In den Startlöchern für Industrie 4.0 Die Trends in der industriellen Bildverarbeitung

Bildverarbeitungssysteme müssen künftig leicht in Industrie-4.0-Produktionssysteme integrierbar sein. Trends wie der zu CMOS-Bildsensoren und zur 3D-Bildverarbeitung bleiben aber auch unabhängig von Industrie 4.0 aktuell. Im Folgenden erläutern Experten die Hintergründe.

Jochem Herrmann, President der EMVA (European Machine Vision Association): »Die Anwendungsfelder für Bildverarbeitung sind unzählig, weshalb der Bildverarbeitungsmarkt in Europa sehr wahrscheinlich auch in den kommenden Jahren wachsen wird. Dennoch lassen sich drei Trends ausmachen, welche die Industrie in der nahen Zukunft herausfordern werden.

Den ersten Trend bildet das Wachstum der Embedded Vision. Bildverarbeitung ist heutzutage überall – ein modernes Smartphone umfasst schon mehr Bildverarbeitung als ein komplexes Bildverarbeitungssystem von vor 20 Jahren. Ursprünglich für den Endverbrauchermarkt entwickelte Hard- und Software wird somit ihren Weg in den Bildverarbeitungsmarkt finden. Das sind gute Neuigkeiten in Sachen Preis und Größe von Systemen; es bedeutet aber auch stärkeren Wettbewerb durch Firmen, die bis dato in völlig anderen Märkten agierten.

Zweitens werden die Fabriken der Zukunft flexibler sein müssen, als sie es heute sind. Allerdings gehen die Meinungen, wie diese Flexibilität erreicht werden kann, weltweit auseinander. So wird das nordamerikanische Internet of Things – das im Endkundenmarkt begann – irgendwann auch die Fabrik erreichen. Deutschland dagegen propagiert den Ansatz der Industrie 4.0 mit einem reinen Fokus auf die Fabrikautomatisierung. Dazwischen haben viele Länder eigene ’Factories-of-the-Future‘-Initiativen gestartet und setzen jeweils auf ihre Schlüsselindustrien. Tatsache ist, dass die Fabriken der Zukunft auf mehr Bildverarbeitung denn je angewiesen sein werden. 

Drittens erhöht sich die Innovationsgeschwindigkeit zusehends. Immer komplexere Bildverarbeitungsaufgaben lassen sich bewältigen, das macht es für SMEs zunehmend schwierig zu folgen. Wissen veraltet immer schneller, was eine kontinuierliche Weiterbildung der Belegschaft erfordert. Für diesen Bereich erarbeitet die EMVA derzeit verschiedene Angebote, welche die Mitglieder dabei unterstützen werden, Schritt zu halten und für die zukünftigen Herausforderungen gerüstet zu sein.«