Micronas Clevere Hall-Sensoren plus Smart-Aktuator-Systeme für Motoren

Matthias Bopp, Micronas: »Wir sind ein kleiner Halbleiterhersteller, der eine Nischenstrategie verfolgt. Weil unsere Hauptmärkte, Hall-Sensoren für Autos und künftig embedded Controller überdurchschnittlich zulegen, sehe ich gute Chancen für profitables Wachstum.«
Matthias Bopp, Micronas: »Wir sind ein kleiner Halbleiterhersteller, der eine Nischenstrategie verfolgt. Weil unsere Hauptmärkte, Hall-Sensoren für Autos und künftig embedded Controller überdurchschnittlich zulegen, sehe ich gute Chancen für profitables Wachstum.«

Das Sensorgeschäft ausbauen, den Industriemarkt erschließen und mit Smart-Aktuator-Systemen auf Basis von embedded Controllern in einen neuen Markt vordringen: Diese Ziele hat sich Matthias Bopp, CEO von Micronas, gesetzt, wie er im Interview mit Markt & Technik erläutert.

Markt&Technik: Der Umsatz von Micronas entwickelte sich über die vergangenen vier Jahre schwankend zwischen 150 und 170 Millionen CHF. Der große Durchbruch in Richtung Wachstum blieb noch aus. Woran liegt’s?

Matthias Bopp: Nachdem ich im Januar 2010 die Position des CEO von Micronas übernommen hatte, konnten wir für viele überraschend schnell in die Gewinnzone zurückkehren. Dies war der Erfolg einer von allen Mitarbeitern getragenen strikten Kostenkontrolle in Verbindung mit einer zu diesem Zeitpunkt guten Automobilkonjunktur. Bereits nach sechs Monaten konnten wir einen Break-Even im operativen Cashflow erreichen und das Unternehmen schon 2010 zurück in die Gewinnzone führen. Anfang 2011 wirkte sich die japanische Naturkatastrophe, die vor allem Fukushima getroffen hatte, stark auf Micronas aus; wir generieren rund 50 Prozent des Umsatzes in Japan. Trotzdem blieben wir profitabel, und schon Anfang 2012 befand sich das Unternehmen wieder auf einem guten Weg, um die Zielvorgaben zu erreichen. Allerdings brach dann im 2. Halbjahr 2012 der Kurs des japanischen Yens innerhalb eines Dreivierteljahres um 30 Prozent ein, sodass der Umsatz 2013 um 6,9 Prozent auf 152 Mio. CHF gefallen ist. Jetzt befinden wir uns aber wieder gut in der Spur. Der Umsatz ist in der ersten Hälfte 2014 um 7,4 Prozent auf 81 Mio. CHF geklettert. Wir rechnen für das gesamte Jahr mit 158 Mio. CHF. Der Industriesektor – seit 2013 ausgewiesen – ist im ersten Halbjahr um 33,6 Prozent auf 5.5 Mio. CHF gewachsen und erzielt bereits einen kleinen Gewinn.

Obwohl der Kurs des Yen noch weiter gefallen ist?

Wir haben schon vor 2012 begonnen, mit unseren japanischen Kunden in Euro zu fakturieren. In diesem Jahr werden wird bereits 35 Prozent in Euro abrechnen, in zwei Jahren wollen wir bei 80 bis 90 Prozent angekommen sein. Japanische Unternehmen, die viel exportieren, haben durchaus Interesse daran, einen Teil des Geschäfts in Euro abzurechnen. Mit den Kunden, die nicht sofort auf eine Euro-Fakturierung umsteigen wollen oder können, haben wir ein Risk-Sharing-Modell entwickelt. Der immer häufigere Umstieg unserer Kunden auf neue Produkte, die aus unserer 8-Zoll-Waferfab kommen, erlaubt es uns, verstärkt in Euro zu fakturieren. Wir machen uns also von der Kursentwicklung des Yens immer unabhängiger.

Ein Teil des Umsatzrückgangs ist aber auch auf den Ausstieg aus den Dashboard-Controllern zurückzuführen. Was war der Grund?

Die Roadmap der Dashboard-Controller entwickelte sich schon vor einigen Jahren in Richtung anspruchsvoller Grafikdisplays, und hier standen wir im Wettbewerb mit großen Controller-Herstellern, die solche Produkte nicht nur für Anwendungen im Dashboard entwickeln, sondern in zahlreichen anderen Anwendungen wie mobilen Navigationsgeräten oder sogar außerhalb des Fahrzeugs vermarkten. Wir sind ein kleiner Halbleiterhersteller, der eine Nischenstrategie verfolgt. Die Dashboard-Controller passten damals wie heute nicht mehr in unsere Strategie.

Bei einem Umsatzanteil von 50 Prozent in Japan besteht sicherlich ein gewisser Bedarf, den Anteil anderer Regionen zu stärken.

Wir sind stolz, einen so großen Marktanteil in Japan erreicht zu haben. Dieser Erfolg basiert vor allem auf unserer Produktqualität und Liefertreue. Wir haben aber in der Tat schon 2010 begonnen, unsere Vertriebsaktivitäten zu verstärken und uns neu aufzustellen. In Europa haben wir bereits stark aufgeholt. Hier erzielen wir 33 Prozent des weltweiten Umsatzes und erwarten für die nächsten Jahren gerade hier noch eine deutliche Umsatzsteigerung.

Auch in Korea und China haben wir während des letzten Jahres stark in den Vertrieb investiert und zusätzliche FAEs eingestellt, um unsere Präsenz vor Ort auszubauen. In China sind wir unter den Zulieferern von Hall-Sensoren für Gaspedale bereits die Nummer 1. Insgesamt erwirtschaften wir 58 Prozent des Umsatzes in Asien, 87 Prozent davon in Japan. Auch innerhalb Japans haben wir unsere Kundenbasis verbreitert. Wir generieren zwei Drittel des japanischen Umsatzes mit unserem Hauptkunden Denso und immerhin ein Drittel mit anderen japanischen Unternehmen.

In den USA sehen wir noch Nachholbedarf. Von dort kommen heute lediglich ca. 10 Prozent unseres Umsatzes. Diesen Markt gehen wir jetzt aber verstärkt an.

Die Hall-Sensoren sind die mit Abstand wichtigste Produktgruppe für Micronas. Wie kann sich das Unternehmen in diesem Markt differenzieren?

Gerade im Bereich Automotive sind Qualität und Liefertreue sehr wichtig und somit zentrale Bestandteile unserer Firmenstrategie. Zu Recht können wir auch behaupten, dass wir uns hier einen exzellenten Stand erarbeitet haben. Ein weiterer wichtiger Differenzierungsfaktor ist unser Produktspektrum. Kein anderer Hersteller bietet eine so große Palette an Hall-Effekt-Sensoren, insbesondere für den Einsatz im Automobil. Unser Angebot umfasst Hall-Schalter, Linear-Sensoren, 3D-HAL-Sensoren und Stromsensoren. Im Bereich der Linear-Sensoren haben wir über die letzten Jahre sehr viele neue Produkte auf den Markt gebracht. Auch bei Sensoren zur mehrdimensionalen Magnetfeldmessung haben wir stark aufgeholt und sind jetzt neben Melexis der zweite Hersteller, der diese Sensoren im Automobil erfolgreich vermarktet. Hier verzeichnen wir ein starkes Wachstum. Außerdem haben wir erst kürzlich eine neue Hall-Schalter-Familie auf Basis eines neuen Technologieknotens eingeführt.