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Exynos-5-Prozessor: Kein Energiesparwunder von Samsung

Samsung brachte als erster Hersteller mit dem Exynos-5-SoC einen Chip mit ARMs Cortex-A15-Cores auf den Markt und verzichtete dabei auf eine Big.LITTLE-Implementierung. Dies erwies sich als großer Fehler, wie die Energieaufnahme des ersten Gerätes mit dem Exynos-5, dem Chromebook 300, zeigt.

Das SoC Exynos 5 enthält neben dem Dual-Core-Cortex-A15 die übliche Mobilgeräte-Peripherie, jedoch kein integriertes Modem wie Qualcomms Snapdragon-Chips. Bildquelle: © Samsung
Das SoC Exynos 5 enthält neben dem Dual-Core-Cortex-A15 die übliche Mobilgeräte-Peripherie, jedoch kein integriertes Modem wie Qualcomms Snapdragon-Chips.

Der Exynos-5 implementiert einen Dual-Core-Cortex-A15, der im neuen Chromebook, einem preisgünstigen Low-End-Notebook, mit 1,7 GHz getaktet wird. Samsung verzichtete allerdings auf den Partner-Core Cortex-A7, der eigentlich  weniger rechenintensive Workloads übernimmt und zusammen mit dem Cortex-A15  im sogenannten Big.LITTLE-Modell [1] arbeiten kann. Die beiden Prozessoren wechseln sich bei dieser Konstellation je nach Anforderung ab. Mit dem Verzicht spart Samsung nicht nur Chipfläche, sondern auch Lizenzgebühren.

Im Idle-Mode nimmt das Chromebook mit abgeschaltetem Display schon rund 4 W auf, dieser Wert steigt jedoch bei Volllast auf über 9 W, was die Batterielaufzeit selbst bei Web-Browsen auf 6 Stunden limitiert (eingebaut ist ein 30 Wh-Akku).

Was allerdings besonders bedenklich erscheint, ist die Tatsache, dass Samsung mit dem Exynos-5 auch Design-Wins in Smartphones erzielen will. Wie dies angesichts dieser Leistungsaufnahme vor allen Dingen im Idle-Modus möglich sein soll, erscheint rätselhaft. Zum Vergleich: Ein iPhone 5 hat einen Akku mit einer Kapazität von 5,45 Wh, also über 5x weniger als das Chromebook.

Unstrittig ist eine hohe Rechenleistung: Während das iPhone 5 mit seinem Dual-Core-A6-Prozessor, der in Samsungs identischem 32-nm-High-K/Metal-Gate-Prozess gefertigt wird und deswegen sehr gut verglichen werden kann, beim SunSpider-Benchmark, der die Javascript-Leistung misst, auf 914,7 ms kommt, reichen dem Chromebook 690,5 ms.

Bereinigt um die Taktfrequenz (1,7 GHz vs. 1,3 GHz) bleibt freilich kein großer Vorteil mehr übrig (1,7/1,3 * 690,5 = 903 ms), was zeigt, was für eine großartiges Paket aus CPU und OS Apple geschnürt hat. Im Browsermark-Benchmark erzielt der Apple-A6 215.284 und der Exynos-5 217.031 Punkte – ein angesichts der erheblich höheren Taktfrequenz enttäuschender Wert, der jedoch nicht nur durch die Hardware, sondern in erheblichem Maße auch durch das OS und die Browser-App beeinflusst wird.

Wie wir ja schon ausführlich dargestellt haben [2], ist der Cortex-A15 auf hohe Rechenleistungen optimiert worden, die in einem Smartphone nur bedingt abgerufen werden. Warum Samsung nicht ARM [3]s Empfehlung gefolgt ist, das Big.LITTLE-Modell mit einem energiesparenden Cortex-A7 zu implementieren, bleibt rätselhaft. Auch die Rechenleistung lässt zu wünschen übrig, hier muss sich Samsung fragen lassen, ob die SoC-Implementierung mit dem Dual-Core-Cortex-A15 in Verbindung mit dem Chrome-OS wirklich gelungen ist. Dass wir den Exynos-5 unter diesen Umständen nicht in sehr vielen Smartphones (vor allen Dingen außerhalb des Samsung-Konzerns) sehen werden, kann damit wohl als sicher angenommen werden.