Bauer Getriebemotoren wird als separates Geschäft weitergeführt Danfoss Bauer: Kontinuität trotz Eigentümerwechsel

Karl-Peter Simon, Danfoss Bauer: »Wenn wir in China erfolgreich sind, können wir auch erfolgreich aus unseren Werken in Deutschland und der Slowakei Produkte liefern.«
Karl-Peter Simon, Danfoss Bauer: »Wenn wir in China erfolgreich sind, können wir auch erfolgreich aus unseren Werken in Deutschland und der Slowakei Produkte liefern.«

Obwohl der dänische Danfoss-Konzern derzeit seine Tochtergesellschaft Danfoss Bauer an die US-amerikanische Firma Altra Holdings Inc. verkauft, sind bei Danfoss Bauer keine größeren Umstrukturierungen geplant. Der in Esslingen am Neckar ansässige Getriebemotoren-Hersteller setzt vielmehr auf Kontinuität einerseits und internationale Expansion andererseits.

Karl-Peter Simon, General Manager von Danfoss Bauer, und Jens Gabel, dort Vice President Global Sales / R&D, informieren über den neuen Eigentümer und die künftige Strategie ihres Unternehmens.

Markt&Technik: Um welche Art von Transaktion handelt es sich beim Erwerb von Danfoss Bauer durch Altra Holdings?

Karl-Peter Simon: Die Übernahme ist ein Asset Deal, bei dem alle Firmenwerte für das Bauer-Getriebemotoren-Geschäft von Altra übernommen und in eine neue rechtliche Einheit überführt werden. Der momentane Status liegt zwischen Signing und Closing: Der Vertrag ist unterzeichnet, und zum Abschluss kommen wird das Ganze im Laufe des zweiten Quartals 2011. Sobald die Übertragung erfolgt ist, wird die jetzige Danfoss Bauer GmbH als »Bauer Gear Motor GmbH« firmieren. Die Marke Bauer mit ihrer mehr als 80-jährigen Tradition bleibt also uneingeschränkt bestehen.


Warum verkauft Danfoss seine Getriebemotoren-Sparte Danfoss Bauer eigentlich?


Simon: Nachdem sich der Danfoss-Konzern vor gut einem Jahr auf sechs Kernbereiche fokussiert hatte, betrachtete er Danfoss Bauer nicht mehr als sein Kerngeschäft. Er suchte daher nach einem Käufer, in dessen Produktportfolio Danfoss Bauer besser passt und der die Sparte folglich nachhaltiger und effektiver zur weiterem Marktwachstum führen kann.

Danfoss hatte das damalige Familienunternehmen Bauer 1999 erworben, um das eigene Frequenzumrichter-Geschäft mit den Bauer-Getriebemotoren zu unterstützen. Diese Strategie brachte aber nicht ganz den Erfolg, den man sich gewünscht hatte, so dass Danfoss ab 2002 die Getriebemotoren als separaten Bereich weiterführte - mit mehr Erfolg, wie sich gezeigt hat.

Was hat die Altra Holdings aus der Sicht des Danfoss-Konzerns als Käufer von Danfoss Bauer besonders qualifiziert?

Simon: Für Altra sprach, dass es sich dabei um ein Industrieunternehmen und nicht um einen Finanzinvestor handelt. Als strategischer industrieller Investor hat Altra eine große Erfahrung darin, Marken zu übernehmen und dann weltweit erfolgreich zu entwickeln. Generell ist Altra ebenso wie wir eher in der Elektromechanik als in der Elektronik tätig. Das von den diversen Marken des Altra-Konzerns angebotene Sortiment von Produkten zur elektromechanischen Kraftübertragung ist wie unsere Produktpalette qualitativ hochwertig; es handelt sich also nicht um Low-Cost-Produkte. Alle Altra-Marken haben eine über 50-jährige Geschichte; einige davon bestehen sogar seit mehr als 100 Jahren.
 

Inwiefern profitieren Altra und Bauer von der Transaktion?

Jens Gabel: Danfoss Bauer hat ein gutes Produktprogramm, aber der Aktionsradius des Unternehmens beschränkt sich derzeit noch zu sehr auf Westeuropa. Wir haben in Russland große Erfolge erzielt und wollen jetzt mit Altras Unterstützung in Osteuropa und Asien sowie in Nord- und Südamerika expandieren. Bei Altra verhält es sich anders herum: Altra erzielt mit seinen Marken 70 Prozent des Umsatzes in den USA und nur 30 Prozent außerhalb. Indem Danfoss Bauer stark in Europa präsent ist, kann das Unternehmen den europäischen Markt für alle Altra-Produkte öffnen.

Ein sinnvoller Schritt wären gemeinsame Aktivitäten in den asiatischen Märkten. Wir könnten beispielsweise Altras Fertigung in China nutzen, um in Südostasien zu expandieren. Insgesamt hat Altra mehr als 20 Fabriken weltweit - das ist eine Basis, auf die wir mit Blick auf die jeweiligen lokalen Märkte zurückgreifen könnten.

Bedeutet dies, dass die Tätigkeiten von Bauer irgendwann in andere Altra-Geschäfte integriert werden?

Simon: Nein, das ist nicht geplant. Es wird keine Integration unseres Geschäfts in andere Altra-Geschäfte geben. Charakteristisch für die Marken von Altra ist, dass sie in erster Linie autonom handeln. Langfristig wird zwar versucht, Synergien zu nutzen, aber die bestehenden Vertriebsstrukturen bleiben jeweils erhalten. Kooperation zwischen einzelnen Marken des Altra-Konzerns findet dann statt, wenn sie für unsere Kunden einen Vorteil bringt. Unser Fokus ist dabei weniger die Automatisierung als vielmehr die Ergänzung der Elektromechanik bis zur Motorwelle. Unser Fokus liegt auf Komponenten und Applikationslösungen, die mechanisch leicht in Maschinen zu integrieren sind.

Welche Standortstrategie wird Bauer in absehbarer Zukunft verfolgen?

Gabel: An unserem Stammsitz in Esslingen am Neckar fertigen wir die größeren Getriebemotoren ab 2,2 kW Leistung. Die kleineren Getriebemotoren und die Wicklungen entstehen an unserem Standort Zlaté Moravce in der Slowakei. In China planen wir gerade, ein Montage-Center aufzubauen. Unser Ziel ist es, ab dem zweiten Halbjahr 2011 Getriebemotoren für den regionalen Markt zu liefern. Das Montage-Center deckt den schnellen Bedarf der Kunden ab - die Teile liegen auf Lager und werden kurzfristig zu Getriebemotoren zusammengebaut. Unsere Kunden in Europa können wir mit großer Flexibilität von den Fabriken in Esslingen und Zlaté Moravce beliefern.

Welche Lieferzeiten werden heutzutage bei Getriebemotoren erwartet?

Gabel: Die Kunden wollen Getriebemotoren aller Art innerhalb von zwei Wochen geliefert bekommen. Von unseren europäischen Werken aus funktioniert das für Europa sehr gut. Außerhalb von Europa, etwa in China, muss die Lieferung von unseren Montagewerken aus erfolgen, weil derart kurze Lieferzeiten sonst nicht erreichbar wären.

Hängen die Planungen für das Montage-Center in China mit dem Kauf von Bauer durch Altra zusammen?

Gabel: Nein, sie wurden vorher initiiert. In Indien sind wir über einen Kooperationspartner mit einem Montage-Center für den lokalen Markt vertreten, und für Brasilien und Russland evaluieren wir momentan weitere Standorte.

Könnte der Aufbau von Montage-Centern auf den Überseemärkten zu Produktionsverlagerungen führen?

Simon: Nein, das ist momentan nicht unser Ziel. Zu Produktionsverlagerungen von Esslingen oder Zlaté Moravce nach China oder anderswohin wird es dadurch nicht kommen. Wir wollen die Produktion nicht verlagern, sondern überall auf der Welt mehr Umsatz erzielen. Die Überseemärkte lassen sich aber nur aus lokaler Produktion sinnvoll bedienen, und zwar nicht nur, um Lieferzeiten einhalten zu können, sondern auch, um die Kundenwünsche auf den jeweiligen Märkten besser erfüllen zu können.
Wenn wir in China erfolgreich sind, können wir auch erfolgreich aus Esslingen oder der Slowakei Produkte liefern. Wir verfolgen also das Ziel, dort Arbeitsplätze zu schaffen und nicht abzubauen. Wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise, die uns im Geschäftsjahr 2009 einen Umsatzrückgang von etwa 30 Prozent bescherte, mussten wir die Mitarbeiterzahl reduzieren. Im Jahr 2010 ist der Umsatz aber wieder auf 73,4 Mio. Euro gewachsen, so dass wir in der Fertigung Mitarbeiter eingestellt und befristete Arbeitsverträge in unbefristete umgewandelt haben.