Garz & Fricke Am Anfang stand eine Alarmanlage für Zigarettenautomaten

Manfred Garz, Garz & Fricke: »Seit kurzem sind wir neben unseren bestehenden Märkten über Vertriebspartner auch in Dänemark und den USA aktiv. Wir wollen unsere Internationalisierung noch weiter vorantreiben und sind auf der Suche nach Partnern in Großbritannien und Skandinavien.«
Manfred Garz, Garz & Fricke: »Seit kurzem sind wir neben unseren bestehenden Märkten über Vertriebspartner auch in Dänemark und den USA aktiv. Wir wollen unsere Internationalisierung noch weiter vorantreiben und sind auf der Suche nach Partnern in Großbritannien und Skandinavien.«

Große Wertschöpfung durch eigene Entwicklung und Fertigung unter einem Dach, Produktion ausschließlich in Deutschland – dieser Maxime folgend hat sich Garz & Fricke speziell in den Jahren nach der Wirtschaftskrise 2008 zügig entwickelt und seinen Umsatz seither verdreifacht.

Es gibt sicherlich unerfreulichere Seiten des Erfolgs, als sich regelmäßig darüber Gedanken zu machen, wie man dem Wachstum der Firma mit baulichen Erweiterungen oder Neubauten Rechnung trägt. Im Fall Garz & Fricke stehen die Gründer drei Jahre nach dem Ausbau des Firmenareals auf 2600 m2 nun jedoch vor einer grundsätzlichen Entscheidung. »Wir müssen uns darüber klar werden, ob wir die kleine Lösung hier vor Ort im HIT-Technologiepark, in Hamburg Harburg, wollen«, schildert Managing Director Manfred Garz das Problem, »oder ob wir uns für einen Neuanfang auf der grünen Wiese entscheiden«.

Im Fall der kleinen Lösung, die beispielsweise die teilweise Überbauung der Parkplätze beinhalten würde, bliebe das Unternehmen Mieter am heutigen Standort. Die große Lösung hätte einen Ortswechsel zur Folge und würde für Garz & Fricke ein Invest von 6 Mio. Euro bedeuten. Im Fall der kleinen Lösung würde der Vermieter mit dem Bau schon im nächsten Jahr beginnen. Entscheiden sich Garz und sein Gründerkollege Matthias Fricke für die große Lösung, erfolgte der erste Spatenstich erst 2016.

Am Anfang stand eine Alarmanlage für Zigarettenautomaten

Garz stammt aus Hamburg, Fricke kommt aus dem Harz, getroffen haben sich die beiden während des Studiums der Elektrotechnik in Braunschweig. Noch während des Studiums entschließen sie sich zur Gründung einer Firma. »Ein Bekannter, dessen Familie mit Zigarettenautomaten zu tun hatte, brachte uns dann auf die Idee für unser erstes Produkt«, erinnert sich Garz schmunzelnd: eine Alarmanlage für Zigarettenautomaten. Bereits 1993 übersiedelt das junge Unternehmen nach Hamburg und nimmt die Produktion auf. Dem Thema Zigarettenautomaten sind Garz und Fricke bis heute als unabhängiger Hersteller von Zigarettenautomaten-Steuerungen treu geblieben. Größter Erfolg in diesem Bereich ist das Modul KarL2, das bargeldloses Bezahlen mit der GeldKarte erlaubt und über 100.000 Mal verkauft wurde. Der Nachfolger KarL3 wurde erst vor kurzem vorgestellt und erlaubt zusätzlich auch kontaktloses Bezahlen mit Girogo.

Als zweite Business Unit, neben dem bereits 1992 gegründeten Vending & Telemetrie, entstand 1997 der Bereich Electronic Manufacturing Service. Ausgehend von einer Siemens SMD-Bestückungslinie, die 2008 auf Juki umgestellt und 2010 um eine zweite Juki-Linie ergänzt wurde, bietet Garz & Fricke das komplette EMS-Spektrum von Einkauf und Logistik, über Entwicklung und BOM-Optimierung, SMT- und THT-Bestückung, Lackierung und Verguss, bis zu Inspektion und Test, Montage und After-Sales-Service an. Aktuell liegt die jährliche Gesamtbestückungskapazität bei über 300.000 Baugruppen.

Jüngste Business Unit ist der 1998 gegründete Bereich »Embedded Systems«. Hier ist Garz & Fricke als OEM Anbieter für Single-Board-Computer und HMI-Serien mit Touch-Display aktiv. Von Beginn an setzte man dabei auf Alternativen zur x86-Architektur. »Wir haben mit RISC-Architekturen wie SH3 und SH4 begonnen«, blickt Garz zurück, »ab 2004/05 sind wir dann komplett auf ARM-Lösungen umgestiegen«. Technologiepartnerschaften bestehen in diesem Bereich mit Microsoft Windows Embedded (Silber Partner), das im Februar dieses Jahres in das Windows Partner Network überführt wurde, und seit 2007 mit Freescale. Dort fungiert Garz & Fricke seit 2013 als Proven Partner.

Embedded-Systeme bietet das Unternehmen in Open-Frame-Ausführungen als SBC mit Touch-Display, Edelstahlabdeckung und Montageplatte, als SBC ohne Display (Core), als Boxed-Version in Form einer Komplettlösung mit Gehäuse und Frontblende oder als Senso-Glass Ausführung mit 3,5 mm gehärtetem Cover Glass an. Hard- und Softwareentwicklung erfolgen im Haus, alle Geräte werden ready-to-run mit vorinstalliertem Betriebssystem (Linux, Windows CE oder Android) ausgeliefert. Das Spektrum der verwendeten Displays reicht von 4,3 bis 10,4 Zoll, wobei der Sweetspot, wie Garz erläutert, bei 7 Zoll liegt. Im Zusammenspiel mit einem Cortex A9 lassen sich HD-Auflösungen realisieren. Den Einsatz von OLEDs lehnt Garz zu diesem Zeitpunkt noch ab, »bisher können wir unseren Kunden in diesem Punkt keine Langzeitverfügbarkeit dieser Displays garantieren«.

Breites Angebot an Standardkomponenten und kundenspezifischen Lösungen

Ihre Kunden finden Garz & Fricke vor allem in fünf Branchen: Gastronomie und Großküchentechnik, Verkaufs- und Spielautomaten, Laborgeräte, Mess- und Regeltechnik sowie Industrieautomation. Zwar umfasst der Standardkomponentenkatalog des Unternehmens über 70 Seiten, doch der deutlich größere Anteil, inzwischen bereits 60 Prozent, entfällt auf kundenspezifische Lösungen, die auf dem Standardmodulprogramm basieren. Mit 95 Mitarbeitern, von denen 16 als Entwickler tätig sind und 44 in der Produktion, erzielte das Unternehmen im letzten Geschäftsjahr einen Umsatz von 19,3 Mio. Euro. Für dieses Jahr, so Garz, hat man sich ein Ziel von 21 Mio. Euro gesetzt. Gelingt dies, hätte sich der Umsatz seit 2008 dann verdreifacht.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz vertreibt das Unternehmen seine Produkte direkt, wobei zur besseren Abdeckung des süddeutschen Raums im Mai dieses Jahres im Großraum Wiesbaden/Frankfurt ein Vertriebsbüro und Showroom hinzugekommen ist. Über Distributoren bedient Garz & Fricke Kunden in den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Spanien, Portugal und Frankreich. Erst vor kurzem hinzugesellt haben sich Dänemark und die USA. Wie Garz andeutet, wird demnächst neben Großbritannien noch Skandinavien hinzukommen, »derzeit sind wir dort noch auf der Suche nach dem passenden Partner«.

Ungeachtet der erfolgreichen Entwicklung ihres eigenen Unternehmens widmen Garz & Fricke ihre unternehmerische Leidenschaft, die sie vor 22 Jahren zu Gründern machte, auch noch anderen Firmen in Hamburg. So beteiligten sie sich von 1996 bis 2006 an der Ingenieurgesellschaft Linksrechts. Seit 2005 sind sie zudem an der Trinamic Motion Control beteiligt, seit 2010 gilt das auch für das Treo Labor für Umweltsimulation. Im Jahr 2012 schließlich ergab sich eine Beteiligung an Simplexion, einem Spezialisten für Projektmanagement.