Wo sind 200 Mio. Handy-Chips geblieben?

Letztes Jahr wurden nach offiziellen Statistiken weltweit 1,43 Mrd. Basisband-Chips verkauft, es gingen jedoch nur 1,2 Mrd. Handys über die Ladentische. Wo sind also über 200 Mio. Chips geblieben?

Im Jahr 2008 haben die großen Fünf im Handy-Geschäft, nämlich Nokia, Samsung, LG, Motorola und Sony-Ericsson, rund 80 Prozent der weltweit verkauften Handys gebaut, die restlichen 20 Prozent kamen von kleineren Spezial-Herstellern. Insgesamt waren es 1,2 Mrd. Mobiltelefone und andere Mobilnetz-Geräte (Netbooks u.a.), die über die Ladentische gingen.

Marktforscher der Linley-Group haben nun ermittelt, dass 1,43 Mrd. Basisband-Chips verkauft worden sein sollen, so dass sich eine Zahl von rund 200 Mio. an scheinbar »herrenlosen« Basisband-Chips ergibt.

Die Marktforscher haben aber auch gleich die Antwort parat: Man müsse den vielen unlizenzierten Handy-Herstellern in China diese rund 200 Mio. Chips zurechnen: Sie hätten demzufolge in ihren Garagen- und Wohnzimmer-Firmen die ICs in Billig-, Kopie- und Nachbau-Mobiltelefone löten lassen.

Dieser graue Markt der unlizenzierten Hersteller nennt sich auch »Shanzhai-Markt«. Er besteht aus chinesischen Elektronik-Produkten, die sich dem offiziell erfassten Marktgeschehen sowohl technisch wie auch wirtschaftlich völlig entziehen. Das Wort »Shanzhai« hat auch einen sprachlichen Bezug zum Wort »Bergdorf«, womit nicht kontrollierbare Herstellungsorte gemeint sind.

Im Jahr 2005 soll der Shanzhai-Markt für Handys lediglich 20 Mio. Stück umfasst haben, dann aber beträchtlich auf rund das Zehnfache in 2008 gewachsen sein.

Doch auch hier macht sich ein moderateres Wachstum bemerkbar: Bis zum Jahr 2013 prophezeien die Analysten dem Shanzhai-Markt ein Wachstum von »lediglich« 8 Prozent jährlich, während sich der offizielle Mobilfunkgeräte-Markt mit durchschnittlich 6,1 Prozent an Plus pro Jahr begnügen müsse.