Google Glass Rosige Zukunft für die Datenbrille? Nur, wenn die Apps zünden!

Nahezu 10 Millionen intelligente Brillen könnten laut IHS in den fünf Jahren zwischen 2012 und 2016 verkauft werden. Aber nur, wenn die Entwickler es schaffen, attraktive Apps auf die Datenbrille zu bringen. IMS Research prognostiziert zwei völlig unterschiedliche Szenarien.

Google ist mit seiner Datenbrille »Glass« der Vorreiter, andere werden folgen. Im Zuge des aktuellen Hypes um den »Computer auf der Nase« könnte der weltweite Markt für solche Geräte bis 2016 boomen und ein Volumen von ca. 9,4 Millionen Geräten umfassen. Dies ergab eine Studie der Marktforschungsinstituts IHS IMS Research vom April 2013. Die Verkaufszahlen der »Smartbrillen« könnten demnach in fünf Jahren bei 6,6 Millionen Geräten liegen. Zum Vergleich: Vergangenes Jahr wurden gerade einmal 50.000 solcher Geräte verkauft. Bereits in diesem Jahr wird mit Wachstumsraten von 150% und einem Absatz von 124.000 gerechnet. Weil aktuell nur Entwickler in den Genuss der neuen Produkte kommen, wird das Wachstum wohl erst mit dem öffentlichen Verkaufsstart von Google Glass im Jahr 2014 explodieren. Optimistischen Schätzungen zufolge wird der Absatz sich dann mehr als verdreifachen.

Voraussetzung für diese positive Zukunftsaussicht ist allerdings, dass Google Softwareentwickler dazu bewegen kann, ansprechende Applikationen für seine Datenbrille anzubieten. Daher spielen die ausgewählten Testentwickler eine immens wichtige Rolle, die bereits für 1.500$ eine Vorab-Version von »Glass« erwerben konnten. Sie sollen innovative Funktionen anregen und das Produkt so für den Endverbraucher interessant machen. Denn ein Massenmarkt wird sich nur dann erschließen lassen, wenn die Datenbrille im alltäglichen Gebrauch von überzeugendem Nutzen ist. Theo Ahadome, Senior Analyst bei IHS, bekräftigt diese Auffassung: »Die Apps sind für den Erfolg von Google Glass viel entscheidender als die Hardware«.

Ein zweites, pessimistisches Szenario geht von nur etwa einer Million verkauften Smartbrillen bis 2016 aus. Sollte es keine bahnbrechenden Augmented-Reality Apps für Glass geben, könnte die Datenbrille mehr oder weniger zu einer tragbaren Kamera verkommen, mit der man vor allem sportliche Aktivitäten aufzeichnen kann. In diesem Fall stünde Glass in Konkurrenz zu bereits etablierten tragbaren Kameras wie GoPro Hero oder  Recon MOD Live. Zwar hatte auch dieser Markt 2012 ein Volumen von 200 Millionen US-Dollar, doch wäre es nicht die erhoffte Goldgrube  mit weitreichender weltweiter Verbreitung.

Letztendlich hängt der Erfolg von Google Glass also von der Häufigkeit der Anwendung ab. »Je seltener Menschen mit persönlichen Kommunikationsmitteln interagieren, desto wertloser werden diese für sie«, so Ahadome. Der Schlüssel sind also die Anwendungen, welche in beliebigen Situationen Zusatzinformationen einblenden können, die auf herkömmliche Art und Weise nicht verfügbar wären. Das können Live-Updates zu Reisezielen sein, Restaurantbewertungen und -empfehlungen, Ernährungshinweise oder wissenswerte Infos zu realen Objekten. Wenn es den Entwicklern gelingt, den Nutzer unaufdringlich und gewinnbringend über seine Umwelt zu informieren, sind die Zukunftsaussichten in der Tat rosig.