Safety Network International (SNI) 15 Jahre Safety im Bus

Safety Network International e.V. (SNI), die Nutzerorganisation für die sicheren Bussysteme SafetyBUS p und SafetyNET p, ist vor kurzem 15 geworden - Grund genug, einerseits Bilanz zu ziehen und andererseits nach vorne zu schauen. Jochen Streib, Chairman von SNI, übernimmt diesen Part und erläutert zudem einige Merkmale der beiden Standards und der dahinter stehenden Technik.

Markt&Technik: Vor 15 Jahren, am 23. März 1999, wurde SNI gegründet. Was war der Anlass dazu?

Jochen Streib: Der Anlass war die erfolgreiche Markteinführung von SafetyBUS p als erstem sicherem Feldbussystem bis Kategorie 4 nach der alten Norm EN 954-1, was vergleichbar zum heutigen Performance Level PL e der Norm EN ISO 13849-1 und zum Safety Integrity Level SIL 3 der Norm EN/IEC 62061 ist. Nicht nur ein Standard-Feldbussystem, sondern auch ein sicheres erfordert möglichst viele Unterstützer, was zur Gründung des SafetyBUS p Club International e.V. führte. Im Jahr 2006 wurde das ebenfalls bis PL e und SIL 3 sichere Echtzeit-Ethernet-System SafetyNET p vorgestellt und der Verein in SNI umbenannt. Seit 2010 ist SafetyNET p ein internationaler Standard innerhalb der Normen IEC 61158 und IEC 61784-2.

Wichtig war der Organisation neben den Systemen und der Technik von Anfang an, das Verständnis für die Safety, also die funktionale Sicherheit, in den Markt hineinzutragen. Als Mittel dazu dienten damals wie heute die Normierungsarbeit, Veranstaltungen und regelmäßige Treffen der Mitglieder zum Erfahrungsaustausch. Schon bald hat sich die Organisation auch internationalisiert: In allen großen Wirtschaftsregionen der Welt ist SNI vertreten. In den USA besteht ein Ansprechpartner für den amerikanischen Markt, in Japan für den asiatischen, der in Zukunft immer wichtiger wird.


Welche Mitgliederstruktur hat SNI nach 15-jährigem Bestehen?

Aktuell hat SNI knapp 70 Mitglieder, von denen viele in Arbeitsgruppen aktiv sind. Das Spektrum ist bunt gemischt: Gerätehersteller, Systemintegratoren und Anwender sind ebenso mit dabei wie Implementierungs-Dienstleister und Hochschulen.


Der auf Safety spezialisierte Automatisierungstechnik-Hersteller Pilz ist der Erfinder sowohl von SafetyBUS p als auch von SafetyNET p. Liegen die Rechte an der Technik noch bei Pilz oder liegen sie bei SNI?

Sie liegen nominell bei Pilz, was aber für Gerätehersteller und Anwender keinerlei Einschränkungen bringt. Wer SafetyNET p oder SafetyBUS p in seinen Produkten integrieren will, muss nur Mitglied von SNI werden. Dadurch stehen die Standards jedem Beteiligungswilligen offen.


Aktuell geht der Trend eindeutig vom klassischen Feldbus in Richtung Ethernet. Wie hoch ist der Anteil von SafetyBUS p heute noch?

Am Markt, also im Sinne von verkauften Komponenten, ist der Anteil von SafetyBUS p immer noch etwas größer als der von SafetyNET p. Seit etwa zwei Jahren geht die Reise aber ganz klar in Richtung Ethernet. Neue Projekte werden inzwischen meist mit Ethernet geplant. Branchenüblich wird aber normalerweise nur investiert, wenn eine neue Maschinengeneration entsteht oder wenn es sich absehbar rechnet.