LEDs für die Steckdose

Leuchtdioden stehen kurz vor dem Masseneinsatz in der Beleuchtung. Bislang war neben dem Preis auch der Beschaltungsaufwand eines der wesentlichen Hemmnisse zum breiten Erfolg, denn die LEDs waren auf Gleichstrom angewiesen. Nun hat der koreanische Optoelektronik-Spezialist Seoul Semiconductor neue Wechselstrom-Leuchtdioden für Spannungen von 110 bis 220 V auf den Markt gebracht, die sich ohne externe Beschaltung direkt ans Stromnetz anschließen lassen.

Leuchtdioden stehen kurz vor dem Masseneinsatz in der Beleuchtung. Bislang war neben dem Preis auch der Beschaltungsaufwand eines der wesentlichen Hemmnisse zum breiten Erfolg, denn die LEDs waren auf Gleichstrom angewiesen. Nun hat der koreanische Optoelektronik-Spezialist Seoul Semiconductor neue Wechselstrom-Leuchtdioden für Spannungen von 110 bis 220 V auf den Markt gebracht, die sich ohne externe Beschaltung direkt ans Stromnetz anschließen lassen.

Der in der südkoreanischen Hauptstadt ansässige Optoelektronik-Hersteller Seoul Semiconductor hat unter der Bezeichnung „Acriche“ (abgeleitet von AC und rich) eine neue Halbleiter-Lichtquelle auf den Markt gebracht, die auf Beleuchtungsanwendungen abzielt. Die Leuchtdioden der Acriche-Familie lassen sich direkt an 110- bzw. 220-V-Steckdosen anschließen – ein Netzteil wird nicht benötigt. Da herkömmliche LEDs nur mit Gleichspannung arbeiten, war es bisher für Kunden unmöglich, LED-Produkte ohne Netzteil direkt an einer Steckdose zu betreiben.

Lee Jung-Hoon, CEO von Seoul Semiconductor, erklärte auf der electronica: „Jetzt, da eine Massenproduktion möglich ist, muss sich der Einsatz von LEDs nicht mehr nur auf Handys, Computer oder Autos beschränken, sondern kann auch auf die ganz normale Lichttechnik ausgedehnt werden. Da Seoul Semiconductor von umweltfreundlichen Produkten profitiert, möchten wir darüber hinaus bis zu 1 Prozent des mit Acriche getätigten Umsatzes an Umweltschutzorganisationen spenden.“

Im Wirkungsgrad übertreffen die Acriche-LEDs (www.acriche.com) mit 40 lm/W Glüh- (15 lm/W) und Halogenlampen (30 lm/W) deutlich. Den Leuchtstoffröhren sind die neuen Wechselstrom-LEDs in puncto Lebensdauer, Energiebilanz und Handhabung überlegen, nicht jedoch im Wirkungsgrad (70 lm/W). Seoul Semiconductor plant, die Lichtleistung von aktuell 40 lm/W auf 80 lm/W im Jahr 2007 und 120 lm/W im Jahr 2008 zu steigern. Bezogen auf einen Lichtstrom von 800 lm, benötigt eine Glühbirne 114 W an elektrischer Leistung, während die Wechselstrom-LEDs mit 21 W auskommen. Halogenlampen brauchen immerhin 57 W und Leuchtstoffröhren liegen mit 21 W auf dem gleichen Niveau wie Gleich- und Wechselstrom-LEDs.

Die Lebensdauer von Acriche übersteigt die anderer bekannter Lichttechnik-Produkte bei weitem. Während Acriche-LEDs 30 000 Stunden durchhalten, schaffen Glühlampen nur 1000 Stunden, Halogenlampen 3000 Stunden und Leuchtstoffröhren 8000 Stunden. Auch die Stromkosten sinken drastisch. Mit Acriche spart der Kunde im Vergleich mit Leuchtstoffröhren 80 Prozent und im Vergleich mit Glühlampen 60 Prozent.

Acriche-LEDs gibt es mit verschiedenen Lichtwellenlängen, so dass man sie für unterschiedliche Zwecke einsetzen kann: als Licht zum Lernen, warme Licht-Töne im Winter, kalte Licht-Töne im Sommer, Schlafatmosphäre bei Nacht und so weiter. Auch die Umwelt würde vom vermehrten Einsatz der neuen Wechselstrom-LEDs profitieren. Würden zum Beispiel bis zum Jahr 2010 alle Lichtquellen in Korea durch Acriche-LEDs ersetzt, so würde dies in einer Energieeinsparung von 60 Milliarden kWh – dies entspricht der von einem Atomkraftwerk erzeugten Leistung – und in einem um 6 Mio. Tonnen geringeren CO2-Ausstoß pro Jahr resultieren. Zudem verzichten die Acriche-LEDs im Gegensatz zu anderen Lichtquellen auf umweltschädliche Stoffe wie Quecksilber, Stickstoff oder Blei.

Seoul Semiconductor geht davon aus, dass LEDs bereits im Jahr 2007 Leuchtstoffröhren ablösen könnten und im Jahr 2012 schließlich alle Lichtquellen. Dementsprechend besteht die Erwartung, dass die Umsätze mit Acriche-LEDs im Jahr 2007 schon 30 Mrd., 2008 140 Mrd. und 2009 300 Mrd. koreanische Won erreichen könnten (1 Dollar entspricht etwa 1000 Won). Das in Europa weitgehend unbekannte Unternehmen wird in diesem Jahr umgerechnet etwa 185 Mio. Dollar umsetzen und zählt sich damit zu den Top-Ten der weltweiten LED-Hersteller. Seoul Semiconductor hat sich bis 2010 ehrgeizige Ziele gesteckt: einen Umsatz von 1,5 Mrd. Dollar.

Die Entwicklung von Acriche-LEDs wurde möglich, weil Seoul Semiconductor eine neue Gehäusetechnologie für den von der Seoul Optodevice entwickelten, ursprünglich mit Gleichspannung arbeitenden Halbleiterchip realisiert hat. Die Patentrechte liegen bei der Tochter Seoul Optodevice. Seoul Semiconductor plant, Acriche-LEDs zunächst an Schlüsselkunden zu verkaufen und die Lieferungen dann nächstes Jahr auf alle in der Lichttechnik engagierten Firmen auszudehnen. Derzeit bietet das Unternehmen drei Module an: Die 4-W-Versionen integrieren zwei LEDs, die 8-W-Versionen vier LEDs. Für Kunden in Europa hat Seoul Semiconductor eine Niederlassung in Nürnberg eingerichtet.  gs

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