Manipulierte Sicherheit

Manipulationen an Schutzeinrichtungen von Maschinen sind an der Tagesordnung. Einer Studie zufolge sind die Maschinen und Anlagen bei über einem Drittel deutscher Unternehmen manipuliert.

Manipulationen an Schutzeinrichtungen von Maschinen sind an der Tagesordnung. Einer Studie zufolge sind die Maschinen und Anlagen bei über einem Drittel deutscher Unternehmen manipuliert.

INHALT:
Zeitgewinn als Beweggrund
Sanktionen bleiben aus
Manipulation ist „rational“
Konsequenzen für Konstrukteure
Netzwerk für die Maschinensicherheit
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Der Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften (HVBG) hat im ersten Halbjahr 2006 mit rund 400 000 Unfällen einen Zuwachs von rund 0,9 % registriert; die tödlichen Arbeitsunfälle – insgesamt 277 – nahmen sogar um 8,2 % zu. Damit ist der in den letzten Jahren festgestellte Abwärtstrend der Unfallzahlen gestoppt. Als Grund für diese Trend-Umkehr vermutet der HVBG den wirtschaftlichen Aufschwung; erhöhte Produktivität hat also einen Zuwachs an Risiken zur Folge.

Den Zusammenhang von Produktivität und Sicherheit verdeutlichen die Ergebnisse einer Untersuchung, die das Berufsgenossenschaftliche Institut für Arbeitssicherheit (BGIA) in Auftrag gegeben hat. Anlass dieser Studie war die Tatsache, dass sich nur bei etwa 40 % aller Arbeitsunfälle an Maschinen und Anlagen Defekte beziehungsweise Ursachen an den Maschinen finden lassen. Bei 41 % bleibt die Ursache zunächst im Dunkeln: Obwohl die Schutzeinrichtungen intakt sind, kommt es zu Unfällen, und die Experten vermuteten seit langem, dass in vielen Fällen Manipulationen dafür verantwortlich sind.

Um dieser Vermutung auf den Grund zu gehen, wurden die Sicherheitsverantwortlichen und Betriebsleiter von rund 1000 Betrieben befragt – mit erschreckendem Ergebnis: 37 % der Unternehmen gaben an, dass in ihrer Produktion Maschinen ständig oder vorübergehend manipuliert sind. Etwa die Hälfte dieser Eingriffe wird als unfallträchtig angesehen.

Zeitgewinn als Beweggrund

„Im Trend“ liegt vor allem die Manipulation trennender Schutzeinrichtungen. Hierbei wird zumeist der Betätiger eines Sicherheitsschalters ausgebaut und dann dauerhaft im Schalter eingesteckt – eine Manipulationsart, die sich durch die Verwendung von Einwegschrauben einfach und wirksam unterbinden ließe. Am zweithäufigsten wird der Sicherheitsschalter durch andere Gegenstände überbrückt. In der „Hitliste“ der Manipulationsarten folgen die Demontage des Schalters und die Verwendung eines Ersatzbetätigers.

Die Studie „Manipulation von Schutzeinrichtungen an Maschinen“ enthält neben den Ergebnissen der Befragung auch Handlungsanweisungen, Praxisbeispiele und Stellungnahmen von Maschinenbauern sowie von Herstellern von Schutzeinrichtungen und Sicherheits- Schaltgeräten. Ein Download der Studie als pdf-Dokument ist unter www.hvbg.de/d/bia/ pub/rep/rep05/manipulation.html möglich.