Digitale Transformation – aber wie? Digitalisieren Sie noch oder transformieren Sie schon?

Lutz Varchmin, Hyland: »Mit der digitalen Transformation wandeln sich die klassischen Wertschöpfungsketten hin zu digitalen Wertschöpfungsnetzwerken.«
Lutz Varchmin, Hyland: »Mit der digitalen Transformation wandeln sich die klassischen Wertschöpfungsketten hin zu digitalen Wertschöpfungsnetzwerken.«

Um die künftigen Anforderungen ihrer Kunden erfüllen zu können, müssen sich Unternehmen auf die digitale Transformation einlassen. Aber wie lässt sie sich umsetzen? Was sind dafür die Voraussetzungen, und was ist während des Transformationsprozesses zu beachten?

Weil Konsumenten heutzutage keine Produkte mehr von der Stange wollen, ist industrieübergreifend ein Trend hin zu individuellen Lösungen und Services zu beobachten – vom individuell zusammengestellten PKW über personalisierte Turnschuhe bis hin zum selbst gemischten Müsli ist alles realisierbar. Für Unternehmen bedeutet dies, dass Wertschöpfungsprozesse komplexer werden, mehr Daten zur Verwaltung anfallen und externe Innovationen schnell adaptierbar sein müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Digitale Transformation heißt hier die Lösung: Die Anpassung von IT-Infrastruktur und Akteuren an die Gegebenheiten einer digitalen Ökonomie sowie die durchgängige Vernetzung aller Wirtschaftsbereiche bildet ein solides Fundament, auf das Unternehmen auf ihrem wirtschaftlichen Weg nach oben in Zukunft bauen können.

Spricht man von digitaler Transformation, ist es sinnvoll, sich zunächst der Wertschöpfung zuzuwenden. Traditionellerweise entsteht Wertschöpfung linear: Ein Fahrzeug durchläuft eine Reihe getakteter Produktionsstationen, bis es schließlich als fertiges Produkt vom Band läuft. Mit der digitalen Transformation ändert sich dies: Obwohl das Auto im Grunde noch die gleichen Produktionsstufen durchläuft, organisiert sich die Fabrik mehr oder weniger selbst. Mit Hilfe intelligenter Fertigungsanlagen „suchen“ sich die Fahrzeuge den optimalen Weg durch die Produktion hinsichtlich Zeit- und Kosteneffizienz sowie den individuell gewünschten Konfigurationen – z.B. schwarzer Lack, Klimaanlage und Navigationssystem –  und verlassen das Werk genauso, wie es der Kunde vorbestellt hat. Mit der digitalen Transformation wandeln sich also die klassischen Wertschöpfungsketten hin zu digitalen Wertschöpfungsnetzwerken.

Unternehmen können so auf individuelle Kundenwünsche eingehen, kooperativ mit Partnern an der Produktion neuer Produkte arbeiten und einen permanenten Dialog mit ihren Kunden etablieren. Waren die Wertschöpfungsketten vormals starr und unflexibel, sind sie im Wertschöpfungsnetzwerk agil und skalierbar. Entscheider können so zeitnah auf veränderte Marktgegebenheiten reagieren. Das bedeutet: Aus einem sehr langsamen und statischen Prozess wird ein schnell fließender. Um all diese Vorteile für sich nutzbar zu machen, heißt es für Unternehmen: Weg vom analogen und hin zum digitalen Denken und Handeln.

Auch in puncto Kosten kommt es im Zuge der digitalen Transformation zu Veränderungen. In der klassischen Wertschöpfungskette ließen sich die Kosten über die Kostenrechnung relativ gut ermitteln – die Frage lautete: was muss ich investieren, um welches Ergebnis zu bekommen? Mit Netzwerken wird dies deutlich komplexer, und ein Kosten-Management muss etabliert werden. Damit lassen sich im Wesentlichen vier Ziele verfolgen: Kostentransparenz, das heißt, dass jede Veränderung wertmäßig erfassbar sein muss; Kostensenkung und Prozessverbesserung durch die digitale Transformation sowie die Preiskalkulation digitaler Produkte und Services.

Zur Umsetzung dieser Ziele haben Unternehmen im Wesentlichen vier Hebel: Automatisierung ermöglicht es, Prozesse zu beschleunigen und gleichzeitig Fehler zu vermeiden. Digitale Kundenzugänge erlauben wiederum eine enge und schnelle Kommunikation – Kunden erwarten heutzutage, dass Banking und Beratung auch bequem von der Couch aus möglich ist. Ein weiterer Hebel sind die in der Kommunikation anfallenden Daten, die - nutzbar gemacht - bessere Entscheidungen ermöglichen. Zu guter Letzt ist die Vernetzung – intern und extern – eine wichtige Maßnahme, um flexibler, effizienter und effektiver agieren zu können und die gesetzten Kostenziele zu erreichen.

In der Praxis wird bei der Vernetzung häufig versucht, vorhandene Lösungen Software- und Hardware-seitig miteinander zu integrieren. Dies hat jedoch direkten Einfluss auf die Kosten, was sich an einem einfachen Beispiel zeigen lässt: Gibt es anfänglich nur eine Applikation, ist die Verwaltung und Steuerung noch relativ einfach. Kommt eine zweite hinzu, müssen schon zwei Applikationen plus eine Kommunikationsschnittstelle verwaltet werden. Wird nun noch eine dritte hinzugefügt, ist der Vernetzungsaufwand bereits genauso groß wie der für die Applikationen selbst, und schon bei vier Applikationen übertrifft der Vernetzungsaufwand den für den Unterhalt der Applikationen. Es wird klar, dass der Vernetzungsaufwand in der realen Welt im Zweifelsfall ein Vielfaches von dem ist, was die einzelnen Lösungen an Aufwand benötigen.

Unternehmen sollten analysieren, inwieweit es sinnvoll ist, mehrere Einzellösungen durch eine integrierte Plattform zu ersetzen. Dies hat den großen Vorteil, dass mit vielen bereits miteinander korrespondierenden Lösungen über eine einzige Plattform gearbeitet werden kann und sich das Schnittstellenproblem so massiv reduziert. Damit fahren Unternehmen nicht nur insgesamt günstiger. Eine Plattformlösung erlaubt es zudem, mit einer endlichen Anzahl einheitlicher, untereinander kompatibler Plattformbausteine Veränderungen schnell und standardisiert mit wenig Risiko durchzuführen.