Software Defined Radio (SDR) vollständig umgesetzt

Der Netzausrüster Nokia Siemens Networks zeigte auf dem Mobile World Congress 2009 in Barcelona Basisstationen, die sich per Software auf neue Übertragungsverfahren umrüsten lassen. Kai Sahala, Leiter der Abteilung »Strategic Solution Sales« und »Radio Access« bei Nokia Siemens Networks, erläutert die Vorteile von SDR.

Was hat der Mobile World Congress konkret für Ihr Unternehmen gebracht?

Das Wichtigste beim Mobile World Congress waren für uns bei Nokia Siemens Networks der Kontakt und die Gespräche mit unseren Kunden.

Wird die HSPA- bzw. HSPA+-Entwicklung in Europa und USA unter dem sich bereits abzeichnenden LTE-Boom leiden?

Derzeit gibt es weltweit ungefähr 300 Millionen WCDMA/HSPA-Vertragskunden. Wir erwarten, dass nach und nach immer mehr entsprechende Verträge abgeschlossen werden. China ist hierfür ein gutes Beispiel.

Nach HSPA und HSPA+ wird LTE benötigt, um die Mobilfunknetze erneut zu verbessern und nach und nach aufzurüsten. Nokia Siemens Networks ist auf diese Entwicklung gut vorbereitet. So lässt sich unsere Basisstation »Flexi Multiradio« ausschließlich durch einen Software-Upgrade auf HSPA+ und LTE umstellen. Den Netzbetreiber stehen daher alle Optionen offen, um die installierte Basis umfassend zu nutzen und so HSPA+ noch erfolgreicher zu machen. NSN ist der Auffassung, dass sowohl HSPA und HSPA+ von den jetzigen und künftigen 3G-Kunden nachgefragt werden. LTE wird die 3G-Entwicklung dann weiter beschleunigen.

In Barcelona stand die Long Term Evolution (LTE) im Mittelpunkt der Diskussionen und Produktpräsentationen. Welchen besonderen Beitrag leistet Nokia Siemens Networks (NSN) zu dieser Entwicklung?

Nokia Siemens Networks wird das LTE-Verfahren und die damit zusammenhängenden Aktivitäten in vollem Umfang unterstützen. Dazu können wir auf eine eindrucksvolle Liste mit unseren Beiträgen zur LTE-Entwicklung verweisen. Hierzu gehören unter anderem:

• Die »Flexi«-Basis-Station von NSN, die sich per Software auf HSPA+ und LTE nachrüsten lässt. Mit der Auslieferung haben wir im dritten Quartal letzten Jahres begonnen. Das jüngste Mitglied dieser kleinen, modularen und energie-effzienten Produktfamilie ist die NSN »Flexi Multiradio Base Station«. Bei dieser wurde das Konzept eines »Software Defined Radios« (SDR) bereits vollständig umgesetzt und sie kann daher nebeneinander in einer einzigen Basisstation die Verfahren GSM/EDGE, WCDMA/HSPA und LTE fahren. In dieser Basisstation laufen GSM, EDGE, WCDMA, HSPA, HSPA+ und LTE auf derselben Hardware.

• Die Interoperabilität zwischen den Geräten und Anlagen für die LTE-Infrastruktur ist eine kritische Anforderung an die künftige Netzausrüstung. In Barcelona hat NSN ein LTE-System gezeigt, das dem 3GPP-Standard entspricht; die Infrastruktur-Ausrüstung kam dabei von NSN, die Technologie für das LTE-Endgerät von Qualcomm.

• Nokia Siemens Networks ist seit seiner Gründung im Mai 2007 eines der Mitglieder und treibenden Kräfte der LTE/SAE Trial Initiative (LST), einer Industrie-Kooperative.

• In Barcelona haben wird den »Flexi Network Server« und den »Flexi Network Gateway« vorgestellt. Diese sind Teil des NSN-Mobilfunk-Systems »Evolved Packet Care« (EPC) für den »Long Term Evolution«-Standard (LTE) und das VoLTE-Verfahren (Networks Voice over LTE).

• Die »Flexi Base Station« von NSN wurde bei der jährlichen Verleihung des GSMA Global Mobile Awards 2009 als die fortschrittlichste Technik bei den Mobilfunk-Systemen bewertet. Der damit verbundene »Best Network Techology Advance Award« wurde für die Flexi BTS auf dem Mobile World Congress in Barcelona am 17. Februar 2009 verliehen.

Mit der Finanzkrise wird es für die Unternehmen schwieriger, Kredite zu bekommen. Wird Ihrer Meinung nach dadurch auch das Geschäft der Mobilfunk-Netzausrüster beeinträchtigt?

Nach einer Schätzung von Nokia Siemens Networks wird sich der Weltmarkt für die Infrastruktur in der Telekommunikation um 5 Prozent und mehr abschwächen. In der Praxis bedeutet dies, dass einige Teilmärkte weiter wachsen werden, während andere nachlassen. Die Netzbetreiber werden also ihre Investitionen sehr sorgfältig planen. Für reife Märkte in der Telekommunikation gilt zunächst, dass die Auslastung weiter ansteigt, und dies erfordert weitere Investitionen. In den »developing markets«, also den Wachstumsmärkten wie Indien, werden Investitionen erforderlich sein, einfach weil die Zahl der Vertragskunden weiter wächst.