WPS statt GPS?

Sind WLAN-Netze der Todesstoß für herkömmliche Navis? Deutsche Forscher erproben in Nürnberg, ob solche Netzwerke als Wegweiser taugen. In den USA ist ein derartiges System bereits im Einsatz...

Sind WLAN-Netze der Todesstoß für herkömmliche Navis? Deutsche Forscher erproben in Nürnberg, ob solche Netzwerke als Wegweiser taugen. In den USA ist ein derartiges System bereits im Einsatz. Als erster Hersteller hat Apple die neue Technik ins iPhone eingebaut und will damit GPS ersetzen.

Seit seiner Vorstellung vor gut einem Jahr wird von Kritikern bemängelt, dass Apples iPhone ein GPS-Modul fehlt. Ein solches Modul zur Navigation per Satellitenortung gehöre heute doch wohl zu jedem Highend-Handy. Apple-Chef Steve Jobs hielt dagegen, Navigationsmodule seien noch zu groß, würden zu viel Strom verbrauchen. Es gibt Forscher und Entwickler, die das ähnlich sehen: Die Lösung für dieses Problem sehen sie in Funknetzwerken.

Die US-Firma Skyhook Wireless hat ein System entwickelt, mit dem man per WLAN seine Position bestimmen kann. Mit einem ganz ähnlichen Ansatz hat das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (Fraunhofer IIS) ein Pilotprojekt in Nürnberg gestartet. Einen Namen hat die neue Technologie auch schon: WLAN-Positioning System, kurz WPS, soll es heißen. Und es funktioniert so: Wie ein Leuchtturm sendet jeder WLAN-Hotspot ständig ein Funksignal aus. Dessen Stärke lässt sich messen, ohne dass man sich dazu in das jeweilige Drahtlos-Netzwerk einwählen müsste. Aus den Signalstärken mehrerer Hotspots in der Umgebung lässt sich nun die eigene Position berechnen. Die für das Verfahren notwendige Infrastruktur sei längst vorhanden, da sind sich Fraunhofer IIS und Skyhook einig. Innerhalb des 25 Quadratkilometer großen Nürnberger Testgebiets beispielsweise kartierten die Forscher durchschnittlich 2000 WLAN-Sender pro Quadratkilometer.

Skyhook Wireless hat ungleich mehr Aufwand betrieben. Allein 2006 legten die Messfahrzeuge des Unternehmens eine Wegstrecke von fast 1,8 Mio. km zurück, kartografierten die Positionen von 18 Millionen Hotspots in den USA, Kanada und Australien. Als nächstes stehen die europäischen Metropolen an. Bis Ende März sollen Großbritannien, Frankreich und Deutschland zur Hälfte kartiert sein. Sollte danach ein mit der Skyhook-Technologie ausgerüstetes Gerät unterwegs einen neuen Hotspot erkennen, wird dessen Position anhand der umgebenden Hotspots berechnet und in die weltweite Datenbank eingetragen. Um trotzdem stets auf dem neuesten Stand zu bleiben, werden die Messfahrzeuge ständig im Einsatz bleiben und die kartierten Gebiete neu vermessen.