Ziehl-Abegg Elektrobusse – das Angebot ist da

Das Achsantriebsmodul vom Typ ZAwheel, eine getriebelose, elektrisch angetriebene Niederflurachse mit integrierten wassergekühlten Radnabenmotoren, die die Räder einzeln antreiben.

Dass E-Busse auf dem Markt nicht zur Verfügung stehen, ist falsch. Nach verhaltenem Start zieht der Bedarf jetzt deutlich an. Ziehl-Abegg ist darauf vorbereitet.

Das Achsantriebsmodul vom Typ ZAwheel, eine getriebelose, elektrisch angetriebene Niederflurachse mit integrierten wassergekühlten Radnabenmotoren, die die Räder einzeln antreiben.

»Über die nächsten drei Jahre wird die Nachfrage nach unseren elektrischen Antriebssystemen stark steigen. Ich rechne damit, dass die großen Hersteller in diesem Zeitraum Elektrobusse auf Messen vorstellen und in den Markt bringen werden«, sagt Peter Fenkl, Vorstandsvorsitzender von Ziehl-Abegg.

Er muss es wissen, denn Ziehl-Abegg ist schon sehr früh in den Markt für elektrische Antriebe eingestiegen. Ausgangspunkt war die Außenläufertechnik, die Emil Ziehl ursprünglich 1897 entwickelt hatte. Weil sich der Stator im Inneren des Motors befindet und der äußere Rotor sich dreht, eignet sich diese Technik sehr gut für den Einsatz in Elektrofahrzeugen. Denn der Motor plus die erforderliche Elektronik kann ins Rad eingebaut werden, der Außenläufer fungiert als Felge. Der komplette Antrieb, den Ziehl-Abegg auf den Namen ZAwheel getauft hat, besteht aus der getriebelosen Niederflurachse mit den beiden integrierten, wassergekühlten Radnabenmotoren. Der Antrieb ist also sehr kompakt, was den Konstrukteuren großen Gestaltungsspielraum für die Busse gibt. Der Mittelgang des Busses etwa kann sehr breit ausgeführt werden. Es stehen Hinterachs- und Mittelachsantriebsmodule für Gelenkbusse und Sonderfahrzeuge zur Verfügung.

Weil Getriebe und Kardanantrieb wegfallen, erreicht der Antrieb einen sehr hohen Wirkungsgrad im Bereiche von 90 Prozent, wodurch bei gleicher Fahrstrecke weniger Batterien erforderlich sind. Auch die Zuverlässigkeit ist ausgesprochen hoch, wie Peter Fenkl betont. Ziehl-Abegg garantiert 40.000 Betriebsstunden bei einem üblichen Stadtbus, bevor die Lager das erste Mal geölt werden müssen. Der Elektromotor selber sei laut Fenkl robust und zuverlässig, im Feld seien keine Probleme aufgetaucht.

Er weiß, wovon er spricht, denn Ziehl-Abegg hatte vor 17 Jahren mit der Entwicklung der elektrischen Außenläuferantriebe begonnen und verkauft sie schon seit 2006 in Stückzahlen. Millionen von Kilometern haben die Antriebe in der Zwischenzeit zurückgelegt. Es lassen sich also valide Aussagen über das Verhalten im realen Betrieb treffen.

Es fahren schon 30 E-Busse
 
Umso mehr hat Fenkl überrascht, dass kürzlich in der Öffentlichkeit die Meldung auftauchte, nach denen die Verkehrsbetriebe in Deutschland derzeit adäquate Busse mit Elektroantrieb nicht kaufen könnten, weil sie ganz einfach nicht angeboten würden: »Was im „Spiegel“ kürzlich zu lesen war, das stimmt so nicht.« Denn allein in Deutschland fahren an die 30 Busse mit dem Antrieb von Ziehl-Abegg, in Holland sind zahlreiche Busse unterwegs und auch in Skandinavien.

Die großen Hersteller werden aufmerksam
 
Was allerdings schon stimmt: Die großen Hersteller von Bussen zeigten sich in der Vergangenheit dem Thema gegenüber weniger aufgeschlossen. Wer viel Geld in die Entwicklung von Dieselmotoren und Getrieben steckt, war wohl eher geneigt, den Elektroantrieb als Spielerei zu betrachten. Deshalb arbeitet Ziehl-Abegg derzeit vor allem noch mit eher kleineren Herstellern zusammen, die weder Dieselmotoren noch Getriebe produzieren und dem Elektroantrieb deshalb offener gegenüberstanden. Doch nach den Beobachtungen von Fenkl wollen nun auch die großen Hersteller auf den fahrenden Zug aufspringen.

Klarer Fokus sind Busse – nur nicht abschweifen!
 
Obwohl sich die Antriebe sehr gut für Fahrzeuge aller Art eignen, insbesondere auch für Lastkraftwagen und Personenfahrzeuge, hat sich Ziehl-Abegg auf den Antriebsstrang für Elektrobusse fokussiert. Das hat mehrere Gründe, wie Fenkl erklärt: »Erstens können die Außenläuferantriebe ihre Vorteile in Bussen besonders gut ausspielen, denn sie fahren leise, nebeln die Fahrgäste an den Haltestellen nicht mit Abgasen ein, und sie können in Niederflurbauweise ausgeführt werden. Rollstuhlfahrer können barrierefrei durch den ganzen Bus fahren. »Zudem sind diese Busse sehr robust.» Die Busunternehmen und die meist kommunalen Verkehrsbetriebe hätten durchweg gute Erfahrungen damit gemacht, zumal die Batterietechnik inzwischen so ausgereift ist, dass die Reichweite kein Problem mehr darstellt.

Der zweite Grund dafür, dass Ziehl-Abegg sich auf Busse konzentriert hat: Der Markt ist überschaubar: »Als mittelständisches Unternehmen müssen wir uns auf einen Markt fokussieren, den wir mit unseren Ressourcen auch bedienen können«, sagt Peter Fenkl. »Den haben wir in den Bussen gefunden. « Die erforderlichen Investitionen seien für das Unternehmen jetzt, da der Markt anziehe, gerade noch zu leisten und das Risiko sei kalkulierbar. Bei Autos und Lastwagen liege der Fall anders. Deshalb hatte sich Ziehl-Abegg trotz Anfrage dazu entschlossen, nicht zum Zulieferer für das Elektroauto der Post zu werden.

Ziehl-Abegg musste allerdings seit 2006 eine gewisse Durststrecke überstehen. »Ich habe schon damit gerechnet, dass der Bedarf ein paar Jahre früher eingesetzt hätte – jetzt aber ist er definitiv da. Wir erhalten Bestellungen nicht nur aus Europa, sondern aus allen Teilen der Welt, aus Osteuropa und Russland genauso wie aus Indien und anderen Regionen«, freut sich Fenkl. Doch derzeit arbeitet das Unternehmen immer noch mit eher kleineren Herstellern zusammen, die weder Dieselmotoren noch Getriebe produzieren und dem Elektroantrieb deshalb offener gegenüberstanden.