Bosch Sensortec setzt auf IoT und Industrie 4.0 Auf das Zusammenspiel der Sensoren kommt es an!

Dr. Stefan Finkbeiner, Bosch Sensortec: Die Sensoren schaffen einen ganz neuen Markt für Controller, wir arbeiten bereits eng mit verschiedenen Herstellern zusammen.

Bisher trieben die Smartphones die Entwicklung von Sensoren. Jetzt kommen neue Anwendungen hinzu: Wearables, IoT, Industrie 4.0. Dr. Stefan Finkbeiner, CEO von Bosch Sensortec erklärt im Interview mit Markt & Technik, mit welcher Strategie sein Unternehmen die neuen Märkte angeht, warum die Software immer wichtiger wird und ein ganz neuer Markt für Controller entsteht.

Markt & Technik: Der Markt für Smart-Phones ist der Treiber für die Sensorentwicklung. Ist es da sinnvoll, für andere Marktsegemente zu entwickeln?

Dr. Stefan Finkbeiner: Auf absehbare Zeit werden die Handys den Markt für Sensoren dominieren. So haben wir jetzt bereits 400 Millionen Drucksensoren  ausgeliefert. Sie finden in Smartphones Einsatz, um festzustellen, in welchem Stockwerk sich das Smartphone befindet und spielen damit in der Indoor-Navigation eine wichtige Rolle. Doch Anwendungen im Internet of Things und Industrie 4.0 werden immer wichtiger, deshalb beschäftigen wir uns sehr stark mit den Entwicklungen in den Sektoren Wearables, Smart Production, Smart Transport und Smart Logistics.

Sehen die Anforderungen für Sensoren in Smart Phones und Sensoren für IoT und Industrie 4.0 ähnlich aus?

Es gibt Ähnlichkeiten. So sind für beide Sektoren die wesentlichen Treiber Integration, Miniaturisierung und eine möglichst geringe Stromaufnahme. Was heute möglich ist zeigt unser Drei-Achsen-Beschleunigungs- und Drei-Achsen-Drehraten-Sensor, der im aktiven Zustand einen Strom von unter 1 mA aufnimmt. Das ist um den Faktor 3 bis 5 besser als das was bisher Stand der Technik war. »Always« on ist damit in der Realität möglich.

Das führt dazu, dass auf Systemebene Energie gespart werden kann, etwa weil der Beschleunigungssensor feststellt, dass das Gerät auf dem Tisch liegt, der Drehratensensor also abgeschaltet werden kann. Oder die Sensoren stellen fest, dass das Handy wohl in einer Handtasche liegt, die Antennenleistung also herunter gefahren werden kann. Kontext-Awareness ist hier das Stichwort.

Die Fortschritte werden sich also künftig vor allem im Zusammenspiel der Sensoren ergeben?

Ja, denn das Zusammenspiel der Sensoren trägt entscheidend dazu bei, die Energieeffizienz der Geräte zu steigern. Was ebenfalls sehr wichtig ist: Damit kann auch die Messgenauigkeit und die Zuverlässigkeit der Sensorsignale deutlich verbessert werden.

Warum muss es noch genauer sein?

Das ist für künftige Gerätegenerationen sehr wichtig, denn der Anwender ist mit seinem Handy oder seinem Fitnessarmband nur zufrieden, wenn er zum richtigen Zeitpunkt genaue und für ihn plausible Daten geliefert bekommt. Wenn er feststellt, dass die auf dem Gerät angezeigte zurückgelegte Strecke der Realität nicht entspricht, was heute durchaus vorkommt, dann leidet seine Begeisterung für diese Geräte. Doch über das Zusammenspiel verschiedener Sensoren können die Genauigkeiten der Messergebnisse erhöht werden oder auch die Messzeiten reduziert werden, was für viele Anwendungen ebenfalls sehr wichtig ist.

Also muss die Genauigkeit der einzelnen Sensoren verbessert werden?

Da steckt auch noch Potenzial drin, doch die wesentliche Rolle kommt dabei der Software zu, die eine immer wichtigere Rolle gegenüber der eigentlichen Sensoren einnimmt. Hat die Softwareentwicklung für uns in der Vergangenheit nur eine geringen Aufwand bedeutet, so repräsentiert sie heute häufig schon 20 bis 30 Prozent. Sie bringt die lokale Intelligenz in die Geräte.

Können Sie ein Beispiel geben?

Der Magnetsensor stellt beispielsweise fest, dass ich das Magnetfeld um 90 Grad gedreht hat, Wenn nun die Beschleunigungs- und Drehratensensoren keine Veränderungen ermittelt haben, dann liegt der Verdacht nahe, dass sich nicht das Handy gedreht hat, sondern dass der Nutzer beispielsweise an einer Stahltreppe vorbei gegangen ist. In der Software liegt also ein großer Mehrwert für uns, denn sie steigert die Zuverlässigkeit der Aussagen, die aus den Sensordaten abgeleitet werden. Und wir wollen als ein Hersteller gelten, der absolut zuverlässige Sensoren bietet.