivitätssteigerung um 30 Prozent bringt. »Schon deshalb können wir es uns nicht leisten, hier in der zweiten Reihe zu stehen, wir müssen Industrie 4.0 jetzt umsetzen«, erklärte Loh.

Ulrich Grillo, Präsident des BDI, machte in seinem Grußwort darauf aufmerksam, dass Industrie 4.0 als die vierte Revolution der Industrialisierung einen gesellschaftlichen Wandel mit sich bringt, den die Industrie vorantreibt. »Deshalb müssen wir daran arbeiten, das Zerrbild der Industrie, das in der Öffentlichkeit besteht, zu revidieren.

Wir müssen dialogbereit sein und uns auch mit der Wut einiger Gruppen auseinandersetzen, etwa um Infrastrukturprojekte umzusetzen«, so Grillo. Ein starkes Industrieland brauche eine starke Infrastruktur. Doch werde in Deutschland zu wenig in die Infrastruktur investiert. Wenn nun dort, wo investiert werden soll, die Projekte am Bürgerprotest scheitern, dann zerfalle die Infrastruktur. Die Energiewende sieht er dabei nur als einen Teil der Industie-4.0-Revolution.