Für bessere Produktideen und Beratung Datalogic fusioniert seine Tochterunternehmen ADC und IA

Benjamin Westdickenberg, Datalogic: »Früher haben wir uns nach Produkten aufgestellt, jetzt stellen wir uns nach Kunden und ihren Vertical Markets auf.«

Der Datenerfassungs- und Sensortechnik-Hersteller Datalogic, mit etwa 2500 Mitarbeitern einer der Großen am Markt, organisiert sich zum Jahreswechsel neu: Aus zwei bislang getrennten Tochterunternehmen wird eins. Benjamin Westdickenberg, Country Manager Central Europe, erläutert die Hintergründe.

Markt&Technik: Wofür waren die beiden Konzernteile bisher zuständig, und was waren die Beweggründe für den Zusammenschluss?

Benjamin Westdickenberg: Datalogic bestand bis Ende letzten Jahres aus zwei komplett getrennten Unternehmen: Datalogic ADC (Automatic Data Capture) und Datalogic IA (Industrial Automation). Während ADC mobile Systeme für Inventuren, Handscanner und Kassenscanner im Programm hatte, sich also an den Groß- und Einzelhandel richtete, bot IA Sensor-, Bildverarbeitungs-, Identifikations- und Laserbeschriftungstechnik für die Fabrikautomatisierung an.

Zum 1. Januar 2017 hat Datalogic die beiden Unternehmen vereinigt. Es hat sich nämlich gezeigt, dass wir die Möglichkeiten zum Cross-Selling bisher nicht genügend genutzt haben. So manches, was in teilweise automatisierten Distribution Centers benötigt wurde, war in IA angesiedelt, und vieles, was in der Industrie am Point of Sales gebraucht wurde, war bei ADC beheimatet. Die nötige Kommunikation zwischen den beiden Bereichen unterblieb leider zu oft. Durch die Fusion können wir Kunden tiefer und ganzheitlicher beraten. Unser Chairman und CEO Romano Volta hat die Fusion mit den Worten kommentiert: »Von Zeit zu Zeit muss ein heftiger Change in ein Unternehmen. Wir haben sehr gute Zahlen, aber gerade dann dürfen wir nicht nachlassen.«

Wurden die beiden Tochterfirmen einfach nur fusioniert, oder gibt es jetzt eine Untergliederung nach anderen Kriterien?

Wir haben das vereinigte Unternehmen entlang von vier Vertical Markets organisiert: Retail, Manufacturing, Healthcare und Transportation & Logistics. Für den Kunden Audi beispielsweise ist jetzt der Geschäftsbereich Manufacturing zuständig, der zugunsten des Automobilherstellers auf unsere gesamte Produktpalette zugreifen kann. Vor der Fusion war das anders: Obwohl jede Produktionslinie von Audi mit unseren Handscannern ausgestattet ist, haben wir es bisher nicht geschafft, auch unsere Bildverarbeitungstechnik dort an den Mann zu bringen. Und warum? Weil die Handscanner im Konzernteil ADC waren und die Bildverarbeitungsgeräte in IA und es an der Kommunikation zwischen den beiden Unternehmen gehapert hat. Sie sehen: Bisher haben wir uns nach Produkten aufgestellt, jetzt stellen wir uns nach Kunden und ihren Vertical Markets auf.

Für Sie ist „Synergieeffekt“ also kein Euphemismus für „Arbeitsplatzabbau“?

Nein, ganz im Gegenteil. Wir wollen die Kunden künftig – im Blick auf die vier Vertical Markets – mit allen Produkten aus unserem ganzen Portfolio bedienen und die Produkte zu „Break-through“-Produkten und -Lösungen zusammenführen. Es geht uns darum, Technologiepakete zu schnüren, damit für die Kunden etwas Gutes dabei herauskommt. Dass wir es damit ernst meinen, zeigt sich in der Organisation beispielsweise daran, dass wir nur noch einen zentralen R&D-Bereich haben, die „Datalogic Labs“ an unserem Stammsitz im norditalienischen Bologna. Unsere Strategie ist kein Kostensenkungsplan, sondern eine stärkere Orientierung hin zum (End-)Kunden und seinen individuellen Bedürfnissen.

Plant Datalogic darüber hinaus Veränderungen in seiner Produktstrategie?

Die Veränderungen auf der Produktseite werden mit der Zeit greifen. So richtig sichtbar werden die Ergebnisse in zwei bis drei Jahren sein, und zwar hauptsächlich durch clevere Produkt- und Lösungskonzepte. Wir wollen unseren Kunden in allen Teilen der Welt zuhören und ihre Anregungen aufnehmen: Der Vertrieb hört zu und gibt die Informationen an die Entwicklung weiter, die sie in Ideen für Produkte und Lösungen umsetzt. Vor allem in Nordamerika wollen wir stärker wachsen als bisher – dafür brauchen wir Top Vertriebsingenieure, die zuhören und das Gehörte transportieren können.