Leistungselektronik wirbt um Ingenieure

Wie lässt sich der Ingenieurmangel im Bereich Analogtechnik und Leistungselektronik abmildern? Mit dieser Frage beschäftigte sich eine Diskussionsrunde auf der diesjährigen PCIM »Ingenieurkarriere im Umfeld von Analog/Power«.

Offene Positionen im Bereich Analogtechnik und Leistungselektronik kann Werner Obermaier, Product Marketing Manager von Tyco Electronics, oft nur nach »unzumutbar langer und aufwendiger Suche« besetzen. Zumal es bis zu fünf Jahren einschlägiger Berufserfahrung bedürfe, bis jemand »Analog« beherrsche – ergänzt Michael Köhler, Director Automotive und International Business bei Schuh-Eder Executive Consulting. Ein weiteres Problem sei die hohe Studienabbrecherquote, für die Prof. Francesco Volpe von der Fachhochschule Aschaffenburg unter anderem fehlende Mathematik- und Physik-Kenntnisse verantwortlich macht: »Nicht jeder, der mit dem Ingenieurstudium beginnt, ist auch wirklich geeignet.«

Hat der Ingenieursberuf seine Attraktivität verloren? Das befürchtet Thomas Harder, General Manager des ECPE (European Center for Power Electronics e. V.): »Nicht nur in der analogen Elektrotechnik. Bei den Maschinenbauern und im Bereich Robotik und Automatisierung gibt es die gleichen Probleme!«

Er hat dafür sogar Verständnis: »Sündenfälle in der Vergangenheit« wie zyklische Einstellungen, keine Übernahme nach Anwerbeaktionen etc. seien daran schuld. So sei einmal ein gesamter Abschlussjahrgang fast komplett in die Arbeitslosigkeit geschickt worden, was natürlich einen Memory-Effekt an der Hochschule erzeugt habe, und sich in den Folgejahrgängen weniger Studenten eingeschrieben hätten.

Solche Fehler dürfen sich nicht wiederholen, da ist sich die Runde einig. »Betriebe müssen langfristig denken und den betroffenen Studenten Sicherheit vermitteln«, so Harder. Bereits frühzeitig müsse wieder Interesse für das Berufsbild des Ingenieurs geweckt werden. »Vielleicht durch das Sponsern der angekündigten Studiengebühren?« Infineon/Eupec versuchtes mit Nachwuchs-Förderprojekten an Gymnasien und Fachober- und Realschulen. Mit Erfolg, das Interesse für eine spätere technische Laufbahn habe Umfragen zufolge deutlich zugenommen, berichtet der Personalverantwortliche Martin Figura zufrieden.

Letztendlich geht es aber nicht nur um Nachwuchsförderung. Auch bei den aktuellen Karrierepfaden eines Ingenieurs gebe es Handlungsbedarf, wie Werner Obermaier betont: »Eine Unmenge qualifizierter Ingenieure geht verloren, weil sie in Managementebenen abwandert. Unternehmen müssen viel mehr die Möglichkeiten der Fachkarriere fördern.« Leider halte sich die gesellschaftliche Akzeptanz der Fachkarriere immer noch »stark in Grenzen«.

Das sieht auch Martin Figura so und arbeitet deshalb als Personalverantwortlicher aktiv an diesem Thema: »Es muss möglich sein, auch ohne Personalverantwortung einen entsprechenden Titel zu erlangen, der technische Arbeit würdigt.« Als zusätzliche Maßnahme schlägt Personalberater Michael Köhler vor, auch die älteren Ingenieu-re bei Einstellungen zu berücksichtigen. Durch Rationalisierungen und Globalisierungseffekte sei ein Potenzial an hoch qualifizierten Fachkräften entstanden, die gerne weiterarbeiten würden, aber bei vielen Firmen aus Altersgründen kaum eine neue Chance bekämen.

Sicher sind sich alle Anwesenden der Zukunftsträchtigkeit ihres Marktes und damit des Ingenieurberufs mit analoger Ausrichtung. Denn Analogtechnik und Leistungselektronik werde nicht, – »wie fälschlicherweise über Jahre hinweg publiziert« – von der Digitaltechnik ersetzt, sondern gestalte sich »lebendiger und spannender als jemals zuvor«. Im Zeichen von globaler Energieverknappung bekäme die Analogund Leistungselektronik einen nie da gewesenen Stellenwert. So könnten etwa Klimaanlagen und Kühlschränke mit intelligenten Motorsteuerungskonzepten im Vergleich zu herkömmlichen Geräten bis zu 30 Prozent Energie sparen. Da der Standort Deutschland sowohl in der Umwelttechnologie als auch als Entwicklungsstandort weltweit immer noch führend sei, biete die Ingenieurskarriere mehr denn je die Möglichkeit für innovative und zugleich sichere Arbeitsplätze.