Digitalisierung auf der Schiene Bosch und SBB Cargo arbeiten am vernetzten Güterzug

Mit dem neuen System zur Zustandsüberwachung wird ein Güterzug zum digitalisierten und intelligenten Transportmittel. Neue Funktionen wie eine exakte Lokalisierung der Waggons, Informationen über die Transportbedingungen der Ladung, das Erkennen von Erschütterungen beim Rangieren und das Aufzeichnen der gefahrenen Kilometer eines Waggons für eine kilometerabhängige und zustandsbasierte Wartung können nun realisiert werden. Bild: Bosch

Intelligente Züge könnten den Güterverkehr und die Logistik revolutionieren.

Gemeinsam mit der Schweizer Güterbahn SBB Cargo will Bosch Engineering die Logistik auf der Schiene zu einem vernetzten Transportsystem ausbauen.

Beide Unternehmen haben zu diesem Zweck eine Kooperation zur gemeinsamen Entwicklung eines Asset-Intelligence-Systems für den Schienengüterverkehr vereinbart. Dabei senden die Güterwagen der SBB Cargo Informationen über Fracht und Position an eine Leitstelle. Damit kann das Unternehmen Waren schneller ans Ziel bringen und seine Kunden besser informieren.

In der Kooperation treffen zwei starke Partner aufeinander: SBB Cargo ist führend im Schweizer Güterverkehr. Bosch Engineering bündelt als Entwicklungsdienstleister alle bahnspezifischen Anwendungen innerhalb des Unternehmensbereichs Mobility Solutions. »Wir nutzen Bosch-Automobiltechnik, um Züge zu vernetzen, und eröffnen somit neue Möglichkeiten, den Güterverkehr auf der Schiene zum Teil der Digitalisierung zu machen«, sagt Bosch-Engineering-Geschäftsführer Bernhard Bihr. »Der Schienengüterverkehr muss jetzt einen großen Schritt vorwärts machen, um zukunftsfähig zu werden. Das können wir nur mit Innovation erreichen – und zwar solchen, die wir in Zusammenarbeit mit anderen Branchen für die Schiene adaptieren«, erläutert Nicolas Perrin, CEO von SBB Cargo.

Um einen Güterzug zum vernetzten Transportmittel zu machen, wird er mit Sensoren ausgestattet, die Informationen über seine Position und über den Zustand von Ladung und Wagen sammeln, wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Erschütterungen. Eine Vernetzungs-Hardware sendet die Daten per Mobilfunk an einen Server und stellt sie dem Bahnbetreiber online zur Verfügung. Damit kann der jederzeit nachvollziehen, wo sich Waggons und Waren befinden. Transporte werden so schneller und effizienter organisiert, Logistikprozesse optimiert und Transportkosten gesenkt. Eine vorausschauende Zustandsüberwachung informiert über Verschleiß von Komponenten, um anstehende Reparaturen bedarfsgerecht und frühzeitig zu planen. Das reduziert Ausfallzeiten, schont Ressourcen und spart Kosten. Durch Geofencing-Funktionen und einen Einbruchsalarm erhöhen die neuen Funktionen zudem die Sicherheit der transportierten Güter.

Innovative Automobiltechnik und Bahn-Expertise

Für Bosch Engineering und SBB Cargo bedeutet die vereinbarte Kooperation für ein umfassendes Asset-Intelligence-System im Schienengüterverkehr eine Ausweitung ihrer bestehenden erfolgreichen Zusammenarbeit. Bereits seit Februar 2015 ist eine erste SBB-Cargo-Testflotte mit einem vernetzten Zustandsüberwachungs-System auf dem schweizerischen Bahnnetz unterwegs. Erste Funktionen werden getestet und weiterentwickelt. Die Vernetzungstechnik aus der automobilen Großserie hat Bosch Engineering speziell an das neue Einsatzgebiet angepasst. Sie soll weiterentwickelt werden, um neue Funktionen umzusetzen. SBB Cargo bringt zudem ihre Erfahrungen mit Erprobungen und Bahn-Standards in die Kooperation ein.

Die Bosch Engineering GmbH ist eine 100-prozentige Tochter der Robert Bosch GmbH mit Hauptsitz in Abstatt bei Heilbronn. Als Systementwicklungspartner der Automobilindustrie bietet das Unternehmen seit 1999 Entwicklungsdienstleistungen für den Antriebsstrang sowie Sicherheits-, Komfort- und E/E-Systeme vom Konzept bis zur Serie. Mit den Vorteilen erprobter Großserientechnik von Bosch entwickelt der Elektronik- und Softwarespezialist maßgeschneiderte Lösungen für vielfältige Einsatzgebiete von Personenkraftwagen über Nutzfahrzeuge und Off-Highway-Anwendungen bis hin zu Schienen- und Freizeitfahrzeugen, Schiffen und industriellen Applikationen.