Kamerahersteller Basler Embedded Vision als Zukunftsstrategie

Arndt Bake, Basler: »Der Wechsel von PC- zu Embedded-Technik verringert die Systemkosten dramatisch.«
Arndt Bake, Basler: »Der Wechsel von PC- zu Embedded-Technik verringert die Systemkosten dramatisch.«

Embedded Vision kristallisiert sich in der industriellen Bildverarbeitung als Trend heraus, weil Embedded-Boards als PC-Ersatz den Preis von Bildverarbeitungssystemen senken. Nicht von ungefähr hat Basler als Industriekamera-Hersteller schon eine mehrgleisige Embedded-Vision-Strategie ausgearbeitet.

»Im Jahr 2000 kostete ein Standard-Bildverarbeitungssystem umgerechnet etwa 7000 Euro und bestand aus CCD-Kamera, Objektiv, Kabel, Framegrabber, PC und Software«, erläutert Arndt Bake, Vorstand Marketing der Basler AG. Dann kamen der Trend von analogen zu digitalen Schnittstellen wie FireWire, Gigabit Ethernet und USB sowie der Preisverfall bei allen Systemkomponenten: »Zehn Jahre später, im Jahr 2010, kostete ein Standard-Bildverarbeitungssystem mit CCD-Kamera, Objektiv, Kabel, Schnittstellenkarte, PC und Software durchschnittlich nur noch ungefähr 2000 Euro.« Und in den zehn Jahren danach, also bis 2020, sanken und sinken die Systemkosten noch viel stärker als im Jahrzehnt zuvor, wofür neben dem Preisverfall zwei Trends verantwortlich sind: der Trend von CCD- zu CMOS-Bildsensoren und der von PCs zu Embedded-Boards. »Inzwischen lassen sich schätzungsweise 95 Prozent aller Anwendungen mit CMOS-Bildsensoren abdecken, so dass es neue Design-Ins fast nur noch mit CMOS gibt; dies und der Wechsel von PC- zu Embedded-Technik verringert die Systemkosten dramatisch«, betont Bake. »Standard-Bildverarbeitungssysteme werden im Jahr 2020 nur noch zirka 250 Euro kosten und aus CMOS-Kamera, Objektiv, Kabel, Embedded-Board und Software - vorzugsweise Open Source - bestehen. Dadurch lässt sich die Bildverarbeitungstechnik in immer mehr Anwendungen nutzen.«

Wenn das so ist, tun auch reine Kamerahersteller gut daran, sich mit dem Thema Embedded Vision zu beschäftigen. »Wer Bildverarbeitungssysteme richtig preisgünstig anbieten will, muss den PC abschaffen und zu Embedded Vision übergehen«, stellt Bake klar. »Dies bringt allerdings höhere Entwicklungs- und Integrationskosten mit sich. Stand heute bietet sich Embedded Vision, weil sie noch deutlich mehr Integrationsaufwand erfordert als Standard-PCs, besonders für High-Volume-Applikationen an.«

Das Ziel muss laut Bake folglich sein, einerseits die Materialkosten der Systeme durch den Übergang von PCs zu Embedded-Boards zu drücken und andererseits die Entwicklungskosten der Kunden für Embedded-Vision-Architekturen zu reduzieren. Auf dem Weg dorthin will das Unternehmen dreigleisig fahren: mit einem eigenen Embedded-Portfolio, mit Partnern für Embedded-Produkte und Systemintegration sowie mit einem Online-Portal für den Austausch zwischen Kunden und Anbietern zum Thema Embedded. »Es wird künftig viele Kombinationen von Sensoren, Optiken, Embedded-Prozessoren und Software in unterschiedlichen Embedded-Vision-Anwendungen geben«, prognostiziert Bake. »Jedes Jahr werden neue Sensoren und Prozessoren verfügbar sein. Wir glauben, dass der Embedded-Vision-Markt eine breite Palette von Modulen diverser Anbieter hervorbringen wird, die sich über Standard-Schnittstellen leicht miteinander kombinieren lassen.« Der Kunde profitiere von flexiblen Systemarchitekturen, die wenig kosten, aber viel Leistung bringen.

Anders als einige andere Kamerahersteller setzt Basler nicht auf Smart Cameras, die einen Embedded-PC integriert haben: »Wir glauben, dass der Markt eine große Vielfalt von Kameras, Software und Processing-Boards braucht, damit die Kunden alles im Sinne ihrer Anwendungen zusammenstellen können«, legt Bake dar. »Kombinationen aus allem, wie sie als Smart Cameras vorliegen, bringen weniger Leistung und Anwendungs-Flexibilität.«