WiFi bekommt Konkurrenz über Kupferleitungen

Infineon, Intel, Panasonic und Texas Instruments haben einen Breitband-Initiative aus der Taufe gehoben. Mit dem HomeGrid Forum wollen die Gründer und weitere Mitglieder eine Plattform für die interoperable breitbandige Nutzung bestehender Kupferleitungen im Haushalt schaffen.

»HomeGrid ist die leitungsgebundene Entsprechung des WLAN-Standards WiFi«, sagt Matthew Theall, der Intel im HomeGrid Forum vertritt und von seinen Mitgliedern zum President ernannt wurde, »es soll mit HomeGrid ein einzelner Standard für interoperable Multimediageräte entstehen, die bestehende Strom-, Koax- oder Telefonleitungen breitbandig nutzen. Das Forum wird die Verbreitung solcher Produkte fördern, unter anderem indem es hierzu Zertifizierungen vergibt.«

Bis jetzt haben sich schon sieben weitere Firmen, darunter Halbleiterspezialisten wie DS2, Pulse Link und Gigle Semiconductor, angeschlossen. Der Standard soll der bereits einsetzenden Fragmentierung entgegen treten. Das HomeGrid Forum hat sich deshalb mit der ITU-T verbündet, der weltweiten Standardisierungsinstanz für die leitungsgebundene Kommunikation. Die ITU-T hat mit der Arbeitsgruppe G.hn bereits vor einiger Zeit eine Inititiative gestartet, die eine Empfehlung für die universelle Nutzung von Kupferleitungen für breitbandige In-House-Kommunikation schaffen soll. In dieser Arbeitsgruppe wirkt zum Beispiel die Universal Powerline Association (UPA) mit, die sich der Vernetzung mittels Stromleitungen verschrieben hat.

Warum braucht die Industrie denn überhaupt noch ein HomeGrid Forum, wenn die ITU-T ohnehin schon auf Kurs ist? »Das HomeGrid Forum wird einen Standard entwickeln, der auf der Empfehlung G.hn aufsetzt, aber zusätzlich Standards für Interoperabilität definiert«, sagt Theall. Was der Beweggrund dafür ist, illustriert ein Blick auf den bereits verwöhnten WiFi-Standard: Im WLAN-Standard IEEE 802.11 sind zwar grundlegende Techniken wie die Luftschnittstelle und der Zugriff auf das Medium definiert, jedoch schaffen die noch keine Interoperabilität. »HomeGrid wird Kunden echtes Plug-and-Play ermöglichen. Es ebnet den Weg zum digitalen Heim«, versichert Christian Wolff, der als Vice President bei Infineon das Geschäft mit Breitbandzugängen verantwortet.

Das HomeGrid Forum hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt: Schon in einem Jahr soll die Spezifikation, einschließlich der Interoperabilitätsrichtlinien, fertig sein. Und die beteiligten Halbleiterfirmen versprechen schon jetzt, dass sie kurz nach der Verabschiedung der Spezifikation Silizium bereitstellen werden. Beteiligte Unterhaltungselektronikfirmen wie Panasonic wiederum wollen bald darauf sicherstellen, dass vernetzungsbedürftige Kunden nicht lange danach erste interoperable Geräte im Laden kaufen können.