Kyland Technology Chinesischer Netzwerkspezialist gründet EMEA-Niederlassung

Frank Gudat, Kyland Technology: »Wir haben uns eine globale Wachstumsstrategie auf die Fahnen geschrieben.«
Frank Gudat, Kyland Technology: »Wir haben uns eine globale Wachstumsstrategie auf die Fahnen geschrieben.«

Der chinesische Industriekommunikations-Experte Kyland Technology will in den europäischen Markt einsteigen: In Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart hat er eine Niederlassung gegründet, die Kyland EMEA GmbH. Frank Gudat, Geschäftsführer der Niederlassung, erläutert Hintergründe, Strategie und Ziele.

Welche Strategie verfolgt Kyland Technology mit der Eröffnung der EMEA-Niederlassung in Leinfelden-Echterdingen?

Kyland gehört in Asien zu den führenden Anbietern industrieller Netzwerktechnik. Nachdem das Unternehmen Ende 2013 erfolgreich an die Börse gegangen ist – die Mehrheit der Anteile werden vom Firmengründer und leitenden Mitarbeitern gehalten –, hat es sich eine globale Wachstumsstrategie auf die Fahnen geschrieben, sprich: Europa und Amerika fest ins Visier genommen. Beide Regionen sind bisher vorwiegend direkt aus China betreut worden. Mit der Gründung der EMEA-Niederlassung können wir unseren Kunden in Europa jetzt einen umfassenden Service bieten. Dieses Konzept werden wir übrigens in Kürze auch auf den amerikanischen Markt übertragen.

Welche Hauptzielbranchen hat Kyland Technology im Blick?

Kyland fokussiert sich vor allem auf den Energiesektor, das heißt Stromerzeugung, Stromübertragung und Stromverteilung sowie erneuerbare Energien. Weitere Schwerpunkte bilden das Transportwesen, die Videoüberwachung sowie die Fabrik- und Gebäudeautomatisierung.

Welche Anwendungen für die Geräte von Kyland Technology gibt es im Energiesektor?

Wir bieten Betreibern von Stromnetzen alles, was für eine State-of-the-Art-Datenkommunikation via Ethernet erforderlich ist, aus einer Hand. Dazu gehören auch Lösungen, mit denen das Zeitsynchronisationsprotokoll IEEE 1588 auf ältere Standards wie PPS oder IRIG-B konvertiert werden kann. Außerdem lassen sich mit unseren Geräten ältere Anlagen, die ausschließlich über serielle Schnittstellen wie RS-232 oder RS-485 vernetzt sind, nahtlos in Ethernet-Netze integrieren. Mit anderen Worten: Die Stromnetzbetreiber können ihre Datenkommunikation nach und nach auf zukunftsorientierte Standards wie IEC 61850 umstellen und während dieser Zeit alte und neue Anlagen gemeinsam administrieren, was hilft, Investitionskosten einzusparen.

Will sich Kyland Technology EMEA spezielle Branchenkompetenz erarbeiten oder sind die Produkte und Dienstleistungen von Kyland Technology branchenuniversell?

Das ist unterschiedlich. Manche Produkte sind für bestimmte Branchen wie etwa den Energiesektor entwickelt. Das Gros lässt sich jedoch universell verwenden. Wenn für Applikationen spezielle Zulassungen erforderlich sind, etwa für den Einsatz in explosionsgefährdeten Umgebungen oder auf Schiffen, können wir die Produkte entsprechend zertifizieren lassen, was aufgrund ihrer Konstruktion keine große Hürde ist. Künftig werden wir dies von vornherein verstärkt tun. So wird die neue »Opal«-Serie, die demnächst auf den Markt kommt, auch Switches umfassen, die für die Explosionsschutzzone 2 zertifiziert sind. Denn durch solche Zulassungen können wir weitere Branchen erschließen.

Für welche Industrial-Ethernet-Standards eignen sich die Geräte von Kyland Technology? Gibt es auch Versionen, die auf Safety-Anwendungen vorbereitet sind?

Weil unsere Geräte auf den Netzebenen 1, 2 und 3 eingesetzt werden, sind sie protokolltransparent. Das heißt, sie funktionieren mit allen Standards auf Ethernet-Basis, also auch mit Profinet, EtherNet/IP oder EtherCAT. Mit speziellen Modulen, die wir derzeit allerdings noch nicht im Programm haben, ließen sich unsere Geräte auch in die Managementebene dieser Automatisierungssysteme einbinden und würden von ihnen dann automatisch erkannt. Für ausgesprochene Safety-Anwendungen, bei denen es um Schutz von Leib und Leben geht, haben wir keine Produkte. Aber das Thema Cyber Security, also Datensicherheit, bekommt einen immer höheren Stellenwert. Zurzeit entwickeln wir sowohl Security-Mechanismen, die direkt in unsere Switches integriert werden, als auch Stand-alone-Firewalls, die einen sehr hohen Datendurchsatz bewerkstelligen können.