RFID-Chips gefährden Recycling von Glas und Kunststoff

Winzige Funk-Etiketten auf Warenverpackungen und Flaschen, die Informationen bereit halten, könnten zu Problemen bei der Wiederverwertung von Glas, Papier und Kunststoff führen, fanden Dortmunder Forscher heraus.

Beispielsweise sollen bald Weinflaschen mit einem RFID-Chip versehen werden. Dieser funkt ans Mobiltelefon bestimmte Informationen, etwa wie viele Auszeichnungen der Rebensaft gewonnen hat und bei welcher Temperatur er getrunken werden soll.

Wenn die RFID-Chips jedoch in großer Zahl in der gelben Tonne oder im Altglascontainer landen, werden sie alsbald das deutsche Entsorgungssystem lahm legen, behaupten die Forscher aus dem Team von Rolf Jansen von der Technischen Universität Dortmund. Papier ließe sich nicht mehr problemlos recyceln, Plastik und Glas ebenso wenig.

elektroniknet im Gespräch mit Dipl. Wirt.-Inf. Martin Helmigh, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Logistik der TU Dortmund. Dort beschäftigt er sich mit dem Einsatz von RFID und Telematik in logistischen Prozessen.

Herr Helmigh, welche Probleme entstehen beim Altglasrecycling von RFID-Chips?
Das Hauptproblem beim Altglasrecycling sind die Siliziumchips, die den Schmelzprozess überstehen und damit zu Schwachstellen im recycelten Glas führen. Zudem kann es bei Kupferantennen zu Verfärbungen im Glas kommen.

Warum lassen sich auch Papier und Kartonage nicht problemlos recyclen?
Beim Papierrecycling bereitet die Einbringung von Fremdstoffen schon jetzt Probleme, zum Beispiel Fenster von Briefumschlägen oder auch Klebeband. In geringen Mengen können diese jedoch bei der Aufbereitung ausgefiltert werden. RFID-Transponder mit wasserfesten Klebstoffen können hier zu einer Überlastung der Filteranlagen und/oder zu einer Verschlechterung der Papierqualität führen.

Wie reagieren die Warenhersteller auf die Ergebnisse Ihrer aktuellen Recycling-Studie?
Das Problem ist bisher noch nicht in das Bewusstsein der Hersteller gedrungen, da RFID bisher auch vor allem im logistischen Backend eingesetzt wird und noch nicht verbreitet auf Endprodukten zu finden ist.

Wie kann man diesem Müll-Funkchip-Problem entgegenwirken?
Grundsätzlich sollten Transponder, ähnlich wie EAS-Etiketten, mehrfach verwendet werden, zumal dies technisch ohne weiteres möglich ist. Beim Einsatz auf Endprodukten sollte der Transponder auf die Verpackung oder das Produkt, auf dem er angebracht ist, abgestimmt sein, so dass er im Recyclingprozess problemlos entfernt werden kann.