LED statt Birne – ja bitte, aber wie?

Der Ruf nach einem Verbot von Glühlampen wird weltweit immer lauter. Sogar die EU erwägt es. High-Brightness-Leuchtdioden (HB-LED) könnten in die entstehende Bresche springen. Substitution ist aber weder technisch noch wirtschaftlich eine triviale Angelegenheit.

Der Ruf nach einem Verbot von Glühlampen wird weltweit immer lauter. Sogar die EU erwägt es. High-Brightness-Leuchtdioden (HB-LED) könnten in die entstehende Bresche springen. Substitution ist aber weder technisch noch wirtschaftlich eine triviale Angelegenheit.

»MR16 durch eine LED zu ersetzen, ist eigentlich völliger Blödsinn. Aber 5 Milliarden Sockel sprechen dagegen. Der Markt lebt davon. Und das gilt für den E27- Sockel genauso.« Das sagt Gerhard Schröter, Mitgründer und Mitinhaber des deutsch/taiwanischen Leuchtdiodenherstellers Alder, der damit ein Hauptproblem der Branche anspricht: Für einen technisch optimierten und sinnvollen Einsatz der Leuchtdiode in der Beleuchtungstechnik bräuchte man neuartige Konzepte, die den Besonderheiten dieses Halbleiterbauteils gerecht werden. In der real existierenden Beleuchtungswelt dominieren aber nun mal viele Milliarden Steck- und Schraubfassungen, die sich nicht einfach austauschen lassen.

»MR16 durch eine LED zu ersetzen, ist eigentlich völliger Blödsinn. Aber 5 Milliarden Sockel sprechen dagegen. Der Markt lebt davon. Und das gilt für den E27- Sockel genauso.« Das sagt Gerhard Schröter, Mitgründer und Mitinhaber des deutsch/taiwanischen Leuchtdiodenherstellers Alder, der damit ein Hauptproblem der Branche anspricht: Für einen technisch optimierten und sinnvollen Einsatz der Leuchtdiode in der Beleuchtungstechnik bräuchte man neuartige Konzepte, die den Besonderheiten dieses Halbleiterbauteils gerecht werden. In der real existierenden Beleuchtungswelt dominieren aber nun mal viele Milliarden Steck- und Schraubfassungen, die sich nicht einfach austauschen lassen.

Die Halbleiterindustrie kann höchstens darauf hinwirken, dass diese Fassungen langfristig einem auf LED optimierten Konzept weichen. Einstweilen bleibt ihr aber nichts anderes übrig, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen und technisch »eigentlich« inadäquate Substitutionen zu unterstützen (siehe Kasten »Kaltlicht aus heißem Sockel« auf Seite 20). Ähnlich sieht das Steve Landau, Direktor Marketing Communications beim HB-LED-Pionier Philips-Lumileds: »Die Beleuchtungsindustrie sieht die Leuchtdiode immer noch primär als teure, aber effiziente Glühbirne, und die Halbleiterindustrie betrachtet sie oft noch primär als Halbleiterbauelement.  

Beide Seiten müssen miteinander reden und voneinander lernen. Das ist auch schon geschehen, aber wir haben noch viel Weiterbildungsarbeit vor uns.« Schröter vertieft auch diese Herausforderung anhand des Beispiels der in der Lichttechnik berühmten MR16. »Diese Halogenlampe benötigt viel Energie und spendet wenig Licht. Alder hat eine Alternative mit einer 2,5-WLED statt der üblichen 15 W entwickelt. Aber die Stromversorgung hat nur 50 Prozent Wirkungsgrad. Das macht alles wieder kaputt.«

»10 Mio. passende Wandler-ICs wären gar kein Problem«

Schröter spricht hier einen essenziellen Punkt an, dem wachsende Bedeutung zukommt, je höher der Wirkungsgrad der LED steigt. Zunächst könnte man Schröters Aussage freilich so deuten, als hätte der Designer der Stromversorgung für diese substituierende Lösung eben nur halbe Arbeit geleistet, brüsten sich die Wandler-IC-Hersteller doch mit Wirkungsgraden weit jenseits der 90-Prozent-Grenze.

Aus Schröters Sicht ergibt sich aber ein völlig anderes Bild: Er insistiert: »Die taugen nichts! Eine MR16 muss eine regelbare Helligkeit haben und ohne Regelung immer gleich hell leuchten, sie darf nicht heiß werden und muss bei jeder Helligkeit einen unveränderlichen Farbort haben. Wenn Sie mir da das IC liefern, sind 10 Mio. Stück gar kein Problem.«

Unter diesem Aspekt sieht die technische Herausforderung in der Tat anders aus. Keiner der zu dem Thema befragten IC-Hersteller kann eine passende Lösung aus dem Hut zaubern. Für manche Mitbewerber, denen Alder im Markt begegnet, scheint das aber kein Problem zu sein. Frank Marx, beim Halbleiterhersteller Zetex/Diodes für Sales und Marketing zuständig, hat auch schon einschlägige Beobachtungen gemacht: »Wenn Sie eine LED-MR16 aus Asien aufmachen, sehen Sie es gleich: Die kommen nicht mal an 5000 Betriebsstunden heran. Manche sterben gar augenblicklich. Letztere landen dann meistens schon wieder beim Verkäufer. Wer aber geht nach zwei Jahren wieder zum Händler – wenn man die Quittung überhaupt noch hat?«

Diese Feststellung deckt weitere Markteintrittsbarrieren auf, die auch Steve Landau Sorgen bereiten: »Frühe Käufer, die einen derartigen Reinfall mit LED-Leuchten erleben, schlussfolgern schnell, dass diese letztlich doch nichts taugen und dass die Hersteller mehr versprechen, als sie halten.« Ähnliches passierte allerdings auch schon den Anbietern von Energiesparlampen Anwender, die mit ihnen eine über Dimmer angesteuerte Glühbirne ersetzen wollten, mussten die Feststellung machen, dass ihr Dimmer streikte – die für Glühbirnen praktizierte und adäquate Phasenanschnittsteuerungstechnik eignet sich nicht ohne Modifikation für das Herunterregeln von Leuchtstoff- und anderen Gasentladungslampen.

So nährt die tatsächliche Entwicklung die volkstümliche Auffassung, dass Totgesagte sowieso länger leben. Und das will in Sachen Leuchtdiode heißen: Die wenigen Käufer, die jetzt schon bereit sind, den höheren Preis für die vermeintlich höhere Lebensdauer und Effizienz zu bezahlen, werden enttäuscht. Ihre Erfahrun- gen sprechen sich herum und könnten weitere potenzielle Käuferschichten vom Kauf abhalten.