Fraunhofer IOSB »Automatisierung« als neues Geschäftsfeld

Das Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB) in Karlsruhe bündelt seine Kompetenzen in der Leit- und Automatisierungstechnik in dem neuen Geschäftsfeld »Automatisierung«.

Die Umstrukturierung zielt darauf ab, industrielle Kunden und öffentliche Auftraggeber aus einer Hand bedienen zu können. Als eine seiner Hauptaufgaben betrachtet es das IOSB, zur Steigerung der Effektivität in der Produktion beizutragen. Seine Forschungs- und Entwicklungstätigkeit richtet das Institut daher künftig vor allem an folgenden fünf Aspekten aus:

1. Wandlungsfähigkeit: Die mechanische Wandlungsfähigkeit von Produktionssystemen ist laut IOSB weitgehend gelöst - im Gegensatz zur IT-bezogenen Fähigkeit, sich automatisch auf Änderungen in der Produktion einzustellen. Das Institut entwickelt daher Techniken, um Wandlungsfähigkeit in allen produktionsnahen Software-Komponenten durchgängig in einer Fabrik zu ermöglichen.

2. Erschließung von »Datengräbern«: Heterogene Datenbestände existieren in Produktionsunternehmen zuhauf, allerdings dem IOSB zufolge meist ohne Verknüpfung; sie werden oft nur kurzfristig genutzt und sind somit totes Kapital. Das Institut entwirft darum Software-Werkzeuge, mit denen sich diese Datenbestände erschließen und interpretieren lassen. Ziel ist es, komplexe Produktionsvorgänge online zu überwachen und den Anlagenbediener bei seinen Entscheidungen verlässlich zu unterstützen.

3. Leit- und MES-Systeme sind die Drehscheiben für alle Informationen in der Fabrik. Das IOSB entwickelt kundenindividuelle Lösungen mit Standard-Schnittstellen zur Automatisierungs- und ERP-Ebene. Ziel ist ein reibungsloses »plug & work« neuer oder veränderter Anlagenkomponenten.

4. Vertikale Integration und semantische Interoperabilität: Der Marktdruck erzwingt laut IOSB ständige Investitionen in die Hardware. Mangelnde software-technische Schnittstellen bremsen aber die hardware-seitigen Upgrades in der Praxis oft aus. Die IT-Architektur in produzierenden Unternehmen ist folglich meist heterogen, historisch gewachsen und darum nicht integriert. Das IOSB entwickelt daher Interoperabilitäts-Lösungen, die die Voraussetzung schaffen, dass die beteiligten IT-Systeme über alle Ebenen der Fabrik durchgängig miteinander kommunizieren können.

5. Systemtechnik für die Automatisierung: Das IOSB versteht Automatisierung als Produkt, d. h. es entwickelt neue Automatisierungs- und Firmware-Lösungen.

Auf Basis des neuen, gebündelten Leistungsspektrums will das IOSB zukunftsweisende Lösungen für produzierende Unternehmen aus Fertigungs- und Prozessindustrie sowie für Systemintegratoren und Automatisierungstechnik-Anbieter bereitstellen. Nach der Umstrukturierung wird sich das IOSB vornehmlich auf die fünf Geschäftsfelder Automatisierung, Energie und Umwelt, Inspektion und Sichtprüfung, Verteidigung sowie zivile Sicherheit konzentrieren.