UMTS: »Risiko für Hirntumore ist möglicherweise erhöht«

Nach aktuellen Forschungsergebnissen von Prof. Franz Adlkofer, Geschäftsführer und Mitglied des Rats der Stiftung für Verhalten und Umwelt, VERUM, erhöht die UMTS-Strahlung die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu erkranken. Im Gespräch mit elektroniknet.de erläutert Prof. Adlkofer wie er zu diesem Ergebnis kommt.

Laut den Ergebnissen Ihrer Studie wirkt die UMTS-Strahlung zehnmal stärker auf die DNA als GSM. Was bedeutet das für die Gesundheit des Menschen?
Unsere Forschungsergebnisse wurden im Reagenzglas erhalten und sind folglich nicht übertragbar auf den menschlichen Organismus. Sollte eines Tages der Nachweis erbracht werden, dass der Mobilfunk ein Risiko für die menschliche Gesundheit darstellt, sprächen unsere Befunde dafür, dass UMTS-Signale schädlicher als GSM-Signale sind. 

Über welchen Zeitraum und wie intensiv muss der menschliche Köper der Strahlung ausgesetzt werden, um ernsthaft zu erkranken?
Wir wissen heute, dass dem Ausbruch chronischer Erkrankungen wie Krebs und Alzheimer je nach der Intensität einer schädlichen Einwirkung in der Regel eine Latenzzeit von bis zu 20 und mehr Jahren vorausgeht. Es ist bis heute nicht bewiesen, dass die Mobilfunkstrahlung unterhalb des geltenden Richtwertes eine solche schädliche Einwirkung darstellt.

Ist zu befürchten, dass mit der zunehmenden Nutzung elektromagnetischer Felder ein Gesundheitsproblem von großem Ausmaß auf unsere Gesellschaft zukommt?
Neuere epidemiologische Untersuchungen weisen darauf hin, dass bei Nutzern von Mobiltelefonen über zehn und mehr Jahre hinweg das Risiko für Hirntumore möglicherweise erhöht ist. Unsere Forschungsergebnisse beweisen, dass die Mobilfunkstrahlung zumindest im Reagenzglas über ein krebserzeugendes Potenzial verfügt, was den Verdacht verstärkt, dass die epidemiologischen Befunde in die richtige Richtung weisen. Im Hinblick auf die biologische Wirkung und die universelle Verbreitung der Mobilfunktechnik kann deshalb heute in keiner Weise ausgeschlossen werden, dass unsere Gesellschaft von einem Gesundheitsproblem großen Ausmaßes bedroht ist.

Sie fordern, dass zum Schutz der Bevölkerung die Entscheidungsträger in Wirtschaft und Politik nach dem Vorsorgeprinzip handeln müssen? Was heißt das konkret?
So lange die Erkenntnislage unzulänglich bleibt, sollte für die Entscheidungsträger in Industrie und Politik ebenso wie für ihre Berater das Vorsorgeprinzip zum Schutze der Bevölkerung, nicht beharrliches Leugnen einer möglichen gesundheitlichen Gefährdung, die Grundlage der Risiko-Kommunikation sein. Des Weiteren sollten ausreichend Mittel für innovative Forschungsansätze bereitgestellt werden, deren Ziel der rasche Erkenntnisgewinn über mögliche gesundheitliche Risiken und ihrer Vermeidung durch Anpassung der Mobilfunktechnik an die menschlichen Bedürfnisse sein muss.

Forscher der Jacobs University in Bremen haben bei einem Langzeitversuch an Mäusen keine Gesundheitsgefährdung durch UMTS-Felder feststellen können. Was sagen Sie dazu?
Von den vielen Versuchen an Ratten und Mäusen, die in den zurückliegenden Jahren durchgeführt wurden, haben nur ganz wenige Hinweise dafür erbracht, dass durch die Mobilfunkstrahlung die Gesundheit der Tiere beeinträchtigt werden könnte. Zum einen ist die in den Expositionsanlagen auf die Tiere einwirkende Strahlenbelastung nur bedingt vergleichbar mit der bei Nutzern von Mobiltelefonen. Zum andern sind tiermodell-spezifische biologische Funktionsmechanismen nicht auszuschließen. Letzteres bedeutet, dass die Reaktion der Versuchstiere auf elektromagnetische Felder im Vergleich zu der von Menschen durchaus verschieden sein kann. Die Übertragung von Forschungsergebnissen, die im Tierversuch erhalten wurden, auf den Menschen ist deshalb nach wie vor eine unsichere Angelegenheit.

Was raten Sie dem Verbraucher?
Verbraucher sollten sich bei der bestehenden Unsicherheit über mögliche gesundheitliche Risiken der Mobilfunkstrahlung auf der Grundlage der ihnen zugängigen Information um ein eigenes Urteil bemühen und darnach handeln. Meine Vorschläge: Kein Handy in Kinderhände geben; Benutzung des Handys nur und dann möglichst kurz, wenn dies dringend erforderlich ist; Benutzung des Handys nur bei gutem Zugang zur Basisstation, da die Energieeinwirkung auf das Gehirn dann am geringsten ist; bei großen Ängsten Verwendung eines handfreien Head-Sets.